UNESI Ausbildung statt Ausgrenzung

Der Verein UNESI, dessen Präsidentin Michèle Belajouza zwischen 2012 und 2015 war, befasste sich zehn Jahre lang mit der schulischen Reintegration von Schülern mit großen Lernschwierigkeiten. Er bemüht sich insbesondere darum geistig behinderten Jugendlichen eine anerkannte berufliche Ausbildung zu ermöglichen.

 „Ich habe viele Jahre Vorlesungen über Lernstörungen in der Abteilung für Psychologie am Institut supérieur des sciences humaines in Tunis gehalten. Dabei wurde mir bewusst, dass sich die Schulen und die Lehrer diesem Problem nicht stellen und die Betreuungspersonen nicht wissen, wie sie mit diesen Störungen umgehen sollen“, erklärt Michèle Belajouza, 73 Jahre, ausgebildete Psychologin und Aktivistin.
Sie war von 2012 bis 2015 die Präsidentin der „Union nationale de l'éducation spécialisée et de l’intégration » (UNESI), einem nationalen Verband, der sich mit Fragen der Sonderpädagogik und der Integration befasst, und berichtet uns über die Arbeit des Vereins, dessen Aufgabe es ist, Kinder mit Lernschwierigkeiten zu fördern und Jugendlichen mit leichten geistigen Behinderungen eine Berufsausbildung zu ermöglichen.

Eine zweite Chance

Alles begann 2001 als zwei Rotariergruppen aus Tunesien und den Niederlanden eine Partnerschaft eingingen und sich für tunesische Schüler mit Lernschwierigkeiten interessierten. Damals wurde ein Abkommen mit der Abteilung für Psychologie der geisteswissenschaftlichen Fakultät von Tunis unterzeichnet, um jenen Schülern, die vorzeitig die Schule abbrachen zu helfen. Daraus entstand der Tunesische Verein der Sonder- und Integrationsschulen, aus dem UNESI hervorging.

„Dieses Projekt bestand daraus, Sonderschulklassen in drei Grundschulen (in Tunis, Ariana und Nabeul) zu eröffnen, um diese Kinder frühzeitig, multidisziplinär und gezielt betreuen zu können“, erklärt Michèle Belajouza.
Schnell wurde jedoch klar, dass eine zweite Gruppe von Maßnahmen erforderlich war. Tatsächlich zeigte sich, dass für manche Schüler eine Rückkehr zur Schule nicht möglich war, da ihr schulischer Misserfolg nicht durch Lernschwierigkeiten verursacht war, sondern vielmehr das Ergebnis einer geistigen Behinderung war. Aus diesem Grund eröffnete die UNESI 2007 ein Zentrum für spezialisierte Berufsausbildung, in dem Jugendliche zwischen 14 und 20 Jahren mit leichter geistiger Behinderung dank eines Abkommens mit der tunesischen Agentur für Berufsausbildung (ATFP) eine Ausbildung erhielten und ein Diplom als Zuckerbäcker, traditioneller Schmuckhersteller und Gärtner erwerben konnten. Beide Ansätze wurden von der UNESI geleitet, als das Bildungsministerium 2011 beschloss, sein eigenes Programm zur Betreuung von Schülern mit Lernschwierigkeiten in den Grundschulen zu entwickeln.

Zukünftige Projekte und Finanzierung

Der Verein UNESI befasst sich heute ausschließlich mit der Berufsausbildung von jungen Behinderten und eröffnete 2012 ein Zentrum zur psychologischen Betreuung und Sonderpädagogik. Eine Spende der amerikanischen Regierung ermöglichte es dem Verein zur gleichen Zeit seine Aufnahmekapazitäten zu erhöhen.
Zwischen 2007 und 2012 erhielten sechsunddreißig Schüler ein von der ATFP ausgestelltes Diplom. Für das Schuljahr 2014/2015 waren dreißig Schüler im Bereich Sonderpädagogik und fünfundsiebzig im Berufsausbildungszentrum eingeschrieben. Am Ende des Jahres erlangten vierzehn Jugendliche ein Diplom als Zuckerbäcker und sieben als Schmuckhersteller.

Für das Schuljahr 2015-2015 plant der Verein UNESI mehrere Projekte:
  • Beginn einer Berufsausbildung für Gärtner
  • Entwicklung einer Struktur zur Begleitung und Betreuung der beruflichen Eingliederung, um zu vermeiden, dass es zwischen der Berufsausbildung und dem Eintritt in den Beruf zu Unterbrechungen kommt
  • Schaffung einer Werkstatt für Lederbearbeitung.
Das sind zahlreiche Aktivitäten und Perspektiven, die viel finanzielle Unterstützung brauchen.

Der Verein UNESI wurde bei einem Projektverfahren ausgewählt und kam deshalb in den Genuss von Spenden aus den USA und von der Fondation de France. Dank dieser letztgenannten Institution konnte auch ein Gartenbaubereich (Brunnen, Gewächshaus) gebaut werden und eine Vereinbarung mit der Agence de vulgarisation et de formation agriole unterzeichnet werden. Der Verein UNESI wendet sich auch an Einzelpersonen mit der Bitte um Computer, landwirtschaftliches Material, …. Die Rotarier haben ein Golf- und ein Bridge-Turnier organisiert, deren Erlöse zur Bezahlung des Schulgeldes verwendet wurden. Das Sozialministerium übernahm einen Teil der Gehälter von Vereinen wie der UNESI. Für die restlichen Gehälter ersucht der Verein die Eltern um Beiträge, sofern diese dazu in der Lage sind. Erinnern wir an dieser Stelle daran, dass Jaafar Gasmi, Mohamed Masmoudi und der erste Präsident von UNESI Faouzi Elloumi, den Verein unterstützen.

„Zurzeit suchen wir Partner (Tänzer, Theatermacher), um außerschulische Aktivitäten entwickeln zu können. Wir möchten auch besser bekannt werden. Wir haben uns bereit erklärt am Programm „7ajra 7ajra'' teilzunehmen, um unsere Erfahrungen mit anderen zu teilen und um die breite Öffentlichkeit über die Notwendigkeit der gesellschaftlichen und beruflichen Eingliederung von behinderten Menschen zu informieren“, erklärt uns Michèle Belajouza abschließend.