Tarenti Eine neue Rinderrasse und Arbeitsplätze in der nachhaltigen Landwirtschaft

Karim Daoud hat die Liebe zum Acker als Erbe erhalten, sowohl im wahrsten als auch übertragenen Sinne des Wortes. Die Leidenschaft, die Wissenschaft, das Zuhören und die Informationsbeschaffung in den Büchern regen ihn dazu an, Kühe der Tarenteser Rasse aus ihrer Hochburg in Savoyen nach Tunesien kommen zu lassen, wo er sich der nachhaltigen Landwirtschaft ganz widmet. Heute hat er mit der Herstellung hochwertigen Käse seinen Höhepunkt erreicht.

"Ich habe meinem Vater, Arzt und Landwirt aus Leidenschaft, zugesehen, als er unseren Bauernhof auf einem kleinen Hügel von Naasane baute. Er wollte in der Tat beweisen, dass er imstande ist, einen kalkhaltigen Boden nach langen Aufbruch- und Unterbodenlockerungsarbeiten in einen „Garten“ zu verwandeln. „Diese Leidenschaft zum Bauen kannte ich also schon seit meiner Kindheit, bevor ich die Fackel übernahm“ erinnert sich nostalgisch Karim Daou, der Gründer der Käserei Tarenti.

Als Sohn einer Bauernfamilie in mehreren Generationen, studiert er Tiermedizin in Frankreich. Er lebte rund 12 Jahre in Paris. In dieser Zeit schrieb er Bücher über die Tiere in Frankreich. Seine Pariser Ehefrau, ehemalige Studentin der bildenden Künste, entdeckte die Leidenschaft für das Licht und die Lebensqualität in Tunesien. Sie haben sich seit 1989 mit ihren Kindern in einem stilvollen Haus „Dar Arbi“ (traditionelle tunesische Behausung) nah dem Bauernhof niedergelassen.

„Es wäre doch klüger, Kühe zu kaufen !“

Gleich nach dem Einzug, sah sich Karim Daoud 1990 mit seinem ersten Problem konfrontiert, das Wasser. Der Bauernhof wurde ja durch den Medjerda-Cap Bon-Kanal in zwei Teilen aufgespalten, in der Zeit als sein Vater, damals Arzt des Präsidenten Bourguiba, aus zwingenden Gründen des öffentlichen Interesses mit drei Hektar Land enteignet wurde, nachdem die Bauarbeiten am Kanal für sechs Monate eingestellt wurden..„Wir sahen das Wasser, durften es jedoch nicht fassen. Das Dilemma war eindeutig: wenn ich mich entschlösse, mich in die Landwirtschaft zu investieren, wie ich seit langem den Wunsch hatte, bräuchte ich unbedingt Wasser. Das Problem bestand darin, dass der Bauernhof nicht in einem bewässerten Feld lag. Also habe ich es beantragt, dann habe ich den Staatssekretär für Landwirtschaft getroffen. Er hat gleich verstanden, dass ich wirklich arbeiten wollte. Er hat mich dann einfach darum gebeten, das Jahr 1990, das weitgehend durch Trockenheit gekennzeichnet war, verstreichen zu lassen und mich zu einem späteren Zeitpunkt bei ihm zu melden. Das habe ich dann auch getan, und die Genehmigung erhalten, die mir erlaubt 20 Liter/sec. zu pumpen“, sagt er.

In der Folge vollendet Karim innerhalb von zwölf Monaten die Aufbruch- und Unterbodenlockerungsarbeiten, bevor er, zu den bestehenden Olivenbäumen seines Vaters, die Neuanpflanzung von Weinstöcken und Mandelbäumen unternimmt. Er pflanzt ebenfalls, auf siebenundzwanzig Hektar Fläche, Weidegras für die Herde. Außerdem und aufgrund des nährstoffarmen Boden kauft er 1992 für 22.000 Dinars Naturdünger, mit anderen Worten Mist, um den Boden anzureichern, ihn zu regenerieren, zu pflegen und seine Fruchtbarkeit aufrechtzuerhalten. Ihm geht jedoch sofort eine Überlegung durch den Kopf: diese 22.000 Dinars entsprechen schließlich der Summe, die für den Kauf von 10 Kühen nötig ist. „Ich habe mir also gesagt, dass es doch klüger wäre, Kühe .zu kaufen und selbst Mist zu produzieren!“.

