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Armağan Tunaboylu
Çağatay Yaşmut

Çağatay Yaşmut wurde 1968 in Istanbul geboren und studierte Ökonometrie an der Universität Istanbul. Er war lange Zeit in vielen unterschiedlichen Bereichen tätig, vor allem aber im Bank- und Finanzwesen. Sein Masterstudium in Philosophie absolvierte Yaşmut an der Maltepe-Universität.
Noch während er sich mit der Ökonometrie beschäftigte und im Bankwesen tätig war, begann er mit dem Schreiben von Kriminalromanen. Çağatay Yaşmut erfand den leitenden Mordkommissar Galip, der überzeugt davon ist, mit dem Bösen fertigwerden zu können, solange er nicht von seinem Gerechtigkeitssinn abweicht, keine krummen Dinger dreht, niemanden besticht oder um Hilfe bittet.
 
Galip ist gebürtiger Istanbuler, der vor allem in Chalkedon, der Stadt der Blinden, die heute Kadıköy heißt,[1] und Beyoğlu, gegen das Böse kämpft. Er ist in erster Linie Morddelikten auf der Spur, war dabei auch immer erfolgreich, musste aber selbst herbe Verluste hinnehmen: Als in Şarkılar Susunca [Wenn die Lieder schweigen] die Frau, die er liebte, ermordet wurde, hielt er sich sogar eine Waffe an den Kopf.
 
Der auf den ersten Blick sanftmütig erscheinende 45-jährige Galip, Leiter der Mordkommission an der Istanbuler Abteilung für öffentliche Sicherheit, lässt von Zeit zu Zeit auch machohafte Wesenszüge durchblicken. Er lebt immer noch in dem Haus in Kadıköy, das ihm seine Familie hinterlassen hat; seine Ausbildung hat er an der Polizeiakademie absolviert. Da er außer seinem Gehalt keine weitere Einnahmequelle besitzt, ist das Geld am Monatsende stets knapp. Galip liest hauptsächlich Krimis, besucht weder das Theater noch das Kino, hört keine Musik und macht nie Urlaub. Diejenigen, die ihn dazu zwingen möchten, diese Dinge zu tun, hasst er bis aufs Blut. Da er sich an das Leben als Alleinstehender gewöhnt hat, vermeidet er es zu heiraten.
Der Kommissar identifiziert sich nahezu vollständig mit seinem Beruf und gilt als überaus mutiger Polizist. Er ist klug, intuitiv und die Sicherheit seines Teams liegt ihm besonders am Herzen. Er hört sich die Probleme seiner Teammitglieder an und kommt ihnen zu Hilfe. Galip liebt die Frauen und wird auch von ihnen geliebt. Er hat eine Schwäche gegenüber Frauen, die physisch gut gebaut und psychisch stark sind. Rundliche Frauen mit großen Brüsten und Hüften interessieren ihn besonders. Galip hat keine Erwartungen an die Zukunft und keine Karriere-Ambitionen. Alles, was er möchte, ist, bis zu seiner Pensionierung in der Mordkommission arbeiten.
 
Çağatay Yaşmuts Art des Erzählens ist realitätsnah und schnörkellos. Die Geschichten, die aus seiner Feder stammen, gehen geradlinig ihren Gang. Die meisten von uns haben vermutlich noch nie eine Leiche gesehen, die durch Schüsse ermordet und auf der Straße liegen gelassen wurde. Tatortbegutachter mit weißen Overalls und weißen Kappen, die einen Leichnam nach Hinweisen durchsuchen, haben wir vermutlich auch noch nie zu Gesicht bekommen, geschweige denn einen mit gelb-schwarzen Bändern umgrenzten Tatort. Aber wenn wir von Galips Spurensuche lesen, davon, wie er sich herunterbeugt, sich umschaut und einen winzigen Hinweis findet, der im Laufe der Geschichte zur Aufdeckung des Mordes führen wird, wundern wir uns nicht, sondern erwarten das von ihm. Der leitende Mordkommissar Galip und sein Team werden in jedem Fall diesem Hinweis nachgehen, der sie zur Aufklärung des Tathergangs führen wird. Auf das Team und die Leser*innen wartet ein aufreibender Prozess. Diese Kommissare, die sich ausschließlich von Sesamkringeln und schwarzem Tee ernähren, werden unzählige Male mit dem Tod konfrontiert und angeschossen werden, sie werden Schläge verteilen und einstecken müssen, unzählige Male wird man sie beschimpfen und demütigen – all dem zum Trotz arbeiten sie unnachgiebig daran, diesen Hinweis als Beweismaterial durchzubringen. Selbst nach Feierabend wird der säuerliche Geschmack in ihren Mündern nicht schwinden.

Chalkedon (heute der Istanbuler Stadtteil Kadıköy) war eine antike Hafenstadt. Von der Strömung des Meeres nicht begünstigt, wurde ihr nach einem Bericht Herodots vom Orakel die Bezeichnung Stadt der Blinden (caecorum oppidum) verliehen. Vgl. https://de.wikipedia.org/wiki/Chalkedon, abgerufen am 25.11.2020.

