Al Madanya Nadia wird nicht die Schule verlassen

Foto: Tarek Marzougui

Dank der Stiftung Al Madanya können die Schüler von Chiba jetzt täglich zur Schule gehen.

So muss Nadia, im Gegensatz zu ihren zwei älteren Schwestern, nicht die Schule verlassen um in Tunis eine Arbeit zu suchen. Das 12-jährige Mädchen kann jetzt ihre Hoffnung und ihren Traum von einer besseren Zukunft aufrecht erhalten. "Ich habe meinem Lehrer versprochen, so weit wie möglich in der Schule zu kommen" vertraut sie uns mit unschuldigem Lächeln und ehrgeizigem Blick an. In Chiba, einem abgelegenen Dorf im Gouvernorat von Jendouba, ist die Schulausbildung ein Luxus, der für viele Kinder unerreichbar ist, insbesondere für Mädchen.

Seit es aber die Stiftung Al Madanya gibt, hat sich die Situation für die Einwohner verbessert. Nadia zum Beispiel muss nicht mehr um 5 Uhr morgens aufstehen und 7 Kilometer durch die Berge laufen, um zu ihrer Schule zu kommen. Ihr Alltag ist jetzt sehr viel weniger beschwerlich.

Die Stiftung hat 2012 ein in seiner Art einzigartiges Projekt gestartet, unter dem Namen "Fatma". Das Projekt besteht darin, den Schultransport in ländlichen Gegenden und benachteiligten Regionen sicher zu stellen, für Kinder die zwischen 5 und 13 Kilometer von der nächstliegenden Schule entfernt wohnen. Um dieses Ziel zu erreichen, musste die Stiftung Al Madanya mit den Gewerkschaften und Verbänden der ländlichen Taxifahrer der betroffenen Regionen (Siliana, Le Kef, Jendouba, Sidi Bouzid, Kébili und Mahdia) verhandeln, um einen Pauschalbetrag für die Schüler auszuhandeln. So bekommt jeder Taxifahrer ein monatliches Entgelt für den Transport einer Schülergruppe. "Wir möchten den jungen Tunesiern Hoffnung schenken und die Möglichkeit weiter zur Schule zu gehen, trägt dazu bei, diese Hoffnung zu nähren", streicht Adel Maktouf hervor, der Generalsekretär der Stiftung, dessen Engagement schier grenzenlos ist.

Die Stiftung Al Madanya bereitet auch einen ambitionierten, kurzfristigen Aktionsplan vor, um ihre Leistungen auf das ganze Land auszuweiten. "Wir müssen unsere Anstrengungen verdoppeln und noch mehr investieren. Viele andere Dörfer und Tausende Schüler brauchen uns" fügt Adel Maktouf hinzu. Seiner Bürgerpflicht bewusst, hat er nie gezögert, wenn es darum ging, Anderen die Hand zu reichen und ihnen zur Hilfe zu kommen, jedes Mal wenn er die Möglichkeit hatte. "Mit der Revolution sind Energien freigesetzt worden und eine große Anzahl Vereine ist entstanden. Jetzt gibt es keine Tabus mehr, keine Grenzen, die man nicht überschreiten darf. Vereine können sich auf allen Gebieten betätigen und dabei gleichzeitig eine unabhängige Position beibehalten und allen politischen Spielen fern bleiben" freut sich Adel Maktouf. Wir von der Stiftung Al Madanya glauben fest, dass der Erfolg der tunesischen Revolution sich nur an der Kapazität der Tunesier bemessen wird, die neu errungenen Freiheiten in Arbeitsplätze zu verwandeln, in wirtschaftliche Chancen, in realen Wachstum und soziale Perspektiven. "Bildung ist ein Mittel des sozialen Aufstiegs. Sie ermöglicht es den Menschen, Arbeit zu finden, Verantwortungspositionen zu übernehmen und so ihre Lebensbedingungen zu verbessern. Und die Stiftung Al Madanya hat den Ehrgeiz, diesen sozialen Aufstieg in den vernachlässigten Regionen wieder in Fahrt zu bringen.

GAL

Die Schüler sind motiviert und gleichzeitig in Sicherheit

Nur wenige Kilometer von Algerien entfernt liegt das Dorf Chiba, eins der ärmsten in Tunesien. Wasser ist hier knapp, die Stromversorgung häufig unterbrochen und die "Straßen" nur schwer überwindbar. "Sobald es regnet, was in dieser Gegend im Winter häufig der Fall ist, sind die meisten Straßen unbefahrbar. Unsere Aufgabe wird dann noch schwieriger. Ich muss dann um 4 Uhr morgens aufstehen um einen anderen Weg zu nehmen, der länger, aber sicherer ist, um die Schüler zu Schule zu bringen" beklagt Noureddine, einer der ersten Taxifahrer, der im Projekt "Fatma" eingestiegen ist.

Im Dorf Chiba führen die Einwohner einen ständigen Kampf gegen die harsche Natur. "Früher konnte ich das Haus nicht verlassen wenn es regnete. Sieben Kilometer bei Regen auf glitschigen Straßen zu laufen war sehr gefährlich. Jetzt kann ich dank Al Madanya jeden Tag zur Schule gehen und darüber bin ich sehr glücklich" erzählt Halima, ein 13-jähriges Mädchen, welches die gleiche Schule wie Nadia besucht.

Tatsächlich konnte durch das Projekt "Fatma" ein starker Rückgang der Abwesenheitsquote in der Schule festgestellt werden. "Früher waren im Winter im Durchschnitt nur die Hälfte der Schüler anwesend. Mit dem Projekt der Stiftung Al Madanya ist die Anwesenheitsquote auf 95% gestiegen. Außerdem stellen wir fest, dass die Kinder motivierter sind und mehr Zeit für das Lernen aufwenden. Das ist wirklich eine hervorragende Leistung" bestätigt Ali Gazouani, Leiter der Grundschule in Chiba.

Wichtiger noch ist, dass sich die Schüler in Sicherheit fühlen. Halima erinnert sich: "Viele wilde Tiere leben in der Umgebung. Einmal bin ich fast von einem Wolf angegriffen worden. Ich hatte riesige Angst, aber glücklicher Weise ist es mir gelungen schnell davon zu laufen... Diesen Tag werde ich nie vergessen". So etwas wird Halima nie mehr passieren. "Die Stiftung Al Madanya hat den Einwohnern von Chiba einen großen Dienst erwiesen. Jetzt brauchen sich die Eltern nicht mehr zu sorgen und die Schüler laufen keine Gefahr", ergänzt Ali Gazouani.

Aber trotz der großen Unterstützung durch die Stiftung, gibt es in Chiba noch viel zu tun. Denn nur 120 der 220 Schüler der Schule von Chiba haben Zugang zu dem Projekt "Fatma" - die meisten Schüler wohnen in zu abgelegenen und zu weit entfernten Orten, selbst für Land-Taxis. Und was den Zustand der Grundschule von Chiba angeht, der wird vom Direktor persönlich als "bedauernswert" bezeichnet.

Für die Stiftung Al Madanya ist es also dringend notwendig mehr Partner zu finden, um ihre Mission in der Region wahrzunehmen.