AAFCAR Modernes Handwerk hat goldenen Boden

Das tunesische Handwerk hat eine gute Zukunft vor sich. Die Mitglieder von Aafcar haben ihre Ärmel hochgekrempelt und beschlossen, dieses lokale Know-how auf nationaler bzw. internationaler Ebene zu fördern. 

Mit ihrem Engagement gelang es ihnen in einem Sektor, der seit 2011 zu den anfälligsten und gefährdetsten gehört, ungefähr vierzig stabile Arbeitsplätze zu schaffen. Sie engagieren sich weiter und haben dabei immer mehr Erfolg. So wie das alte Sprichwort sagt: wo ein Wille, da ist auch ein Weg.

„Es ist eine positive und bereichernde Erfahrung. Natürlich liefern wir den Handwerkern Ideen und sogar Wohlstand, aber wir bekommen auch viel zurück. Unser Lohn heißt Zufriedenheit, Anerkennung und Liebe. Es ist vor allem ein Austausch unter Menschen, der uns immer wieder mit Stolz erfüllen wird.“ Catherine Gobbi, Gründungsmitglied von Aafcar, hat eine besondere Leidenschaft für das tunesische Handwerk. Die gebürtige Französin, die bereits seit mehreren Jahren in Tunesien lebt, hat sich immer schon für diese spezifisch tunesische Kunst begeistert. Sie zögert daher auch nicht, ihre Gefühle und ihren Stolz über die von den Mitgliedern des Vereins geleistete Arbeit zum Ausdruck zu bringen. „Die Ergebnisse sind ermutigend und spornen uns an mehr zu tun und uns immer mehr selbst in dieses Projekt einzubringen“, freut sie sich.

Natürlich gibt es noch viel zu tun, aber angesichts der geringen Mittel über die der Verein verfügt und den ungünstigen Bedingungen ist das bisher erzielte Ergebnis mehr als zufriedenstellend.

„Es war die Leidenschaft, die uns zu diesem Projekt angeregt hat und eben diese Leidenschaft begleitet unser Tun. Wir arbeiten alle freiwillig, aber mit großer Entschlossenheit. Wenn einem eine Sache am Herzen liegt, dann möchte man sie zu Ende führen“, unterstreicht Hella Annabi, Architektin und ebenfalls Gründungsmitglied von Aafcar.

Seine Leidenschaft leben

Die Idee geht auf 2011 zurück, als eine Gruppe von Frauen und Männern beschloss, ihre Leidenschaft zu leben und ihre Fachkenntnis in den Dienst einer „Kunst“ zu stellen, die ihrer Ansicht nach unterbewertet geblieben war und nicht jenen Platz einnahm, der ihr gebührte.

„In den Regionen gibt es handwerkliche Produkte, die vom Aussterben bedroht sind. Einerseits weil sie nicht bekannt sind und immer weniger hergestellt werden, und andererseits, weil die Handwerker selbst sich nicht zu modernisieren und den neuen Trends anzupassen wussten“, beklagt Hella Annabi. Eine traurige Tatsache, die diese engagierte Gruppe nicht einfach hinnehmen wollte. „Unser Grundgedanke war, unser Wissen einzubringen und unsere Erfahrungen den Handwerkern zur Verfügung zu stellen. Wir stellten uns das Ziel diese Produkte zu modernisieren und ihnen mehr Wert zu geben, um sie sowohl in als auch außerhalb von Tunesien vermarkten zu können“, erklärt die Architektin, die sich in ihrer Arbeit schon immer vom tunesischen Handwerk inspirieren ließ.

Um dieses vom Vergessen bedrohte althergebrachte Know-how zu retten, geht Aafcar sehr zielstrebig vor. „Wir haben uns für einen pragmatischen, wenn auch schwierigen, aber effizienten Ansatz entschieden. Damit diese Berufe weiter existieren können, müssen sie rentabel sein“, erklärt Catherine Gobbi. Damit treffen wir zwei Fliegen mit einem Schlag: das Handwerk wird neu belebt und es werden Arbeitsplätze geschaffen. In diesem Sinne haben die Mitglieder des Vereins zunächst in den Regionen ein Netzwerk von jenen Handwerkern errichtet, die am meisten gefährdet waren. „Das war keine leichte Aufgabe. Wir mussten hunderte Kilometer zurücklegen, mehrere Tage in den Regionen verbringen. Unsere Arbeit wurde zusätzlich durch den Umstand erschwert, dass die Datenbanken der regionalen Handwerksbehörden nicht aktuell und unvollständig waren. Und dann gibt es viele Zwischenhändler, die sich für Handwerker ausgeben“, erinnert sich Hella Annabi. Aber letztlich trug ihre Beharrlichkeit und ihre Liebe zu dem Projekt doch Früchte. Nachdem die Liste der Handwerker aufgestellt worden war, musste sie sortiert werden. „Wir haben die am weitesten entfernten und die motiviertesten Handwerker sowie jene die die Unterstützung wirklich verdienen, bevorzugt behandelt“, unterstreicht Catherine Gobbi.

Übung macht den Meister…

Der Ansatz von Aafcar ist einfach. „Unsere Arbeit besteht im Wesentlichen in der Modernisierung der handwerklichen Produkte. Wir schlagen jedem Handwerker neue Modelle vor, die sich an dem inspirieren, was wir anderswo sehen, die jedoch die Identität der Produkte respektieren. Die Materialien und die Philosophie sind immer die gleichen. Nur das Design verändert sich“, erklärt Hella Annabi und fügt hinzu: „Der Verein kauft die Produkte zu einem zufriedenstellenden Preis. Es handelt sich um einen fairen Handel. Wir wollen keinen Gewinn machen. Unser einziges Ziel ist es, möglichst vielen Handwerkern die Arbeit zu ermöglichen, denn das Geld, das wir mit dem Verkauf der Produkte einnehmen, dient unmittelbar der Finanzierung neuer Handwerksprojekte“. In vier Jahren hat Aafcar mit seinem sozioökonomischen Modell ungefähr vierzig verzweifelte Handwerker davon überzeugen können, ihre Arbeit wiederaufzunehmen und ihnen ein stabiles Einkommen gesichert. Der Verein hat sogar an zwei bedeutenden Handwerksmessen, eine in

Spanien und eine in Tunesien, teilgenommen. Zwei sehr erfolgreiche Teilnahmen. „Die Ergebnisse haben die Handwerker besonders motiviert. Heute haben sie wesentlich weniger finanzielle Sorgen…“. Aafcar möchte sein Netzwerk weiter ausbauen und Universitätsabsolventen integrieren. „Wir wollen natürlich weitere Arbeitsplätze für unsere Jugend schaffen, aber vor allem wollen wir die Nachhaltigkeit des Handwerks sichern und Hoffnungsträger sein“.