Band des Monats Bedük

Bedük
Bedük | Foto (Ausschnitt): Anna Esser

Bedük sitzt etwas erschöpft mit einem Hamburger in der Hand auf einer Bierbank hinter der Bühne im Küçükçiftlik Park in Istanbul. Er ist verschnupft und wartet auf seine Medikamente, die seine angeschlagenen Stimmbänder retten sollen. Das Konzert an diesem Novemberabend ist wichtig, denn er stellt seine neue CD vor. Pünktlich nach 10 Jahren seit dem ersten Album hat er wieder Songs auf Türkisch geschrieben, so wie auf seiner ersten Platte. Er ist gespannt, wie das Publikum die türkischen Texte aufnehmen wird. „Die Themen sind zwar die gleichen, es geht um Liebe, Gefühle, ein bisschen Politik, das Leben eben“. Trotzdem ist er ein bisschen aufgeregt. Denn richtig bekannt geworden ist er erst mit seinen englischen Liedern, die 2007 auf „Even better“ bei dem von ihm gegründeten Label Audiology Records erschienen.

Ungewöhnlich ist seine Musik, erwartet man doch von einem türkischen Musiker schmachtende Gesänge, von einer Langhalslaute und einem Trommler begleitet. Aber Serhat Bedük, wie er mit vollem Namen heißt, hatte sich einer neuen Richtung zugewandt: der elektronischen Musik. „Ich habe, wie die meisten hier in der Türkei, mit Heavy Metal angefangen, ich war Sänger in einer Black-Metal Band in Ankara und habe dort auch Gitarre gespielt.“ Als aber der Techno Ende der 90er Jahre auch in die Türkei herüberschwappte, sprang er begeistert auf die Welle auf. Herausgekommen ist eine Mischung aus Funk, Dance und House, die sofort ins Ohr geht und einen nicht mehr ruhig stehen lässt. Vielleicht erklärt seine eigene Beschreibung auf soundcloud seine Musik am besten: da bezeichnet er sich als „Da Funk Maker“. 
 


Die Türkei fließt trotz der für dieses Land recht untypischen Musik immer mit ein. So zeigt das Video zu „Automatik“ von seiner zweiten Platte „Dance Revolution“ von 2008 beispielweise eine türkische Hochzeit, auf der die Gäste zu seiner Musik „Kolbastı“ tanzen, einen Folkloretanz von der türkischen Schwarzmeerküste. „Danach wurde der Tanz ein Hit“, sagt er nicht ohne Stolz. Zwei Jahre später brachte er sein Album „Go“ bei Colombia Records auf den Markt, das auch in Europa und Amerika erschien, die Single „Electric Girl“ lief monatelang bei MTV und VH1. 2011 erschien die Remix-CD des Vorgängeralbums „Ful“ mit 3 neuen Songs.

“Zwischendurch habe ich mir ganz schön Zeit gelassen”, grinst er. Erst im Januar 2013 brachte Bedük sein neues Album “Overload” heraus. Das Stück “It’s a Riot”, ein Protestsong gegen das patrialische Verhalten des Ministerpräsidenten des Landes, ging im Sommer 2013 um die Welt, als es mit Bildern von der Besetzung des Gezi-Parks in Istanbul neu untermalt und auf youtube gestellt wurde. “Eigentlich sind alle meine Lieder ein bisschen politisch,überall finden sich kleine Spitzen, man muss sie nur zwischen den Zeilen finden.” Politisch müssten Künstler nicht sein, sagt er, aber “jeder ist doch ein bisschen politisch, oder?” Dennoch sollten die jungen Menschen über ihr Engagement nicht das Amüsement vergessen, sagt Bedük, zieht seine typische Fliegersonnenbrille an, wirft sich mit Victory-Zeichen in Pose und geht zum Soundcheck.