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1. Teil des Workshops
Interview mit Volkan Kızıltunç und Andreas Rost

  • Impression vom Workshop Foto: Erhan Arik
  • Die Workshopteilnehmer Foto: Erhan Arik
  • Impression vom Workshop © Erhan Arik
Der erste Teil des Resource Utopia Workshop ist vorüber. Wie haben Sie die Teilnehmer/-innen ausgewählt? 

Volkan Kızıltunç: Das Hauptthema des Workshops lautet Utopie als Quelle. Über einen Zeitraum von sechs Monaten sind Foto- und Videoprojekten, Bücher und Ausstellungen Gegenstand unserer Arbeit. Nach den potentiellen zwölf Teilnehmenden haben Goethe-Institut Istanbul und der von mir gegründete unabhängige Kunstraum NOKS gesucht, und zwar in Form einer Ausschreibung in der Presse und den sozialen Netzwerken. Die Altersgrenze lag bei 40 Jahren. Nach Ablauf der Frist hatten sich 70 in der Türkei lebende Kandidatinnen und Kandidaten aus 20 verschiedenen Städten beworben. Nach der Auswertung der Projektvorschläge und Portfolios der Bewerberinnen und Bewerber entschieden wir uns für dreizehn Kandidatinnen und Kandidaten für den sechsmonatigen Workshop. Von ihnen hatten wir den Eindruck, dass die Teilnahme einen hohen Wert für ihre künstlerische Praxis haben wird.
 
Andreas Rost als Leiter beim Workshop Foto: Erhan Arik Andreas Rost: Die Workshop-Teilnehmer/-innen haben Volkan und ich gemeinsam ausgesucht an Hand ihrer zuvor eingereichten Arbeiten. Dabei ist für uns wichtig gewesen, möglichst unterschiedliche künstlerische Arbeitsweisen und Identitäten im Workshop miteinander zu verbinden. Dank des großen Einfühlungsvermögens von Volkan bei der Auswahl glaube ich sagen zu können, dass ein sehr schönes und diverses Workshop Team entstanden ist.

 Welche Erwartungen hatten Sie vor Beginn des Workshops?
 
V.K.
: Als Ausgangspunkt für die Idee Utopie als Quelle dienten uns die Begriffe Wärmestrom und Kältestrom des deutschen Philosophen Ernst Bloch. Dementsprechend war ich davon ausgegangen, dass bei den Bewerbungen für den Workshop vorrangig dokumentarische Arbeiten eingehen würden, die in diesem Sinne die Wirklichkeit unserer Zeit möglichst realistisch widerspiegeln. Allerdings fielen die Bewerbungen ganz anders aus. Die Projekte verfügten über kritische Inhalte, die die Umweltsensibilität der jungen Künstlerinnen und Künstler und ihre Hoffnungen für die Zukunft reflektieren, im selben Maße aber auch über ihre abstrakte und metaphorische Vorstellung vom Utopiegedanken aufgreifen. Die Portfolios der dreizehn ausgewählten Personen waren - offen gestanden -recht beeindruckend, jedes einzelne völlig unterschiedlich positioniert zu den anderen. Die Chance, mit einem derart guten Team zu arbeiten, steigerte meine Erwartungen an den Abschluss des Projekts in Form eines Buchs und einer Ausstellung. 
 
A.R. : Ehrlich gesagt hatte ich gar keine Erwartungen. Die aktuellen sozialen und politischen Ereignisse in der Welt beflügeln derzeit kein utopisches Denken. Wir sind so sehr mit den alltäglichen Katastrophenmeldungen verstrickt, dass wir uns die Zukunft bestenfalls als Dystopie vorstellen. Über Utopien nachzudenken ist ein großes Experiment, und ich hatte keine Phantasie was dabei heraus kommen könnte.

Wie gingen die Teilnehmer/-innen mit dem Thema um?
 
Impression vom Workshop Foto: Erhan Arik V.K. Während der ersten zwei Tage erhielten die Teilnehmenden mittels, sei es von mir, sei es vom Kurator und Autor Rafet Aslan das theoretische Handwerkzeug zum Thema Utopie und Dystopie. Bevor es um die Projekte ging, wurde ausgiebig über den Utopiebegriff von seinen Anfängen bis zu seinen Widerspiegelungen in der Gegenwart und die Besonderheiten während dieses zeitlichen Übergangs gesprochen und diskutiert.
 
Jeder Teilnehmende stellte sein Portfolio und frühere Projekte vor, die von den anderen Teilnehmer/-innen bewertet wurden. Außerdem hielt der renommierte Videokünstler Ali Kazma einen Vortrag über seine Vorgehensweisen bei der Produktion eines Videos. Im Anschluss präsentierten die Teilnehmenden ihre Projekte und sprachen über ihr Verständnis von Utopie, wobei sich herauskristallisierte, wie sich ihre Ideen seit Workshopbeginn verändert hatten. Andreas Rost und ich gaben immer wieder Feedback zu den Portfolios und Projekten und standen so in einem permanenten Ideenaustausch mit den Teilnehmenden.
 
A.R. Die Teilnehmer/-innen gingen sehr phantasievoll mit dem Thema um. Es war eine große Freude, sich gemeinsam mit der Gruppe Utopien aus zu denken. Ich habe die Tage sehr genossen, und die Arbeit an den Utopien hat mir selbst sehr viel positive Energie gegebenen. Besonders mochte ich die Idee, dass Ingwer die Pflanze der Zukunft sein könnte. Eine traditionelle Heilpflanze, gut riechend und scharf im Geschmack bewahrt uns für die Zukunft vor Übelkeit und Erbrechen.
 
V.K. Wir waren ziemlich beeindruckt, und zwar nicht nur von den Portfolios der Teilnehmer/-innen, sondern auch von der Originalität in ihrem Blick auf die Kunst und die Welt. Sie versuchten, eine neue Synthese zu kreieren, indem sie den Begriff Utopie mit ihren eigenen Schaffensmethoden verbanden. Bereits jetzt denke ich, dass am Schluss hervorragende Projekte entstehen werden.

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