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Mit allen Sinnen
Modul 10

Schule // Workshop
12–15 Jahre // 30 Min. pro Übung // 1 Unterrichtseinheit // 5 Übungen zur Wahrnehmung
Sehen // Wahrnehmen // Fühlen // Bewegen // Zeichnen
Vorkurs // Bühne // László Moholy-Nagy // Oskar Schlemmer // Paul Klee
Einzelne Übungen kombinierbar mit allen Modulen als Aufwärmübung

Mit allen Sinnen Silke Wittig | CC BY-NC-SA 4.0 Benötigt werden:

  • DIN-A4-Papier
  • Bleistifte
  • Zeichenunterlage
  • Krepptape
  • Packpapier
  • Scheren
  • Wollknäuel
  • Fingerfarbe

Anleitung

Die kurzen Übungen dienen der Schulung der Sinne zur Wahrnehmung von Raum und Umwelt. Sie sind in Anlehnung an Aufgaben aus dem Vorkurs und Unterricht in den Werkstätten konzipiert und können zur Aufwärmung als Einleitung eines Workshops oder als eigenständiges Modul angewendet werden.
 

ÜBUNG 1: SEHEN, FÜHLEN, ZEICHNEN

Diese Übung schult die Wahrnehmung durch Sensorik und erfolgt in Partnerarbeit.

Schritt 1: Die Partner*innen bekommen beide Papier und Bleistift, Partner*in 1 bekommt eine feste Zeichenunterlage.

Schritt 2: Partner*in 2 werden nun Fotos von Bauhaus-Gebäuden gezeigt, die gezeichnet werden sollen. Das Papier wird hierfür auf den Rücken von Partner*in 1 gelegt und mit Krepptape befestigt. Partner*in 2 fertigt eine einfache Skizze auf dem Rücken von Partner*in 1 an.

Schritt 3: Partner*in 1 überträgt nun die auf dem Rücken gefühlten Linien wiederum auf ein Papier. Hierbei kommt es darauf an, dass Partner*in 1 sich nicht die Zeichenvorlagen anschaut, sondern sich auf die gefühlten Berührungen durch den Bleistift auf dem Rücken konzentriert.

Schritt 4: Am Ende werden die beiden Zeichnungen verglichen. Stimmen sie im Ansatz überein? Danach wird getauscht. 

Option: Diese Übung kann auch im Stadtraum anhand von markanten Gebäuden durchgeführt werden.
 

ÜBUNG 2: WAHRNEHMUNG VON KÖRPER UND RAUM

Diese Übung beschäftigt sich mit der Wahrnehmung von Raum: durch den eigenen Körper und Bewegungen sowie deren Übersetzung in Linien, Umrisse und Figuren. Diese Übung erfolgt in der Gruppe als Partnerarbeit.

Schritt 1: Die Teilnehmer*innen bewegen sich zunächst ein paar Minuten im Raum und sollen hierbei darauf achten, den Raum in seiner ganzen Dimension auszunutzen.

Schritt 2: In die Mitte des Raumes werden nun große Abschnitte von Packpapier ausgebreitet, ein Abschnitt pro Zweierteam. Partner*in 1 legt sich nun in einer Pose nach Wahl auf den Bogen, Partner*in 2 zieht mit einem Stift die Umrisse des Körpers nach.

Schritt 3: Nun bewegt sich Partner*in 1 und findet eine neue Position, deren Umrisse wiederum von Partner*in 2 nachgezogen werden. Dies wird einige Mal wiederholt, so dass sich auf dem Papierbogen mehrere Umrisse überlagern.

Schritt 4: Nun tauschen die Partner*innen ihre Rollen und führen die Übung erneut durch.

Schritt 5: Nun werden die Bögen an die Wände gehängt. Wie wirken die Umrisse? Sehen sie aus wie Figuren in Bewegung? Wie verhalten sie sich zum Raum?
 

ÜBUNG 3: LINIEN UND STRUKTUREN MIT WOLLE

Diese Übung erfolgt in kleineren Gruppen von 5 bis 10 Teilnehmer*innen und setzt sich mit der Wirkung von zweidimensionalen und räumlichen Strukturen auseinander.

Schritt 1: Die Teilnehmer*innen stellen sich in einen Kreis, ein*e Teilnehmer*in bekommt ein Wollknäuel und befestigt das Ende des Fadens an ihrer Hand.

Schritt 2: Nun wird das Knäuel einer/einem anderen Teilnehmer*in zugeworfen, so dass der Wollfaden die beiden verbindet. Der Faden wird wiederum festgehalten, das Knäuel erneut geworfen.

Schritt 3: Sobald alle Teilnehmer*innen mindestens einmal das Knäuel in der Hand hatten, wird das entstandene Wollnetz betrachtet. Wie sieht die Figur aus? Woran erinnert sie?

Schritt 4: Im nächsten Schritt legen die Teilnehmer*innen das Wollnetz auf den Boden und betrachten die Form erneut? Was hat sich verändert? Wirkt die flache Struktur anders als die räumliche?
 