Çağatay Yaşmut gibt die Abenteuer des leitenden Mordkommissars Galip wie mit einer Videokamera auf unparteiische Weise wieder. Es gibt keinen Platz für hochtrabende Worte oder Ausdrücke. Er gibt den Leser*innen zu verstehen, dass der schlichte und klare Ausdruck der überzeugendste und passendste ist. Çağatays Kamera umkreist mit langen, teils sehr langen Einstellungen seine Romanfiguren, besucht sie in ihren Schlaf- und Badezimmern, dringt sogar in ihren Verstand ein. Diese Figuren sind so real, dass wir auf den Seiten des Buches beinahe ihre Gespräche mitanhören, ihre Schritte mitzählen können. Während der Autor uns seine Figuren wie von einer Kamera gefilmt vorstellt, versäumt er es gleichzeitig nicht, auf das aktuelle Tagesgeschehen einzugehen: Seine Romane nehmen die „andere Organisationsstruktur“ innerhalb der Polizei auseinander, berichten von Sekten und Themen wie Umwelt und Erdbeben, die die Leser*innen unmittelbar interessieren; aber auch unsere tiefsitzenden gesellschaftlichen Wunden wie Inzest und häusliche Gewalt greift er auf.
 
Çağatays Kamera wandert nach Moda, von da weiter hinunter zur Kadıköyer Innenstadt, bis er sie schließlich von dort aus nach Göztepe und Bostancı schwenkt. Er besteigt eine Fähre nach Beyoğlu, auf der er seinen Sesamkringel mit den Möwen teilt, und flirtet sich durch die Gassen. Çağatay kennt sich hier gut aus, denn das sind die Orte, an denen er studiert, gelebt und in Cafés gejobbt hat. Überaus neugierig ist er und scheut sich nicht, unbekanntes Terrain zu betreten. Doch während er dort umherwandert, senkt er schüchtern seinen Kopf und versucht, keinen Blickkontakt herzustellen, bis er wieder heil nach draußen gelangt. Und wenn er einmal den Hauptstützpunkt einer Sekte erkunden muss, hält er seine Kamera heimlich durch den Stacheldrahtzaun der Gartenmauer.
 
Çağatay interessiert sich für vieles, liest, recherchiert und vergleicht. Von ihm können wir immer auch erfahren, welche neuen Autor*innen welche neuen Bücher veröffentlicht haben. Çağatay ist das Gegenteil von Mordkommissar Galip, der außer Kriminalromanen keine Bücher liest. Çağatay lässt auch im Urlaub seinen Laptop und seine Bücher nicht aus der Hand.
 
Bisher erschienene Werke von Çağatay Yaşmut:
2008 – Beyoğlu Çıkmazı [Die Sackgasse Beyoğlu]
2009 – Şarkılar Susunca [Wenn die Lieder schweigen]
2010 – Beni Yavaş Öldür [Bring mich langsam um]
2012 – Kadıköy Cinayetleri [Die Kadıköy-Morde]
2017 – Doktor Ceyda’yı Kim Öldürdü? [Wer hat Dr. Ceyda umgebracht?]
2018 – Moda Cinayetleri [Die Moda-Morde]
2019 – Benim Canım Ailem [Meine liebe Familie]
 
Sein Roman Kadıköy Cinayetleri wurde 2012 in der Rubrik „Goldene Seite“ mit dem Dünya-Krimibuchpreis ausgezeichnet. Çağatay Yaşmuts Geschichten werden in verschiedenen Magazinen veröffentlicht. Sein neuestes Buch Felsefe Cinayetleri [Die Philosophie-Morde], bei dem es um einen Serienmörder geht, dessen Taten durch die Gedichte eines Philosophen inspiriert sind, erscheint Ende 2020.
[1] Chalkedon (heute der Istanbuler Stadtteil Kadıköy) war eine antike Hafenstadt. Von der Strömung des Meeres nicht begünstigt, wurde ihr nach einem Bericht Herodots vom Orakel die Bezeichnung Stadt der Blinden (caecorum oppidum) verliehen. Vgl. https://de.wikipedia.org/wiki/Chalkedon, abgerufen am 25.11.2020.
 

Autor

Armağan Tunaboylu Armağan Tunaboylu © Armağan Tunaboylu  wurde 1962 in Eskişehir geboren. Seine Hochschulreife erlangte er am Galatasaray-Gymnasium in Istanbul und absolvierte sein Studium an der Dokuz-Eylül-Universität im Fachbereich Kino- und Fernsehen. Tunaboylu hat als Werbetexter, Vertriebsmitarbeiter, Journalist sowie an TV-Serien gearbeitet. Seine Leidenschaft für die Kriminalliteratur bewegte ihn dazu, selber Kriminalromane zu schreiben. Armağan Tunaboylu ist Vorstandsmitglied der Crime Writers of Turkey und leitet regelmäßig Workshops zur Kriminalliteratur....



 

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