PASCH und Fazıl Say

Interview

Pasch und Fazıl Say

Schüler: Glauben Sie, dass es eine Verbindung zwischen einem Klavier und Sprache gibt?

Fazıl Say: Ja, ich glaube Musik ist selbst eine Sprache, eine universale Sprache. Wenn ich Konzerte gebe – von Japan über Brasilien, von Amerika bis hin zur Türkei – spreche ich nicht mündlich, aber ich spreche mit Musik und das ist eine Sprache, genau.

Schülerin: Haben Sie ein Vorbild?

Fazıl Say: Ich habe viele Vorbilder. Ich habe Vorbilder, die sind Komponisten oder Interpreten. Möchtest du Namen wissen?

Schülerin: Wie?

Fazıl Say: Möchtest du die Namen von den Vorbildern wissen? Fragst du nach den bestimmten Namen oder nur nach einer generellen Antwort?

Zarife Soyluçiçek: Sie können uns gerne Namen geben.

Fazıl Say: Zum Beispiel Strawinsky, der Komponist...

Schülerin: Welche Dichter finden Sie interessant?

Fazıl Say: Ich mag Dichtung und viele Dichter sind für mich interessant, vor allem in unserer Muttersprache auf Türkisch sind es Nazım Hikmet bis Can Yücel oder Metin Altıok.

Schülerin: Haben Sie Schwierigkeiten bei den Liedern, die Sie selbst komponiert haben? Auf was achten Sie beim Komponieren von Liedern?

Fazıl Say: Ich komponiere viele Lieder. Auf Türkisch, auf Englisch, auch auf Deutsch habe ich komponiert. Sehr wichtig ist die Beziehung zu dem, was das Gedicht erzählt. Wir komponieren ja Gedichte als Komponisten. Sehr wichtig ist die Atmosphäre und wie man ein Lied versteht.

Schülerin: Mit Ihrer Musik komponieren Sie auch Gefühle. Haben Sie ein System oder ist das etwas, was Sie in sich spüren?

Fazıl Say: Musik ist natürlich ein Gefühl und das kann man nicht üben. Aber man muss immer wieder wollen. Man muss den Menschen etwas erzählen und das ist nur mit Gefühl möglich.

Schülerin: Ich habe im Interview, das Sie im Jahre 2011 mit Yiğit Elvis İlgü gemacht haben, erfahren, dass Sie durch einen Zufall durch das Abdecken der Klaviersaiten mit den Händen eine neue Technik entwickelt haben. Diese Klemmwirkung soll die gleichen Klänge hervorbringen wie Lautinstrumente? Haben Sie noch andere solcher Techniken, die Sie selbst erfunden haben?

Fazıl Say: Ja, ich habe diese Technik für mein Stück “Black Earth”, also “Kara Toprak”, entwickelt. Ich spiele mit meinen Händen in den Klaviersaiten. Es ergibt einen Klang wie ethnische Instrumente.

Schülerin: Sie wurden im Jahr 2008 von der Europäischen Union als Kulturbotschafter gewählt. Was haben Sie während dieser Zeit als Botschafter gemacht?

Fazıl Say: Kulturbotschafter ist ein Titel, da muss man nicht extra Sachen machen. Ich gebe ja sowieso Konzerte und komponiere Musik zwischen der Türkei und Europa, also Ost und West. Ich spiele in der Türkei westliche Musik und in Europa spiele ich aus der Türkei sehr viel Musik. Das ist ja in sich eine Brückenbotschaft.

Schüler: Ihr Schüler Cem Adrian macht populäre Musik. Was denken Sie darüber?

Fazıl Say: Er ist sehr begabt. Ich habe ihn 2004 entdeckt, er war nur 22 Jahre alt. Sehr interessante Stimme und viele Oktaven hat er... Aber jetzt macht er eine Alternativsorte von Musik mit seiner Band. Ich finde das sehr interessant…

Schülerin: Wenn Sie ein Lied für die Menschheit komponieren würden, was für ein Thema würde es beinhalten?

Fazıl Say: Für Menschen habe ich schon komponiert. Von einem alten, türkischen Dichter. Ein Stück heisst “Insan, Insan”, “Oh Mensch, oh Mensch”, so ähnlich wie Nietzsche geschrieben hat. Aber dieses Gedicht, das ich komponiert habe, ist vom 15. Jahrhundert, von einem alevitischen Dichter namens Muhyiddin Abdal. Dieses Stück könnte vielleicht eine Antwort auf deine Frage sein.

Schüler: Wenn ich Ihr Schüler wäre, was würden Sie mir für die Zukunft empfehlen?

Fazıl Say: Konzentriert arbeiten, in einer disziplinierten Fassung bleiben ...  man sollte sich immer fragen: In welcher Zeit, in welchem Raum lebe ich? Und warum, wofür? Das muss man sich immer wieder fragen und auch: Was ist die Kommunikation zwischen mir und meinen Mitmenschen? Das ist sehr wichtig.