ÜBUNG 4: BEIDHÄNDIG ZEICHNEN

In dieser Übung wird zugleich mit beiden Händen gezeichnet, um sich dem Zeichnen spielerisch zu nähern und sich auf den Vorgang, nicht auf das Ergebnis, zu fokussieren.

Schritt 1: Man nimmt in jede Hand einen Bleistift und setzt sie zugleich auf dem Papier auf, um dann mit synchronen Bewegungen die gleichen freien Linien und Muster zu zeichnen.

Schritt 2: Am Ende werden die Bilder in der Gruppe betrachtet. Was sind für Linien, Muster und Formen entstanden? Lassen sich die Bilder spiegeln? Welche Seite ist ausdrucksstärker? Diese Übung bietet einen schönen Überraschungseffekt, wenn die Teilnehmer*innen merken, dass sie tatsächlich mit beiden Händen zeichnen können.
 

ÜBUNG 5: „EINE LINIE IST EIN PUNKT, DER SPAZIEREN GEHT.“ PAUL KLEE

Diese Übung schult die Wahrnehmung durch Sensorik und baut die Hemmnisse der Teilnehmer*innen ab, sich künstlerisch auszudrücken.

Schritt 1: Die Teilnehmer*innen wählen von den Fingerfarben die Farbe aus, die sie am meisten anspricht. Dann malen sie einen Punkt auf ihrem Zeichenpapier und lassen anschließend ihren Finger so auf dem Papier wandern, dass eine Linie entsteht, als würde der Punkt „spazieren gehen“.

Schritt 2: Sie können weitere Farben auswählen und sie entweder der bestehenden hinzugeben oder den ersten Schritt wiederholen. 

Schritt 3: Am Ende werden die Bilder in der Gruppe betrachtet. Was für Linien, Muster und Formen sind entstanden? Warum haben die Teilnehmer*innen diese Farben ausgewählt?

Der Architekt Walter Gropius gründete 1919 das Bauhaus mit dem Anspruch, Kunst und Handwerk zu verbinden. Ziel der Schule war die Ausbildung eines neuen Künstlertypus, der Produkte im Bereich Design und Architektur verbinden sollte, welche sich für die industrielle Massenproduktion eigneten. Die Schule trat mit der Idee an, Lebensvorgänge und somit die Gesellschaft insgesamt gestalten zu wollen, das Schaffen von Gesamtkunstwerken durch gemeinschaftliche Arbeit stand dabei im Fokus. Gleichzeitig waren Interdisziplinarität und experimentelles Ausprobieren entscheidende Komponenten der pädagogischen Ausrichtung.

Zu Beginn der Ausbildung am Bauhaus absolvierten alle Studierenden einen einsemestrigen Vorkurs, der auf pädagogisch neue und experimentelle Weise den Umgang mit Materialien sowie gestalterische Grundprinzipien vermittelte. Die Studierenden entwickelten räumliche Strukturen, bei denen der Zusammenhang von Material, Konstruktion, Funktion, Herstellung und Material im Vordergrund stand. Um sich unvoreingenommen mit der Wahrnehmung von Raum und Umwelt auseinanderzusetzen setzten die Leiter des Vorkurses auch auf eine Schulung der Sinne: Sehen, Hören, Riechen, Schmecken und Fühlen.

Der Schweizer Maler und Kunstpädagoge Johannes Itten konzipierte den Vorkurs am Bauhaus in Weimar. Für ihn bildete das individuelle Empfinden, subjektive Erkennen und objektive Erfassen die Basis für kreatives Gestalten. In seinem Unterricht als Leiter des Vorkurses (1919–1923) standen Natur- und Materialstudien sowie die Farb- und Formenlehre im Vordergrund, ferner waren Analysen alter Meister sowie das Aktzeichnen Bestandteil seines Unterrichts. 1923 verließ Itten das Bauhaus und László Moholy-Nagy übernahm 1923 die Leitung des Vorkurses, den er gemeinsam mit Josef Albers führte. Moholy-Nagy verlegte den Schwerpunkt von künstlerischen auf technische Fragen. Er übernahm die Pädagogik Ittens, indem er die Schüler selbstständig Materialübungen durchführen ließ. Doch wollte er nicht die reine Individualität seiner Schüler fördern, sondern sie systematisch in einer Synthese der Sinne an die Vermittlung technischer Grundlagen wie Statik, Dynamik und Gleichgewicht heranführen. 1928 wurde Josef Albers offizieller Leiter des Vorkurses. Er ließ mit einfachen Werkzeugen die Materialeigenschaften verschiedener Stoffe wie Metall, Holz und Papier untersuchen und legte einen besonderen Fokus auf die Darstellung und Wirkung von Licht, Schatten und Perspektive.
 

