Band des Monats Tocotronic

Tocotronic
Tocotronic | Foto: Michael Petersohn

„Hey! Ich bin jetzt alt…“ So beginnt das neue Album der deutschen Indie-Rock-Band Tocotronic. Ja, und sie sind jetzt tatsächlich alt. Seit 20 Jahren veröffentlichen Tocotronic, eine der wichtigsten deutschen Bands der Hamburger Schule aus den 90er Jahren, ihren Gitarren-Rock-Pop mit rebellischen Texten. Es ist das zehnte Studioalbum der Hamburger Band. Die 17 Lieder auf "Wie wir leben wollen" tänzeln zwischen Gitarren-Pop, exaltiertem Musiktheater und klassischen Rock-Einschlägen mit adretten Chören. Die Texte drehen sich um Körper und um Befreiung, um Fragen wie: Was sollte das jetzt alles? Wer bin ich geworden? Was ist greifbar geblieben, jetzt, nach so vielen Jahren? Viel, man muss sich nur einmal die Geschichte der Hamburger anschauen.

1993 gründeten die Punkmusiker Jan Müller (Baßgitarre), Arne Zank (Schlagzeug) und Gitarrist und Sänger Dirk von Lowtzow Tocotronic, nach einem Gameboy-Vorläufer benannt, in Hamburg. Die Popularität nahm schnell zu, wofür sowohl die sloganartigen Songs (Ich möchte Teil einer Jugendbewegung sein) als auch die Optik der Band – Trainingsjacke, Cordhose und Seitenscheitel – verantwortlich war. Anfang 1995 erschien das Debüt-Album „Digital Ist Besser“ auf dem Label L'Age D'Or, wenige Monate später dann bereits das zweite Album „Nach der verlorenen Zeit“. In die Charts kamen sie erstmals mit ihrem dritten Album „Wir kommen um uns zu beschweren“, den Musikpreis „Comet“ des Musiksenders Viva lehnte Tocotronic aber ab. Das 1997 veröffentlichte vierte Album „Es ist egal aber“ stellte einen leichten Stilwechsel zu den Vorgängern dar, da von diesem Werk an auch Synthesizer und Streicherarrangements verwendet wurden. Zwei Jahre später wurde mit „K.O.O.K.“ das fünfte Studioalbum veröffentlicht. Mit den bildhaften Texten und introvertierterer und leiserer Musik war der Band eine Entwicklung raus aus der Jugendbewegung anzumerken. 2000 erschien ein Remix-Album von „K.O.O.K“, 2002 wurde das selbstbetitelte sechste Studioalbum „Tocotronic“ veröffentlicht. Rick McPhail (Gitarre, Keyboard), der schon seit 2000 Tocotronic bei Live-Auftritten unterstützt hatte, wurde 2004 offiziell das vierte Bandmitglied.
 



Im Januar 2005 erschien das siebte Album „Pure Vernunft darf niemals siegen“ und wurde zusammen mit dem achten und neunten Album („Kapitulation“ und „Schall&Wahn“) zur Berlin-Trilogie zusammengefasst, eine Hommage an die Berlin Trilogy von David Bowie. „Schall & Wahn“ stieg direkt auf dem Spitzenplatz der Album-Charts ein und wurde damit die erste Nummer Eins der Bandgeschichte. Im Januar 2013 erschien ihr zehntes Album „Wie wir leben wollen“.

Also Oldies der deutschen Musikgeschichte? Mitnichten! Tocotronic rockt noch immer, nur einfach leiser und erwachsener.


In unserer Bibliothek zum Anhören und Ausleihen vorhanden:

1995: Nach der verlorenen Zeit (CD)
1996: Wir kommen um uns zu beschweren (CD)
2007: Kapitulation (CD)
2013: Wie wir leben wollen (CD)