Interview mit Ebow Über Musik, Schnittstellen und die Komplexität unserer Zeit

Ebow
© Goethe-Institut Ankara/Maximiliane Schneider

Ebru Düzgün alias Ebow ist eine deutsche Rapperin, die kein Blatt vor den Mund nimmt. Egal ob Liebe, Geld oder falscher Patriotismus, Geschlechterrollen in der türkischen Community oder aber Waffenhandel und Krieg – stets spricht sie aus, was ihr auf der Zunge brennt.

Geprägt durch die Musik ihrer Jugend und ihre türkischen Wurzeln, werden in ihren Songs Beats von orientalischen Klängen untermalt, Samples türkischer Klassiker eingebaut und mit türkisch-deutschen Wortbildern gespielt. Was dabei herauskommt ist bunt, direkt und tiefgründig zugleich: In “Oriental Dollar“ reitet Ebow mit Undercut-Frisur auf animierten Elefanten; Sie spendet zusammen mit Mirza Odabaşı die Downloaderlöse ihres gemeinsamen Songs “Paramide“ an Bedürftige in Kobane und dreht mit ihrer Crew mal eben in vier Tagen das dreißigminütige Video-Mixtape “Habibi’s Liebe und Kriege“. Was Ebow auch macht, macht sie aus Überzeugung – stets darauf bedacht, die Welt in all ihrer Komplexität zu erfassen.

Zum Zeitpunkt unseres Interviews war Ebow in der Türkei auf Musiktournee. Im Rahmen eines Projektes des Goethe-Instituts gab sie gemeinsam mit ihrem Team Workshops und Konzerte an neun verschiedenen Schulen in insgesamt acht türkischen Städten.

Liebe Ebow, in deinen Songs rappst du stets auf Deutsch – werden wir von dir auch mal etwas auf Türkisch zu hören bekommen?
 

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Und wie würdest du allgemein deine Musik beschreiben? Auf der Seite des Labels Disko B wird dein Sound ja als Fusion von Hip Hop mit orientalischen Sand-Rebab-Samples und Nineties-R’n’B beschrieben…

Ja, meine Musik ist eine Fusion aus eben diesen Dingen. Ich bin mit 90er-Jahre-R‘n‘B groß geworden und natürlich auch mit türkischer Musik. Das Ganze mischen wir mit allem was wir so hören. Der Nik produziert einen Großteil meiner Musik und wir sitzen dann zusammen im Studio und geben uns gegenseitig Input. Ich zeige ihm irgendwelche alten türkischen Lieder aus den 70ern und dadurch, dass wir auch den gleichen musikalischen Background haben, entsteht eben diese Fusion aus alldem.

Was kommt bei dir denn zuerst: der Beat oder der Text?
 
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Und wovon handeln deine Texte?
 
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Du bist in zwei verschiedenen Kulturkreisen aufgewachsen. Gibt es für dich eigentlich so etwas wie „typisch deutsch“ und „typisch türkisch“?

Ich glaube, so etwas gibt es in der medialen Welt: Medien sind stark darauf aus, weil man dann auch leichter Gruppen separieren kann. Ich glaube aber, dass es so etwas in der Gesellschaft nicht gibt. Es gibt Dinge, die spezifisch für eine Gesellschaft sind, aber da geht es wirklich um die Gesellschaft selbst und die Dinge, die auf die Gesellschaft einwirken – wie zum Beispiel die Wirtschaft oder die Politik. Aber ich glaube nicht, dass es so etwas gibt, wie den „typischen Deutschen“. Es gibt Menschen in meiner Generation, die in Deutschland geboren und aufgewachsen sind. Wir haben eine komplett eigene Kultur entwickelt. Da geht es gar nicht mehr darum, ob wir sagen: „Ich bin Türkin oder ich bin Deutsche.“. Wir haben so viele Kulturen, die wir aufnehmen und deswegen kann man auch nicht mehr davon reden, dass etwas spezifisch für eine Kultur ist.

Was machst du neben der Musik?

Ich mache gerade noch meinen Master in Architektur in Wien. Architektur und Musik – das hat Schnittstellen, die super interessant sind, weil du auch etwas machst, was sich auf die Außenwelt auswirkt. Du kannst auch extrem viel mit Architektur beeinflussen, was das Zusammenleben von Menschen angeht.

Und wie sehen deine Zukunftspläne aus? Sehen wir dich zukünftig eher Häuser bauen oder doch hauptberuflich auf den Bühnen dieser Welt?
 
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Mehr Infos zu Ebow:
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