PAUL KLEE

1920 wurde Paul Klee von Gropius an das Staatliche Bauhaus in Weimar berufen. Sein vielseitiges Werk wird dem Expressionismus, Konstruktivismus, Kubismus, Primitivismus und dem Surrealismus zugeordnet, er gehört zu den bedeutendsten bildenden Künstlern der Klassischen Moderne des 20. Jahrhunderts. Klee wurde 1921 zum Leiter der Buchbinderwerkstatt, 1922 zum Leiter der Metallwerkstatt und von 1922/23 bis 1925 zum Leiter der Glasmalereiwerkstatt. Klee unterrichtete sowohl in Weimar als auch in Dessau seine Elementare Gestaltungslehre im Vorkurs. 1925 erschien Klees Pädagogisches Skizzenbuch als zweiter Band der im Bauhausverlag herausgegebenen Reihe Bauhausbücher. Von 1926–1927 bis 1930 war er Leiter des Unterrichts in Freier plastischer und malerischer Gestaltung, ab 1927 leitete er die Freie Werkstatt Malerei bzw. Freie Malklasse. Von 1927 bis 1929–1930 unterrichtete er Gestaltungslehre in der Weberei. Klee verließ das Bauhaus am 1.4.1931 und erhielt eine Professur an der Kunstakademie in Düsseldorf. Nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten wurde ihm allerdings fristlos gekündigt.

OSKAR SCHLEMMER

In seinem Werk als Maler, Bildhauer und Bühnenbildner thematisierte Oskar Schlemmer vor allem die Stellung der menschlichen Figur im Raum. In seiner Hauptschaffensperiode (1920–1932) entstanden zahlreiche Gemälde stereometrischer Figuren sowie ineinander greifender Figurengruppen. 1920 entstanden bereits erste Figurinen für das Triadische Ballett, das 1922 in Stuttgart erstmalig aufgeführt wurde. Im Januar 1921 wurde Schlemmer als einer der ersten Meister durch Walter Gropius an das Staatliche Bauhaus in Weimar berufen. Er leitete als Formmeister zunächst die Wandmalerei-Abteilung und gab Unterricht in Aktzeichnen. Von 1922 bis 1923 leitete er als Formmeister die Steinbildhauerei, die Holzbildhauerei und zwischenzeitlich die Metallwerkstatt. Für die Bauhaus-Ausstellung 1923 in Weimar entwarf Schlemmer eine Vielzahl von Werken in den Bereichen Wandgestaltung, Malerei, Plastik, Druckgrafik, Werbung und Bühne. Von 1923 bis 1929 war er am Bauhaus Weimar und am Bauhaus Dessau Leiter der Bühnenwerkstatt. Ab 1926 erfolgte eine Neuauflage des Triadischen Balletts mit Orgelmusik von Hindemith in mehreren deutschen Städten. Die Aufführungen machten Schlemmer international bekannt, es folgten Einladungen zu Ballettaufführungen in Paris und New York. Ab April 1928 übernahm er umfangreiche Lehrverpflichtungen am Bauhaus. Neben Zeichenunterricht und Bühnentheorie etablierte Schlemmer das Unterrichtsfach Der Mensch, das sich an zeichnerisch-formalen, biologischen und philosophischen Inhalten versuchte. 1928–1929 erfolgte eine Tournee der von Schlemmer geleiteten Bauhausbühne durch Deutschland. Im Sommer 1929 verließ Schlemmer das Bauhaus und wurde im Juni an die Staatliche Akademie für Kunst und Kunstgewerbe Breslau berufen, wo er bis zur Schließung 1932 unterrichtete.

LÁSZLÓ MOHOLY-NAGY

László Moholy-Nagys Werk umfasst neben der nichtgegenständlichen Malerei auch Fotografie, Film, Typografie und Bühnenbild. Seine Arbeit als Grafikdesigner war stark von der De-Stijl-Bewegung, dem Konstruktivismus und der Merzkunst beeinflusst. Er galt in den 1920er Jahren als einer der wichtigsten Fotogrammkünstler und prägte den Begriff der Fotoplastik. Seine Telefonbilder der 1920er Jahre können als frühes Werk der Konzept- und Medienkunst interpretiert werden. 1923 wurde er von Walter Gropius ans Bauhaus berufen, dort beschäftigte er sich vorrangig mit experimenteller Fotografie, Film und Typografie. Von 1923 bis 1925 leitete er den Vorkurs und die Metallwerkstatt in Weimar, von 1925 bis 1928 in Dessau. Zusammen mit Walter Gropius brachte Moholy-Nagy die erste Reihe der Bauhausbücher heraus. 1928 verließ Moholy-Nagy das Bauhaus und gründete ein eigenes Atelier für Typografie und Ausstellungsgestaltung, Fotomontagen und -collagen in Berlin. Da er in Deutschland ein Berufsverbot erhielt, emigrierte er 1934 zunächst nach Amsterdam, dann nach England (1935–1937) und später in die USA, wo er das New Bauhaus in Chicago sowie nach dessen Schließung 1938/39 die Nachfolgeeinrichtung School of Design gründete und leitete.
  • Mit allen Sinnen Silke Wittig | CC BY-NC-SA 4.0
  • Mit allen Sinnen Silke Wittig | CC BY-NC-SA 4.0
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