Napolis Mit Bioprodukten zu einer ortsbezogenen Dynamik

  •  Foto: Tarek Marzougui
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Emma Ben Haouala-Bernegger eine dynamisch-fröhliche Frau, völlig in zwei Kulturen beheimatet, Gelegenheitsphilosophin dazu, führt uns eine Lebenshaltung vor den Augen , die der Achtung der Erde sowie den traditionellen Produktionsmethoden gewidmet ist. Ihre Laufbahn erreichte ihren Höhepunkt dadurch, dass sie es schaffte, eine eigene Marke von Bioprodukten zu entwickeln, die nach einem völlig traditionellen Verfahren hergestellt sind und zwar in einem Haus in der neuen Medina südlich der Hauptstadt Tunis.

“Es ist in der Tat sehr einfach, ein Bioprodukt zu bestimmen. Wenn man Kleinbauer ist, legt man das gleiche Verhalten an den Tag, gleichgültig ob man in Tunesien oder in der Schweiz lebt. Man ernährt sich völlig von dem, was man auf dem eigenen Ackerland produziert”, erklärte Emma Ben Haouala-Bernegger, die die Produktreihe ‘Neapolis’ entwickelt hat, lächelnd und olympisch gelassen. Sie hat offensichtlich den Wortschatz der dauerhaften Entwicklung mit einer neuen Definition bereichert.

Im Norden der Schweiz geboren und Tochter eines kleinen Bergbauers, der zwecks Versorgung seiner familie auf die kleinen Arbeiten in der Forstwirtschaft angewiesen war. Dabei musste er auch das, was er mit Hilfe seiner Frau eigens produziert, in Anspruch nehmen. Das Auskommen der Familie wurde durch den seitens ihrer Mutter bestellten Gemüsegarten gesichert. Diese Gartenprodukte ermöglichten es ihr, Getreide, Kartoffeln, Gemüse in Einmachgläsern, Nüsse, Birnen, Äpfel, Aprikosen, getrocknete Zwetschgen sowie andere Esswaren zu konservieren. Dieser Vorgang darf als Synonym für den Begriff ‘tunesische ‘OULA’ (Lebensmittelvorrat für die Familie) gelten.

“Aber diese Verfahrensart, die gewissermaßen als Lebensgesetz in den sechziger Jahren galt, droht künftig verloren zu gehen. Die Leute gehen heutezutage eher zum Supermarkt und kehren dadurch der eigenen Versorgungsinitiative den Rücken. Als ich nach Tunesien übersiedelte, konnte ich rasch feststellen, dass hierzulande die Tradition der ‘OULA’ für die Familie immernoch erhalten ist » gab sie als Kommentar ab.

Die Dinge der Ausdrucksform eines Jeden entsprechend ändern

Dieser feste Standpunkt hinsichtlich ihrer inneren Beziehung zur Erde entstand nach einem langwierigen Entwicklungsprozess, der bereits in dem Elternhaus einsetzte, und durfte sich weiter fortsetzen nachdem sie das Elternhaus verließ, um sich im Süden der Schweiz aufzuhalten. Dort traf sie übrigens ihren künftigen Ehemann aus Tunesien, dessen Kindheit genauso an die Erde gebunden war. Beide gründen eine Familie. “Dort kam ich in Berührung mit den Ideen von Rudolf Steiner. Er war ja der Schöpfer der Anthroposophischen Gesellschaft und verfügte auch über ein breit gefächertes Wissen in den Bereichen der Medizin, der Philosophie und der Ernährungswissenschaft. Seine Lehren bildeten die Grundlagen zum Demeter-Landwirtschaftsprogramm. Eine Landwirtschaftsform, die auf biologischen Anbau fusst und mit einer energetischen Behandlung verbunden ist, welche in die Dynamik der Ganzheit von Körper und Natur eingebettet war. Diese Vorgehensweise wird als biodynamische Landwirtschaft bezeichnet! Mit Hilfe dieser Kenntnisse entwickelte ich in mir eine Sensibilität sowie eine Perzeption für die natürliche und ausgewogene Ernährung. ”Ihr Mann war seinerseits von der Notwendigkeit seiner Rückkehr nach Tunesien stark überzeugt, wo er ein Projekt aufbauen könnte. Und so übersiedelte Emma mit den Kindern nach Tunesien, wo sie dann aufwuchsen. “Ich habe meinen Weg gesucht und die Dinge der Ausdrucksform eines jeden entsprechend geändert, zumal wenn man in ein anderes Land übersiedelt, muss man den Mitmenschen zuhören und verstehen können wie diese den Neukömmling wahrnehmen. Allmählich gelingt es einem, sich in die neue kulturelle Umgebung einzufühlen, wodurch man zu einem Pendler zwischen zwei Kulturen wird. Am Anfang dachte Ich an den Aufbau eines Projektes überhaupt nicht, wollte mich nur mit meiner Familie beschäftigen und das Bewusstsein kultivieren, die Erde aus Liebe zu ihr schützen. Um mich zu beschäftigen, betrieb ich ein Kurzwarengeschäft. In Tunesien – so Emma weiter- habe Ich die Tradition der Verwertung nahrhafter Getreide und Gemüse wiederentdeckt “.