So nahm seine Berufung als Züchter, der in ein System des schon vollständig verankerten Obstbaus eingebunden ist, Gestalt an. Seine Entscheidung steht nun fest, er geht in die Bibliothek des Instituts für Landwirtschaft in Tunesien, um Forschungen über bodenständigen Rinderrassen anzustellen, die für Tunesien geeignet sind. Obwohl die Rasse Holstein bis dahin als die meistgefragte Rasse in Tunesien galt, findet er heraus, dass die aus der Tarentaise in Savoyen in Frankreich stammende Tarenteser Rasse an tunesisches Klima bestens angepasst ist, an Raufutter gewöhnt und widerstandsfähig.

„Ich habe aus Savoyen einen Lastkraftwagen mit dreißig Färsen eingeführt, die ich mit einem befreundeten Züchter aus Mateur gleichmäßig geteilt habe, also fifty fifty. Ich habe mit der Zucht begonnen und habe kurzer Zeit später festgestellt, dass die Tarenteser letztendlich Milch von hoher Qualität gaben. Also habe ich mich in die Milchproduktion gestürzt.“

Das Modell der kleinen Savoyner Züchter

Der Bauernhof von Karim zählt heute sechzig Milchkühe in einem Bestand von insgesamt 180 Tieren. Außerdem hat er seit weniger als einem Jahr damit begonnen, Käse zu produzieren. „Ich habe festgestellt, dass diese Rinderrasse Milch von hoher Qualität gab, aus der der beste Käse produziert werden kann. Ich habe zunächst meine Milchproduktion an Käsefabrikanten verkauft und zwar zu einem höheren Preis als dem Verkaufspreis des Holsteins, aufgrund seiner Reichhaltigkeit an Proteine (ß-Casein). Diese Milch eignet sich im Übrigen besonders für die Herstellung der Käse Beaufort und Tomme de Savoie. 2014 habe ich dann mein eigenes Käse-Sortiment mit der Unterstützung meiner Frau, die in die Betriebsführung sehr eingebunden war, entwickelt. Wir haben eine kleine traditionelle Betriebseinheit für Käseherstellung aufgebaut mit einem Keller für eine Reifungszeit von 2 bis 3 Monaten. Meine Frau hat dann bei Züchtern in Savoyen ein Praktikum absolviert. Im Grunde genommen haben wir das Modell der kleinen Savoyner Züchter übernommen“ vertraut er uns an.

Die Herstellung der Tomme de Chbedda, Käsen vom Typ Saint Marcelin, der rigouta (Mollenkäse), der Mozzarella hat gerade begonnen. Seine Frau verkauft ihre Produkte in Tunis und Umgebung und veranstaltet regelmäßig auf dem Bauernhof Käseverkostungen.

Ihr ältester Sohn ist seinerseits damit beschäftigt, Freizeitaktivitäten zum gleichen Thema zu entwickeln. „Es ist uns gelungen, eine nachhaltige Landwirtschaft in Familienbetrieb aufzubauen, mit Plykultur und Viehwirtschaft“, kommentiert er mit Stolz.

Ein weiterer Grund zum Stolz ist die Gründung eines Verbundes zur Entwicklung der Tarenteser Rasse, in Partnerschaft mit dem Zentralamt für Viehzucht und –weiden (l'Office de l'élevage et des pâturages) und mit der Beteiligung von Züchtern aus Mateur, Ariana und Jendouba.

Das Einzige, was er bedauert, ist die von ihm bezeichnete „fehlende strategische Perspektive“ der tunesischen Verwaltung und ihre mangelnde Bereitschaft, mit den Landwirten, den auf der Strecke gebliebenen Stiefkindern der Entwicklung, eng zusammen zu arbeiten. Letztere können das Blatt wenden, nur wenn sie sich in aktiven Verbänden Organisieren.

Sein letzter Gedanke ist eine Art Introspektion, die als Leitspruch ausgedrückt wird:“Für mich ist Landwirtschaft nicht nur ein Beruf, das ist ein Priestertum, das eine Verfügbarkeit rund um die Uhr abverlangt, insbesondere wenn es um Viehzucht geht. „Die Augen des Herrn mästen das Pferd“, so lautet das französische Sprichwort.