Die Stellung der Frau im Bauhaus
Deniz Osmanoğlu

  Deniz Osmanoglu © Ilyas Hayta

Oskar Schlemmer prägte in Dessau den Vers: "Wo Wolle ist, ist auch ein Weib, das webt, und sei es nur zum Zeitvertreib" und traf mit seinem Spott den Kern der Vorurteile, die schon in Weimar dazu geführt hatten, dass die Weberei ab 1920 zur "Frauenklasse" erklärt wurde. Da Handweberei allgemein als Kunstgewerbe eingestuft wurde und in der Hierarchie von Kunst und Handwerk an letzter Stelle stand, erschien es folgerichtig, dass diese Werkstatt als einzige von Frauen (Gunta Stölzl und später Anni Albers) geleitet wurde.
Der zweitgrößte Bereich, in dem Frauen am Bauhaus in Erscheinung traten, war die Fotografie. Nicht beschwert von jahrhundertealten patriarchalen Lasten, bot dieses moderne Medium künstlerisch ambitionierten Frauen ein Experimentierfeld für die Auseinandersetzung mit sich und ihrer Zeit.

Marianne Brandt und Florence Henri setzten sich in ihren fotografischen Werken mit der "Neuen Frau" und den Frauenbildern ihrer Zeit auseinander, und Grete Stern und Ellen Auerbach erprobten als Fotografinnenpaar "Ringl + Pit" eine neue gleichwertige künstlerische Beziehungsordnung. Lucia Moholy kritisierte in ihrem biografischen Fragment "Frau des 20. Jahrhunderts" rückwirkend den "Meisterkult" und die daraus resultierende Minderbewertung von weiblichen Leistungen am Bauhaus, insbesondere der Meisterfrauen.

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