Vortrag
PROF. DR. İLBER ORTAYLI
DEUTSCH-TÜRKISCHER KULTURDIALOG UND ROBERT ANHEGGER

Goethe-Institut Ankara Atatürk Bulvarı No: 131, Bakanlıklar,
Tel: 0 312 471 41 41


DEUTSCH-TÜRKISCHER KULTURDIALOG UND ROBERT ANHEGGER

Dialog und Verständigung von Kulturen sind für die friedliche Koexistenz von unterschiedlichen, Lebensformen, Weltbildern, Religionen u. dgl. von unschätzbarer Bedeutung. Auf dieser Weise können Vorurteile, Missverständnisse oder Unklarheiten beseitigt und der Nährboden für eine gegenseitige Anerkennung gelegt werden. Dabei geht es aber nicht um Vereinheitlichung oder gar Eliminierung des Widerspruchs und der „verstörenden“ Kraft der Literatur und Kunst.

Vor dem Hintergrund langwieriger und tief reichender deutsch-türkischer Beziehungen ist auch gegenwärtig der interkulturelle Dialog, der Dialog zwischen Deutschland und Türkei zu verstehen und stets zu suchen, zu entwickeln und zu vertiefen. Gibt es nicht lebendige und positive Beispiele für einen derartigen Dialog in der Türkei?

Dr. Robert Anhegger wird in diesem Kontext kaum angeführt, obwohl er in der Türkei wie kein anderer vor und nach ihm den interkulturellen Dialog vorlebte und als eine Lebensform begriff. 1940 zog er endgültig nach Istanbul. Im Jahr 1958 heiratete er Mualla Eyüboglu, die Schwester von Bedri Rahmi und Sabahattin Eyüboğlu. Er war ein „Haymatloser“, der 1943 von den Nazis ausgebürgert wurde. Er arbeite am Deutschen Archäologischen Institut. Seine Dissertation über den osmanischen Bergbau gilt heute noch als Standardwerk. Er internalisierte beide Kulturen in ihrer Eigenständigkeit und war aus tiefster Überzeugung ein Mensch zweier Kulturen. Für die deutsch-türkische Kulturarbeit und Kulturvermittlung war er über zwanzig Jahre tätig. Er war Mitbegründer des Deutschlehrervereins. Er baute mit türkischen Kulturschaffenden und Intellektuellen das türkisch-deutsche Kulturinstitut auf. Ab 1961 wurde er Leiter des neu gegründeten Goethe-Instituts Istanbul. Er kannte das türkische Milieu, die intellektuelle Szene in der Türkei sehr gut und hatte eine besondere Beziehung zur türkischen Sprache, Literatur, Geschichte und Kunst. Beispielsweise solle er für den Zweck der Erweiterung seiner Türkischkenntnisse ein Wörterbuch auswendig gelernt und Kaffees besucht haben. Mit wichtigen türkischen Intellektuellen und Künstlern seiner Zeit war er sehr gut befreundet.

Der international renommierte Prof. Dr. İlber Ortaylı ist einer der wenigen Zeitzeugen, der sowohl die deutsch-türkischen Beziehungen als auch Robert Anhegger, vor allem seine Ehefrau sehr gut kannte. In seinem Vortrag wird er am Beispiel Robert Anhegger auf die Relevanz und Bedeutung des deutsch-türkischen Dialogs in historischer Absicht eingehen und zeigen, wie eine verdienstvolle und erfolgreiche deutsch-türkische Kulturarbeit und Kulturvermittlung aussehen kann und wie die friedliche Koexistenz von Kulturen praktisch realisiert werden kann.

Prof. Dr. İlber Ortaylı ist 1947 in Bregenz (Österreich) geboren und nach der Auswanderung in die Türkei im Alter von 2 Jahren besuchte er in Istanbul die österreichische Schule. Nach Studien u. a. der Geschichte, Slavistik und Orientalistik in Ankara, Wien und Chicago unterrichtete er an mehreren Universitäten in der Türkei, Westeuropa und Russland. Seine Arbeiten untersuchen zahlreiche Aspekte der osmanischen Geschichte, beispielsweise auch deutsch-osmanische Beziehungen.

Anmeldung unter: Ahmet.terkivatan@goethe.de

Details

Goethe-Institut Ankara Atatürk Bulvarı No: 131, Bakanlıklar,
Tel: 0 312 471 41 41

Sprache: Deutsch/Türkisch
Preis: Eintritt frei

Ahmet.terkivatan@goethe.de