Amin Tunesiens digitaler Souk

Das Projekt Amin, ein ehrgeiziges Projekt, das Jungunternehmer bei der Kommerzialisierung ihrer regionalen Produkte im Internet unterstützt.

Nachdem er feststellen musste, dass die tunesische Jugend seit der Revolution 2011 auf Lösungen für ihre tiefgreifende Unzufriedenheit angesichts der ständig steigenden Arbeitslosigkeit wartet, entwickelte Adel Guitouni, der 30 Jahre lang in Kanada gelebt hatte und dort viele Jahre als Professor an der renommierten Gustavson School of Business gelehrt hatte, das Projekt „Amin“, das den Jugendlichen einen ersten Ansatz zur Lösung ihrer Probleme anbietet. Das Projekt befasst sich mit dem Aufbau einer e-commerce Plattform, die junge Hochschulabsolventen dazu veranlassen soll, dort ihre eigenen Unternehmen im Bereich des elektronischen Handels zu gründen.

Zwei Elemente haben Adel Guitouni bei seiner Auswahl bestärkt. Erstens, die fast völlige Abwesenheit Tunesiens in dem wachstumsstarken internationalen elektronischen Handel. Zweitens, das Potenzial zur Kommerzialisierung von handwerklichen und regionalen Produkten von unbekannten Herstellern, die nicht durch ein Unternehmen organisiert sind, in allen ländlichen Regionen vertreut sind, aus einfachsten Verhältnissen kommen und nicht über die Möglichkeiten zur Aufwertung ihrer Produkte verfügen. Ziel von Adel Guitouni ist es, diese Hersteller zu präsentieren, sie in den Wirtschaftskreislauf einzubinden und sie international bekannt zu machen. Ein derartiges Projekt würde große Wirkung erzielen. Zunächst für die Wirtschaft des Landes, dank der Deviseneinkünfte und dann auch auf sozialer Ebene, da damit die Arbeit der kleinen Hersteller aufgewertet würde und schließlich auch auf kultureller Ebene, da es auch darum geht, dem Kulturerbe des Landes einen Mehrwert zu verschaffen.
All dies ist nur durch effizientes Marketing und durch ein solides Projekt möglich, das die Kapazitäten der jungen Tunesier stärkt und ihnen hilft ihr eigenes Unternehmen zu gründen.

Zur Umsetzung seines Projekts musste der Initiator einen kompetenten Fachmann ins Boot holen, der das Projekt leiten sollte. Er lud potenzielle Kandidaten ein sich zu bewerben. Die Ingenieurin Manel Thabet, Absolventin der technischen Hochschule, der bereits fünf Jahre Erfahrung bei der Projektierung und der Beratung von Unternehmen und vier Jahre als HR-Verantwortliche und Finanzdirektorin nachweisen konnte, machte letztlich das Rennen und wurde als leitender Direktor beim Verein Amin eingestellt. Für Manel ist es die Möglichkeit, an einem ehrgeizigen und strukturierenden Unternehmen mitzuwirken. Sie begann sofort mit der Ausarbeitung eines Programms zur Ausbildung der Jungunternehmer und betreut sie in allen Phasen vom Beginn bis zur Umsetzung ihrer Projekte.

Ziel des Unternehmens ist es, die besten Produkte und Dienstleistungen „made in Tunisie“ weltweit zu vermarkten. Deshalb müssen die Jungunternehmer lernen wie man global denkt und lokal handelt. Ziel des Vereins ist es, ungefähr einhundert Unternehmen zu gründen und dabei die Katalysatorfunktion zu übernehmen, um alle Schritte der Wertschöpfungskette der Produkte und Dienstleistungen von 25.000 Herstellern und Handwerkern abzudecken und diese mittels on-line Marketing auf e-commerce Plattformen zu verkaufen. Damit sollten in näherer Zukunft direkt und indirekt zwischen 60.000 und 100.000 Arbeitsplätze geschaffen werden.

Die Ausbildung dieser Jungunternehmer besteht darin, sie anzuleiten, ein Netzwerk an Handwerkern zu begründen, das Know-how aufzuwerten und die Produkte zu einem etwas höheren Preis zu verkaufen. Die Gewinnspanne wird anschließend verteilt und an die Handwerker weitergegeben, damit sie ihre Produkt weiter verbessern können und ermutigt werden, mehr zu produzieren.

Zur Sicherung der Nachhaltigkeit müssen die Bemühungen des Vereins mit denen anderer Akteure, wie die Handwerkskammer und der Verein zur Rettung der Medina verknüpft werden. Dabei geht es darum, gemeinsam mit diesen Akteuren zunächst die Produkte zu identifizieren, die sofort vermarktet werden können. Dazu muss man sich diese Produkte ansehen und auf die Qualität der Ausgangsprodukte (das Rohmaterial) achten, um gute Endprodukte zu gewährleisten und damit die Produkte in den Zielmärkten auch den Vorschriften entsprechen. Schließlich muss man unter Wahrung der Authentizität des Produkts, auch Innovationen einführen, die Althergebrachtes mit Modernem verbinden.

Stößt dieses sehr nützliche und innovative Projekt auf Schwierigkeiten? Manel Thabet erzählt uns, dass der Geber dem Verein einen Betrag von 20 Millionen Dollar für einen Zeitraum von fünf Jahren zur Verfügung zu stellen verspricht. „Wir verfügen nur über eine prinzipielle Zusage und haben zurzeit nur die Finanzierung für die Pilotphase gesichert. Zudem muss man auch einen persönlichen Beitrag leisten, indem man auch das Amt für Handel und Handwerk, das Amt für Arbeit und Berufsausbildung um Unterstützung ersucht, wobei der Beitrag sowohl in Sach- als auch in Geldleistungen bestehen kann. In diesem Bereich verfügen wir zurzeit nur über prinzipielle Zusagen.“

Mit der Umsetzung des Projekts wurde im April 2015 unter Einbindung von 25 jungen Ingenieuren aus ganz Tunesien begonnen. Esma Zargouna und Firas Karoui wurden als Preisträger ausgewählt und beide haben im September 2015 ihr eigenes Unternehmen gegründet.