Ein unermesslicher persönlicher Einsatz

Dennoch stieß sie schließlich zu ihrem Mann, um bei einem Projekt zur Herstellung frischer Teigwaren mitzuwirken, dies unter der Bedingung, dass es in eine ökologische Logik eingebettet sein muss. Als erstes stand die Herstellung eines Vollkorncouscous, dabei machte sie es zu Ehrensache, die Entstehung jenes Produktes in der Zeit zurückzuverfolgen. Gleichzeitig wünschte sich Emma, die Getreideflocken in das Produktherstellungsprogramm aufnehmen zu können. Folglich bastelte sie mit Hilfe ihres Mannes ein Gerät zur Herstellung von Flocken, um dann Versuche einzuleiten, dem neuen Produkt eine ausgewogene Geschmacksnote zu geben. Danach versuchte sie Hafer, Gerste sowie zerriebene Getreidekörner zu verwerten. Von ihrer unmittelbaren Umgebung abgesehen, interessierten sich für ihre Arbeit der Supermarkt Monoprix sowie ein kleines Geschäft in EL Manar. Das Ganze gelang dank ihrer unermüdlichen Beharrlichkeit, die Biozertifizierung der Produkte und der Hersteller , die Herkunft-Spezifizierung des Produktes auf den Etiketten und die Vorrangstellung des traditionellen Herstellungsprozesses durchzusetzen.

Gegenwärtig beschäftigt die Firma ‘Napolis’ 25 Personen in Ganztagsarbeit. Diese waren hauptsächlich Arbeitslose aus der unmittelbaren Umgebung, die deswegen bevorzugt waren, um Transportprobleme zu vermeiden. Frau Emma übernahm selbst die Ausbildung jener, denn für diese Autodidaktin gibt es nur einen einzigen Wert, an dem es festzuhalten gilt, und der heisst Ausbildung. Darüberhinaus pflegte sie bei ihren Beschäftigten den Zugehörigkeitsgeist zum Unternehmen zu kultivieren. Sie lud auch deutsche Berater ein, um Berufsausbildungsseminare zu veranstalten und setzte sogar einen zur Betreuung des Personals ein. Dabei stand auch das Personalentwicklungsprogramm an der Tagesordnung.

Der hierin investierte persönliche Einsatz ist offenkundig übermässig gross für jemanden, vorallem dann wenn er den Export von Waren überhaupt nicht anvisiert. Den internationalen Biomarkt hält sie tatsächlich für ein durch den kommerziellen Aspekt verdorbenes Geschäft.

Ihr jetziges unmittelbares Ziel ist es, die Produktionsqualität stabil aufrechtzuerhalten. Zu diesem Zweck ist sie dabei eine Gruppe von Landwirten zu betreuen, die gewillt sind mit den Verbrauchern in den verschiedenen Regionen in Verbindung zu treten. Nichtsdestoweniger beklagt sie den Mangel an Arbeitskräften gerade dort wo man es erreichte, Landwirte für den Bioanbau zu gewinnen; und dies obwohl es im Lande hunderttausende Arbeitslose gibt und zwar wegen des durch die Landwirtschaft selbst vermittelten negativen Image.

Voll und ganz in zwei Kulturen verankert und Gelegenheitsphilosophin wie sie ist, Emma Haouala-Bernegger liefert uns den Sinn ihres Denkens. Sie sagt: ”Als Ich nach Tunesien kam, konnte Ich sofort die natürliche Verwendung des Ausdrucks ‘Bismillah’ ( im Namen Gottes) durch jeden festhalten. Dieser ist ein hervorragender Ausdruck, der besagt, dass man sich auf Gott verlassen muss. Nur, ich persönlich verstehe jenen Ausdruck im Sinne des arabischen Sprichwortes, das lautet: “Am Abend binden Sie Ihr Kamel ganz fest und erst dann vertrauen Sie es Gott an!”.