Band des Monats Nneka: „Für meine Musik gibt es keine Schublade"

Nneka
Nneka | Foto (Ausschnitt): Nneka

Will man in seiner Ordnungsliebe dennoch nicht auf eine Schublade verzichten, dann muss die Schublade eben mit „Nneka“ beschriftet werden. Gleichzeitig ist es auch nicht falsch, wenn man Begriffe wie Hip-Hop, Reggae, R&B oder Soul verwendet, bei dem Versuch, Nnekas Musik zu umschreiben.

Ihr vollständiger Name lautet Nneka Egbuna. Als Kind einer deutschen Mutter und eines nigerianischen Vaters wurde sie 1980 in der Stadt Warri, in Nigeria, geboren. Dort lebte sie, bis sie mit 19 Jahren nach Hamburg zog, wo sie Archäologie und Anthropologie studierte. Gesungen hat Nneka auch schon in Nigeria, jedoch nicht professionell, und es mag überraschen, dass es ihrer Angabe nach auch nicht ihre Absicht oder gar ihr Traum war, als Sängerin ihr Geld zu verdienen. In Hamburg richteten dann verschiedene Produzenten ihre Aufmerksamkeit auf Nnekas Stimme und so kam es im Jahr 2005 zum Debütalbum mit dem Titel „Victim Of Truth“. 2008 folgte das Album „No Longer At Ease“, 2010 „Concrete Jungle“ - eine „Best-of“ Zusammenstellung aus den beiden vorangegangenen Alben, bestimmt für den nordamerikanischen Markt. Und im Jahr 2011 erschien ihr bisher letztes Album, mit dem Titel „Soul Is Heavy“.

Mit dem Song „Heartbeat“ wird Nneka zunächst vor allem in Großbritannien bekannt, doch auch in Deutschland wird Nneka populär. Unter anderem tragen dazu Auftritte mit bekannten Musikern wie Patrice, Sean Paul, Curse und Seeed bei. Was ihre Zusammenarbeit mit Künstlern aus den USA und Großbritannien betrifft, sind neben Lenny Kravitz auch Namen wie Gnarles Barkley, Black Thought und Ms. Dynamite zu nennen.

Doch weshalb ist sie bekannt? Was fesselt die Zuhörer? Mindestens zwei Gründe sind vorstellbar. Zum einen Energie, Kraft und Leidenschaft der Musik, des Rhythmus, der Stimme – die Intensität, mit der es Nneka und ihre Bandkollegen schaffen, beim Zuhörer das Gefühl von etwas Vollem, etwas Ganzem entstehen zu lassen, etwas, das bereits rein musikalisch die Aufmerksamkeit auf sich zieht und Neugierde weckt. Zum anderen haben die Lieder auch inhaltliche Tiefe. Das heißt, für diejenigen, die auch an Text und Aussage interessiert sind, gibt es mit Nnekas Liedern gewissermaßen einen Schatz zu heben.
 


Wie ist das gemeint? Nneka sagt über sich und ihre Musik „I am what you hear“ – Stichwort Authentizität. Ihre Lieder sind authentisch, und die Themen, denen sie ihre Stimme gibt, liegen ihr am Herzen, haben vermutlich auch existenzielle Bedeutung für die „Person Nneka“. So sagt sie über sich und ihre Musik „I wouldn’t be able to separate my music from me”. Nneka legt damit offen, dass sie singt, wer sie ist, und so zeigt sich auch ihre Biographie ganz deutlich in ihren Liedern - als ein Mensch, der in der nigerianischen Gesellschaft aufwuchs und anschließend die deutsche und darüber hinaus die sogenannte „westliche“ Lebensweise und Kultur erlebt. Sie thematisiert Habgier und Ausbeutung, wie in dem kraftvollen Song „Soul Is Heavy“. Und hört man sich „God knows why“ an, einen Song, den Nneka zusammen mit Black Thought aufgenommen hat, so gibt es einem, als Angehöriger der „westlichen“ Kultur, manches zu denken auf. Bei alldem soll hier nicht der Eindruck entstehen, Nnekas Musik würde bedrückend, oder gar lähmend wirken. Vielmehr ist sie voller Energie und stellt sich so den angesprochenen Missständen kraftvoll entgegen. Mit „Shining Star“ singt sie dann wiederum in ganz zärtlichem, versöhnlichem Ton von der Liebe und ihrer Kraft, auch in einer harten, schnellen Welt zu Momenten innerer Ruhe zu verhelfen.

Nneka gibt gesellschaftlichen Themen ihre Stimme, aber ebenso gehört zu ihrer Person auch das handfeste Engagement. Dabei ist die gemeinnützige Organisation ROPE zu nennen. ROPE wird von Nneka, Ahmed, Ade und Julia Umlauf initiiert. Die einzelnen Buchstaben des Namens stehen für Reach Out, Organize, Practice und Experience. Sie beschreiben sich selbst als eine Plattform für junge Menschen. Sie soll ihnen die Möglichkeit bieten, sich auszudrücken und Teil kulturellen Austauschs zu sein. Dabei sollen vor allem künstlerische Ausdrucksformen helfen. Auch hat Nneka zusammen mit Freunden ein 15-minütiges Video aufgenommen, durch das ein kleiner Eindruck aus dem Nigerdelta gewonnen werden kann. Das Video ist auf der Internetplattform Youtube unter dem Suchbegriff „Nneka Love Hate“ zu finden und abzurufen.
 

Diskografie:

Soul Is Heavy (2011)
Concrete Jungle (2010)
No Longer At Ease (2008)
Victim Of Truth (2005)