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Interview mit Senthuran Varatharajah
Zuhause ist ein Ort, an dem wir noch nie gewesen waren

Senthuran Varatharajah studierte Philosophie, evangelische Theologie und Kulturwissenschaft in Marburg, Berlin und London. Im Frühjahr 2016 erschien sein viel beachteter und mehrfach ausgezeichneter Debütroman "Vor der Zunahme der Zeichen" im S. Fischer Verlag. Er lebt in Berlin.

literatür Interview mit Senthuran Varatharajah © Goethe-Institut | Graphiker: Çağın Kaya, Fotograf: Holm-Uwe Burgemann
Katerina Poladjan: Wo bist du zuhause?

Senthuran Varatharajah: Zuhause ist ein Ort, an dem wir noch nie gewesen waren.

Kann das Zuhause zu einer Bedrohung werden?

Wir müssen unterscheiden zwischen verschiedenen Begriffen, die, in einer konventionellen Rede, synonym verwendet werden, obwohl sie es nicht sind: Zuhause, aber auch das Wort Daheim haben zum Beispiel eine Privatheit und Individualität, aber auch eine Diskretion, die der Begriff Heimat nicht kennt. Man könnte vielleicht sagen: Heimat, als Konzept, ist immer eine Bedrohung.

Welches Zuhause wäre noch möglich?
 
An die Stelle der alten bürgerlichen Gesellschaft mit ihren Klassen und Klassengegensätzen tritt eine Assoziation, worin die freie Entwicklung eines jeden die freie Entwicklung aller ist.

Wann wird Heimat/Zuhause fremd?
 
Heimat ist immer ein Ort der Fremde, weil er das Fremde, den Fremden, die Fremden zu seiner Konstitution benötigt. Heimat beruht auf Ausschluss, auf Opposition. Das ist ihre Natur.
 
Bist du Zuhause ein anderer?
 
Ich bin immer ein anderer.
 
Was macht dich heimatlos?
 
Heimat ist keine Kategorie, in der ich denke. Das gleiche gilt für die Negation dieses Begriffs. Er spielt keine Rolle.

Kann Ideologie zur Heimat werden?
 
Ideologie spendet Trost, Ordnung, Gewissheit. Das teilt sie mit der Heimat. Ideologie ist ein falsches Bewusstsein. Auch das teilt sie mit ihr.

Das Interview mit Senthuran Varatharajah führte: Katerina Poladjan

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