Mash’hed Die Hoffnung von Gafsa

Die seit Jahren inaktiven öffentlich-regionalen Kulturinstitutionen durch interdisziplinäre, dynamische und den Bedürfnissen der Jugend Gafsas angepasste Kulturstätte zu ersetzen: das ist das Hauptziel des Gründers von Mash'ed, ein Ziel, das er mehr als erreicht hat. In der Phosphatminenstadt Gafsa, ist Mash'ed innerhalb von nur drei Jahren der Hauptakteur im kulturellen Bereich geworden, mit mittlerweile Hunderten von Mitgliedern und Freiwilligen. 

"Not macht erfinderisch" sagt das Sprichwort. Und Mesh'ed bestätigt es. Denn trotz begrenzter finanzieller Mittel ist es der Vereinigung gelungen eine kulturelle Dynamik zu schaffen, in einer der ärmsten Städte Tunesiens, in der die Jugendarbeitslosigkeit Rekordzahlen erreicht. "Unsere Stadt ist mehr für seine sozialen Unruhen und die nicht aufhören wollenden Streiks bekannt. Von Kultur zu sprechen, vor allem in dieser Zeit, schien eher surrealistisch", erklärt Oussama Rjab, Gründer und ehemaliger Vorsitzender der Vereinigung, der mit seiner Initiative die Kulturlandschaft in Gafsa vollständig verändert hat. Heute ist die Kultur eine Attraktion für junge und weniger junge Menschen geworden. Innerhalb von drei Jahren hat sie ihren Weg in alle Delegationen des Gouvernorats geschafft.

Denn durch die Kultur wollen Oussama und seine Freunde es mit den schwierigen Lebensbedingungen aufnehmen und einen neuen Raum und neue Perspektiven aufbauen. "Der Name ist nicht zufällig gewählt worden. Durch unser verschiedenen Aktivitäten, wollen wir die ganze Gesellschaft teilhaben lassen an der Landschaft, von der wir träumen und die wir fest entschlossen sind aufzuzeichnen um zu versuchen, dem was jetzt vorherrscht ein Ende zu setzten".

Der Jugend die Mittel geben, sich frei auszudrücken

Alles begann im August 2011 auf der Terrasse eines Cafés der Stadt. Wie jeden Morgen, oder fast, ging Oussama dort hin um seine Freunde zu treffen. Es gibt nur wenig Orte an denen junge Menschen sich treffen können.

"Wir haben angefangen über Politik zu sprechen, die Wahlen der ANC (Verfassungsgebenden Versammlung) und die Hunderten von politischen Parteien die plötzlich entstanden sind", erinnert sich Oussama. Und er fügt hinzu: "Wir haben sehr schnell gemerkt dass keine dieser Parteien uns vertrat und dass die Macht für Politiker am meisten zählt. Was wir aber wollen, ist unser Realität verändern und eine bessere Zukunft aufbauen". So haben sie ihr gemeinsames Interesse für Theater und Film genutzt und entschieden eine kulturelle Vereinigung zu gründen. "Die anfangs gewählte Bezeichnung "Tunesische Vereinigung für alternative Kultur" schien uns zu klassisch. Daher haben wir uns für das Wort "Mash'hed" entschieden. Es ist ein einfaches, kurzes Wort, das aber viel ausdrückt".

Die Information hat sich schnell bei den Freunden der Gruppe und den jungen Künstlern der Stadt verbreitet. Die Beitrittsanträge waren schon zahlreich, obwohl die Vereinigung noch in der Gründungsphase war. "Das hat uns stark motiviert, so schnell wie möglich unser Projekt zu konkretisieren, denn unser Projekt ging schlichtweg auf ein zunehmend dringliches Bedürfnis ein". Dank dieses Elans der Begeisterung, haben Oussama und seine Freunde die Aktivitäten ihrer Vereinigung ausgeweitet. Sie wollten sich nicht mehr auf Theater und Film beschränken. "Wir haben verschiedene Klubs geschaffen, den Anfragen der Mitglieder folgend". Bildende Künste, Graffiti, Tanz, Musik, Film, Dichtung... alle Formen des künstlerischen Ausdrucks sind bei Mash'hed vertreten. "Es gibt sogar einen Informatikklub, wo die jüngeren sich mit Internet vertraut machen können und die etwas älteren Ton- und Videomontage lernen oder auf Wunsch sogar Anwendungsprogramme entwickeln können" erfreut sich Oussama Rjab.

Eine neue Kultur fördern

Am 8. März 2012 hat Mash'hed offiziell sein Tätigkeit aufgenommen: es wurde ein Dokumentarfilm über die Ereignisse von 2008 im Phosphatabbaugebiet gezeigt. "Wir haben diesen Tag auf unsere Art gefeiert. Wir haben die Mütter der Märtyrer eingeladen und einen von jungen Tunesiern gedrehten Dokumentarfilm gezeigt. Anschließend haben wir diese Mütter, die einen Sohn verloren hatten, zu Wort kommen lassen, was daraufhin zu einer spannenden Debatte führte. Weder Streik, noch Sit-in. Dank Mash'hed hat die Erinnerung an diese unglücklichen und auch blutigen Ereignisse eine neuen Form erhalten: eine rein kulturelle Form.

Fest entschlossen die vorherrschende kulturelle Lage zu verändern und möglichst viele Jugendliche an ihren Aktivitäten teilhaben zu lassen, haben die Gründer von Mash'hed sehr rasch ihre Räume verlassen um auf die Straße zu gehen. Wenige Tage später, am 20. März genau gesagt, haben sie einen Graffiti-Wettbewerb gestartet. "Es war ein richtiges Fest. Wir haben etwa 30 ausgesprochen talentierte Teilnehmer versammelt und konnten, dank ihrer Begabung, einen sehr angenehmen Tag verbringen. Hunderte von Bürgern habe sich versammelt um diese Darbietung zu bewundern ... es war großartig". Seit diesem Tag sind Mash'hed und seine dem breiten Publikum offen stehenden Aktionen in aller Munde. Hip-Hop und Break-Dance Aufführungen, Filmabenden, Poesie-Cafés und sogar Verkostungen regionaler Kochkunst stehen auf dem Programm mit dem Mash'hed heute überall in Gafsa präsent ist und die Einwohner beglückt.