Erzähl mir deine Geschichte
Pressemitteilung

Jenseits von Kriegstrommeln und Geschichtsschreibung:  Die Zeugnisse des Projekts „Erzähl mir deine Geschichte“ mit jungen Syrern werden im Goethe-Institut Ankara ausgestellt.

Das Projekt “Erzähl mir deine Geschichte” könnte man auch als zivile Geschichtsschreibung bezeichnen: 16 junge geflüchtete Syrer haben in dem Projekt ihre Erlebnisse und Erinnerungen und ihre jetzige Lebenssituation in der Türkei auf verschiedene Weise - in Interviews, Fotografien und Texten - erzählt.

Mit Unterstützung des Auswärtigen Amtes hat das Goethe-Institut Istanbul in mehreren Workshops in der südostanatolischen Stadt Mardin mit den Jugendlichen die Erinnerungen an die Zeit vor, während und nach ihrer Flucht thematisiert. Während die meisten vor ihrer Flucht vor einigen Jahren noch Kinder oder Teenager im Alter von zehn bis fünfzehn Jahren waren, sind sie jetzt Jugendliche zwischen vierzehn und zwanzig, die sich ihrer Kindheit, ihrer Heimat und ihrer Zukunft beraubt fühlen.

Aus den Geschichten und Erzählungen der syrischen Jugendlichen geht aber auch hervor, dass die Hoffnung auf ein besseres Syrien eine bessere Zukunft noch lebt. In ihrer neuen Heimat und Situation haben die meisten jedoch schlechtere Chancen, eine Schule zu besuchen und sich weiterzuentwickeln. Auch ein Studium hat sich für die meisten erst einmal erübrigt. So auch für die heute zwanzigjährige Lava Kasim, die mit ihrer Mutter und einigen Schwestern in die Türkei flüchtete:

„Da ist eine Kluft in uns. Nichts kann diese Kluft ausfüllen. Nach Syrien zurückgehen ist nicht alles in diesem Leben, aber ich möchte auf die Schule gehen…Im Moment ist meine Schwester in Syrien, in der Mitte des Krieges. Unser Leben ist stehengeblieben und nur noch halb“.

Neben Lava und den anderen Jugendlichen erzählt die 17 jährige Dersim von Ihrer Flucht aus Syrien und wie der IS die Bevölkerung behandelte, während der fünfzehnjährige Eyad Hacmahmoud erzählt, wie er an einem Busterminal von den Splittern einer Explosion getroffen wurde, dachte er sei angeschossen und in Ohnmacht fiel. Die Erinnerungen und Geschichten der Jugendlichen nehmen mit – ebenso wie ihr unschuldiger Blick und ihre erschütterten, aber doch hoffnungsvollen Stimmen.

Für „Erzähl mir deine Geschichte“ waren aber nicht nur die Erinnerungen, sondern auch deren Verarbeitung wichtig. Professionelle Trainer zeigten den Jugendlichen in Workshops, wie Sie ihre Erinnerungen in nicht nur im Interview sondern auch in Text und Bild verarbeiten und erzählen können. Die Storytellerin Nilay Yilmaz verfasste mit den Jugendlichen Texte zu den von Ihnen in Mardin festgehaltenen Fotos. Der Dokumentarfilmer Ulaş Tosun produzierte Interview mit bewegenden Anekdoten.  

Durch die Erzählungen und Zeugnisse wird deutlich: Gerade jugendliche Beobachter verdeutlichen die Brutalität des Krieges und der äußeren Umstände ihrer prekären Lebenssituation mit ihrer großen Unschuld und Ohnmacht dramatisch. Sie ermöglichen einen ehrlichen und einfachen Blick auf die Brutalität und Zerstörung des zivilen Lebens durch den Krieg, jenseits von Machtpolitik und geopolitischen Überlegungen. An ihre zerstörten Träume, gestohlene Kindheit und verzweifelte Hoffnung auf bessere Zeiten – am liebsten in ihrer eigenen Heimat – sollten wir uns erinnern, um in Zukunft ähnliche Dramen besser verhindern zu können.

„Erzähl mir deine Geschichte“ ist ein Projekt des Goethe-Instituts und wird gefördert durch das Auswärtige Amt der Bundesrepublik Deutschland.