Sejnene Puppen als Weg aus der Armut

Die Stadt Sejnene wird Sameh Mkhinin, einem Kind der Stadt ewig dankbar sein. Die Lehrerin verband das Nützliche mit dem Angenehmen und veränderte damit das Image ihrer Region und gab ca. vierzig Frauen, die alle unter sehr schwierigen, von Armut gekennzeichneten Bedingungen lebten, Arbeit. 

Um das Image einer Stadt zu verbessern, kann man viel Geld investieren und Kommunikationsexperten beschäftigen. Der Stadt Sejnene gelang es mit geringsten Kosten, ja ohne selbst etwas auszugeben, ihr Image aufzupolieren. 2011 war die Stadt als Hochburg der Salafistenbewegung zu plötzlicher Bekanntheit gelangt. In den Medien war sogar von einem „salafistischen Emirat“ die Rede. Heute ist das Vergangenheit. Ausgangspunkt für diese Veränderung war zunächst natürlich die Verbesserung der Sicherheitslage, aber vor allem das Engagement und der Erfindungsreichtum einer Frau. „Mich an der Entwicklung meiner Heimatstadt zu beteiligen und den Bewohnern die Möglichkeit zu geben, ihre Lebenssituation zu verbessern, ist für mich vor allem eine Bürgerpflicht“, unterstreicht Sameh Mkhinin.

Sejnene zählt zu den ärmsten Städten Tunesiens. Die im Norden des Landes, im Gouvernorat von Bizerte gelegene Stadt hatte lange kaum Kontakt mit dem Rest des Landes und lebte auf sich zurückgezogen. Gleichzeitig hütete sie so über viele Jahre ein Geheimnis, bis zu dem Tag, an dem die Vierzigjährige beschloss, diesen Schatz mit anderen zu teilen. „Das Leben hier ist einfach. Die Menschen sind einfach. Aber hinter dieser Einfachheit verbirgt sich ein einzigartiges Talent und ein besonderes Fachwissen. Meine Aufgabe besteht darin, diese Fähigkeiten bekannt zu machen, sie kontinuierlich aufzuwerten und meinen Mitbürgern die Möglichkeit zu bieten, von dieser Gabe zu profitieren“, freut sich die Präsidentin des Vereins der Töpferinnen von Sejnene (Association des femmes potières de Sejnene – AFPS).

Ein Wettlauf mit der Zeit

Ende 2011 besuchte eine offizielle Delegation unter der Leitung der Frauenministerin im Rahmen eines nationalen Programms zur Unterstützung der Frauen im ländlichen Raum Sejnene. Als Mitglied des Empfangskomitees konnte sich Sameh Mkhinin diese Gelegenheit nicht entgehen lassen. „Ich erfuhr von der Existenz mehrerer Programme zugunsten der Frauen in ländlichen Regionen. Ich sah auch wie sehr der Delegation unsere Töpferwaren gefielen, die doch mit sehr bescheidenen Mitteln und eher archaischen Methoden hergestellt wurden. Man könnte sogar sagen, dass sie ihrem Charme unterlegen ist. Ich fragte mich also, ob man all diese Frauen nicht in einem Projekt vereinen könnte.“ Gesagt, getan. Mkhinin begann daraufhin eine Mobilisierungsaktion zu starten. „Es war ein Wettlauf mit der Zeit. Ich musste die Töpferinnen so schnell wie möglich zu einer Gruppe zusammenfassen, um in den Genuss einer finanziellen Unterstützung zu kommen. Glücklicherweise waren sie alle vom Vorteil eines derartigen Projekts überzeugt.“ Mkhini musste auch auf die Hilfe einer sehr motivierten Gruppe von Freundinnen zurückgreifen, um den harten Kern der „Association des femmes potières de Sejnene“ zu bilden.

Die Puppen von Sejnene werden internationalisiert

Seit seiner Gründung befasst sich der Verein konkret mit seiner Aktivität. Wir sind mit der spanischen Stiftung zur Erneuerung des Handwerks in Kontakt getreten, die uns eine beträchtliche finanzielle und technische Hilfe gewährte“, berichtet Sameh Mkhini. Diese Unterstützung erlaubte es dem Verein die Aktivitäten der Handwerkerinnen zu finanzieren. „Es ging in erster Linie darum, ihnen Hoffnung zu vermitteln, sie an eine bessere Zukunft glauben zu lassen und ihnen gleichzeitig eine Einkommensquelle zu sichern“. Die Vorgangsweise des Vereins ist einfach: die Handwerkerinnen finanziell unterstützen und Ausstellungen organisieren, damit sie ihre berühmten Puppen aus Ton verkaufen können. „Wir haben auch versucht, diese Puppen so weit wie möglich zu modernisieren, um sie in den Augen der Kunden ansprechender zu machen. Wir haben an mehreren Messen teilgenommen und konnten dabei das alte Wissen, das von der Mutter an die Tochter weitergegeben wird, entsprechend bewerben“. Das besondere Highlight war, dass die Puppen von Sejnene dank der Partnerschaft mit der spanischen Stiftung auf europäischen Messen ausstellt werden konnten. Das hat dieser handwerklichen Aktivität mit einem Schlag zu mehr Bekanntheit verholfen.

Zusätzlich hat die Initiative von Sameh Mkhinin andere Vereine dazu angeregt, das Fachwissen der Töpferinnen von Sejnene zu fördern. Heute sind diese Puppen, die in mehreren europäischen Ländern ausgestellt und verkauft werden, zum Symbol der Stadt geworden.