Ein Vortrag von Yılmaz Holtz-Erşahin
Interkulturelle Bibliotheksarbeit in Deutschland

İstanbul Üniversitesi

In Zusammenarbeit mit der
Universität Istanbul, Philosophische Fakultät, Abteilung für Informationsmanagement

Auf Einladung der Goethe-Institute in der Türkei, wird Herr Yılmaz Holtz-Erşahin, Leiter der interkulturellen Bibliotheksarbeit an der Stadtbibliothek Duisburg, am 19.10.16 in Universität Istanbul einen Vortrag halten über die "Geschichte und Gegenwart der interkulturellen Bibliotheksarbeit in Deutschland am Beispiel der Stadtbibliothek Duisburg" einen Vortrag halten.

Türkische Jugendliche in der Zentralbibliothek, 1980er Jahre
Türkische Jugendliche in der Zentralbibliothek, 1980er Jahre | (c) Stadtbibliothek Duisburg
Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes aus dem Jahr 2014 weisen 20,3% aller Menschen in Deutschland einen Migrationshintergrund auf. Laut aktuellen statistischen Daten des Ausländerzentralregisters lebten auch zum Jahresende 2014 insgesamt 8,2 Millionen Personen mit ausschließlich ausländischer Staatsangehörigkeit in Deutschland.

Dieses deutschlandweite Bild spiegelt sich auch in Duisburg wieder. Der Anteil der Migranten an der Gesamtbevölkerung in Duisburg beträgt 29,5 %. Fast jede dritte Person in Duisburg hat einen "Migrationshintergrund". Von den fast 500.000 Duisburgerinnen und Duisburgern haben rund 150.000 Menschen einen Migrationshintergrund. Die größte Bevölkerungsgruppe mit Migrationshintergrund in Duisburg bilden Einwohner aus der Türkei. Auch unter den 89.500 ausländischen Staatsangehörigen in der Stadt stellen sie die größte Gruppe: 36.160 Duisburger hatten zum 1. Januar 2015 einen türkischen Pass.

Dabei entwickelt sich nicht nur eine neue von der Hybridität geprägte Lebensart. Zugleich stellt sich auch das Problem der gesellschaftlichen Integration dieser Bevölkerungsgruppen in das soziale, politische, kulturelle und ökonomische Lebenssystem in Deutschland. Im Hinblick auf die oben genannten statistischen Daten, kommt den öffentlichen Bibliotheken eine wichtige Rolle bei der Integration der Menschen zu.

Der Bücherbus (Ausländerbus)
Der Bücherbus (Ausländerbus) | (c) Stadtbibliothek Duisburg
Bereits im Jahre 1972 reagierte die Stadtbibliothek Duisburg auf den wachsenden Anteil von Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern aus europäischen und außereuropäischen Ländern an der Duisburger Gesamtbevölkerung und begann mit dem Aufbau eines Bestands fremdsprachiger Literatur. Ein von 1974 bis 1977 vom damaligen Bundesministerium für Bildung und Wissenschaft finanziell gefördertes Modellprojekt ermöglichte die Anschaffung eines Bücherbusses, damals auch "Ausländerbus" genannt, der mehrere Tausend Medien in den Sprachen Türkisch, Italienisch, Spanisch, Portugiesisch, Griechisch, Serbokroatisch und Polnisch mit sich führte. Über die reine Ausleihe hinaus war es Ziel, die Kommunikation mit den zugewanderten Menschen in Duisburg zu fördern und ihnen das Angebot der Informationsversorgung in ihren Heimatsprachen nahezubringen. 1974 wurde die Türkische Bibliothek in den Räumen der Zentralbibliothek gegründet und ist inzwischen mit mehr als 12.000 Büchern, Lexika, Noten, Zeitschriften und Tageszeitungen sowie Musik-CDs, Hörbüchern, Videos und DVDs die größte in Deutschland. Sie wird seit 2008 weiterentwickelt als Interkulturelle Bibliothek, die sich sowohl an Kinder als auch an Erwachsene verschiedener Nationalitäten in Duisburg richtet.

Der Vortrag gibt Überblicke zur Geschichte und Gegenwart der interkulturellen Bibliotheksarbeit in Deutschland am Beispiel der Stadtbibliothek Duisburg, die einen wichtigen Beitrag zum UNESCO Public Library Manifest von 1994 und zur IFLA Richtlinien für Bibliotheksdienstleistungen in multikulturellen Kommunen von 1998 leistet.

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Foto © (c) Yılmaz Holtz-Erşahin Foto (c) Yılmaz Holtz-Erşahin
Yılmaz Holtz-Erşahin ist Leiter der interkulturellen Bibliotheksarbeit und Lektor für Geschichte sowie fremdsprachige Literatur bei der Stadtbibliothek Duisburg. Er wurde 1972 in Hınıs bei Erzurum in der Türkei geboren. 1990 begann er sein Studium der Geschichte und Literaturwissenschaften in Erzurum. Ein Jahr später kam er nach Deutschland und studierte Geschichte sowie Kommunikations- und Medienwissenschaften an der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf mit dem Abschluss Magister Artium im Jahr 2000.
Seit 2004 ist Yılmaz Holtz-Erşahin Lehrbeauftragter im Bachelor-Integrationsstudiengang Medien- und Kulturwissenschaft. Aktuell hat er Lehraufträge am Institut für Kultur- und Medienwissenschaften sowie am Universitätssprachenzentrum der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf. Er ist assoziiertes Mitglied in den Forschungsprojekten "Mündliche Überlieferungen", "Fra diaspora e emigrazione", "Musica Occidentale" bei an der Università degli Studi di Napoli l'Orientale und bei der Universität Salerno, Italien - und außerdem Doktorand am Institut für Journalistik an der TU Dortmund mit dem Forschungsschwerpunkt "Medien und Integration in Deutschland". Seit 2012 ist Yılmaz Holtz-Erşahin Mitglied der dbv-Kommission für Interkulturelle Bibliotheksarbeit.
 

Details

İstanbul Üniversitesi

Beyazıt
İstanbul

Sprache: Türkisch
Preis: Eintritt ist frei. Wir bitten um Anmeldung an die untere E-Mail-Adresse bis zum 18.10.2016

kutuphane@istanbul.goethe.org

İstanbul Üniversitesi, Edebiyat Fakültesi, Bilgi ve Belge Yönetimi Bölümü, Giriş katı, Anfi 9, Beyazıt / İstanbul