Kurzfilme & Gespräch
NEUE STIMMEN

NEUE STIMMEN
© / Design: Barek

Goethe-Institut Ankara, Atatürk Bulvarı 131, Bakanlıklar Kızılay

Mit Beginn der 1980er Jahre entstanden in Deutschland Filme von jungen Filmemacher*innen der zweiten Einwanderergeneration aus der Türkei, die schon bald zur Herausbildung der Genrebezeichnung des deutsch-türkischen Films führten. Mit der Film- und Gesprächsreihe “GEWOHNT & NEU -  Perspektiven der deutsch-türkischen Filmkultur” möchten wir einen Blick auf das filmische Schaffen werfen, das in der breiteren Wahrnehmung der Öffentlichkeit unter diesem Begriff zusammengefasst wird. Aufgezeigt werden sowohl verschiedene Entwicklungen und Tendenzen als auch die inhaltliche und formelle Vielfalt dieser filmischen Ansätze. Dabei soll es insbesondere auch um die Frage gehen, ob so etwas wie ein spezifisch “Deutsch-Türkisches Kino” heute noch existiert und wenn ja, wer seine Vertreter*innen sind.

Mit “NEUE STIMMEN” schließen wir die Reihe ab, indem wir einen Blick auf aktuelle Produktionen werfen: Nach einer Auswahl von sechs Kurzfilmen von türkeistämmigen Absolventinnen und Absolventen der Kunsthochschule für Medien Köln wird in einer Gesprächsrunde eine der zentralen Fragen der Reihe aufgegriffen: gibt es ein aktuelles deutsch-türkisches Kino? Gäste sind Bilal Bahadır, Ruhat Yıldız, Şirin Şimşek, Mehmet Akif Büyükatalay, Deren Ercenk und Semih Korhan Güner; die Moderation übernimmt der Film- und Kulturjournalist Amin Farzanefar.

Mein Freund der Deutsche
Regie: Bilal Bahadır
Deutschland, 2016, 11‘
1963 in einem Hotelzimmer in Deutschland. Gastarbeiter Mahmut Güzel erwartet seine Ausweisung zurück in die Türkei. Doch der deutsche Herr Thilo Schmidt und sein türkischer Dolmetscher Kani Kipcak sind gekommen, um ihm mitzuteilen, dass er in Deutschland bleiben muss, weil er gebraucht wird. Mahmut jedoch lässt nichts unversucht, um das Land zu verlassen.

Annunciation
Regie: Ruhat Yıldız
Deutschland, 2016, 22‘
Ceren (33) fühlt sich bereit für ein Kind. Nach einem feuchtfröhlichen Abend mit ihrem Ehemann, Ali (34), glaubt sie den richtigen Moment gefunden zu haben, das Thema anzusprechen. Doch Ali reagiert abweisend. Mehr noch – er offenbart Ceren ein Geheimnis aus seiner Vergangenheit. Danach verändert sich alles für Ceren und am Ende muss sie eine Entscheidung treffen. 

Hüzün
Regie: Şirin Şimşek
Deutschland, 2017, 12‘
Hüzün ist ein türkisches Wort, das eine Emotion ausdrückt, für die es in der deutschen Sprache keinen Ausdruck gibt. Es lässt sich am ehesten mit Sehnsucht und Melancholie umschreiben. Das Gefühl “Hüzün”, welches die Künstlerin empfindet, bezieht sich auf die Heimat ihrer Eltern, die nicht ihre eigene ist und von der sie sich immer mehr entfernt fühlt. Die Aufnahmen für den Film sind 2016/2017 in dem Ort Side entstanden. Überbleibsel einer antiken Stadt treffen in Form von Ruinen auf eine Hotellandschaft, deren Architektur einen suggerierten Orientalismus heraufbeschwört.

Der Metzger
Regie: Mehmet Akif Büyükatalay
Deutschland, 2014, 8‘
Der Filmstudent Harun gerät in die Hände eines Friseurs, der ihm ordentlich den Kopf wäscht: von Fatih Akın bis zur Tagespolitik.

Berzah
Regie: Deren Ercenk
Deutschland, 2019, 26‘
Ein Stromausfall in einem All-inclusive-Hotel; ein Wiedersehen am Rande einer Steppe; und ein an Sisyphos anmutender Kraftakt in den Strassen von Izmir. In drei Kurzgeschichten erzählt der Film von Zuständen der inneren wie äußeren Überhitzung, Scham und der Mühsal im Alltag einer tief gespaltenen Gesellschaft an der Türkischen Ägäis.

Vor der Leinwand
Regie: Semih Korhan Güner
Deutschland, 2021, 25‘
Er sieht was, was Du nicht siehst, und das bist Du. In den Kinosälen hängen Überwachungskameras und vorm Kino liegen schlafende Obdachlose. Jannik ist Filmvorführer, sitzt während seiner Schicht hinterm Bildschirm und beobachtet die wenigen Kinobesucher. Dabei wäre er doch eigentlich lieber selbst auf der Leinwand zu sehen. Häufig verschwimmt in seinem Umgang mit Menschen die Grenze zwischen Spiel und Realität. Und er wird die Obdachlosen einfach nicht los.


Amin Farzanefar arbeitet als freier Film- und Kulturjournalist. Er ist 1965 in Köln geboren und studierte Germanistik und Islamwissenschaft. Seit 2000 kuratiert er Filmreihen und Festivals wie zum Beispiel "Tüpisch Türkisch" (seit 2006), das iranische Filmfestival "Visions of Iran" (seit 2014) und das Refugee's Cinema Project "Cinema, Cinema!" (seit 2018). Als freier Journalist arbeitet er für verschiedene überregionale Medien.

 

Details

Goethe-Institut Ankara, Atatürk Bulvarı 131, Bakanlıklar Kızılay



Sprache: Deutsch und Türkisch
Preis: Eintritt frei

Eintritt zur Veranstaltung ist mit einem HES Code möglich.

Linda.Roedel@goethe.de