Wege an die Hochschulen Deutschlands

Interview mit Sarah Schackert-Feld

Sarah Schackert-Feld promoviert am Lehrstuhl für interkulturelle Erziehung an der Philipps Universität in Marburg. Seit 2013 ist sie Leiterin des DAAD Informationszentrums in Ankara und zugleich als Lektorin an der Ankara Universität tätig.

Sarah Schackert-Feld © Sarah Schackert-Feld Sehr geehrte Frau Schackert-Feld, Sie sind nun rund drei Jahre beim DAAD in der Türkei tätig. Wie sehen die Strukturen aus und was umfasst die Arbeit der Organisation hierzulande?
 
In der Türkei ist der DAAD mit zwei Informationszentren in Istanbul und Ankara sowie 18 DAAD-LektorInnen und 12 SprachassistentInnen präsent. Die Hauptaufgabe der ICs liegt in der Beratungsarbeit zum Studien- und Forschungsstandort Deutschland. Wir führen Informationsveranstaltungen an Hochschulen, an Schulen, aber auch an zentralen Orten wie zum Beispiel dem Goethe-Institut durch und nehmen an Bildungsmessen teil. Darüber hinaus bieten wir auch individuelle Beratung in den Büros an. Wir informieren natürlich auch über die Fördermöglichkeiten des DAAD und anderer deutscher Mittlerorganisationen und pflegen Kontakt zu unseren Alumni und anderen MultiplikatorInnen der türkischen Bildungs- und Forschungslandschaft. Zudem fungieren wir als Schnittstelle zwischen deutschen und türkischen Hochschulen – also helfen bei der Anbahnung von Kooperationen. Das tun wir hier in der Türkei, wie gesagt, mit zwei Informationszentren. Unterstützt werden wir dabei von den DAAD-LektorInnen und SprachassistentInnen, die an verschiedenen Hochschulen in der Türkei arbeiten.
 
Welche Studien- und Forschungsprogramme bietet der DAAD in der Türkei an und wie sehen die Förderungsmöglichkeiten genau aus?
 
In der Türkei haben wir im Bereich der Individualförderung ein großes Stipendienportfolio, das von achtwöchigen Intensivsprachkursstipendien, Hochschulsommerkursstipendien über Stipendien für einen Masterstudiengang oder eine Promotion in Deutschland bis zu Förderung von Forschungsaufenthalten in Deutschland reicht. Wir haben darunter auch sehr spezielle Programme – beispielsweise Studienstipendien für Graduierte aus den Fachbereichen Musik, Bildende Kunst, Architektur etc.. Zudem bietet der DAAD in Kooperation mit der türkischen Erziehungsstiftung ein Stipendium für ein Masterstudium an.
 
Speziell für AbiturientInnen haben wir kein Programm, auf das man sich initiativ bewerben kann. Es gibt zwar ein DAAD-Vollstipendium für ein Bachelor-Studium in Deutschland, aber dieses richtet sich zum einen an nicht-deutsche AbsolventInnen deutscher Auslandschulen und International Baccalaureate-Schulen, die ein Studium in Deutschland planen. Auf diese kann man sich aber nicht einfach bewerben, stattdessen werden die besten Absolventinnen und Absolventen von der jeweiligen Schulleiterin bzw. vom jeweiligen Schulleiter für das Programm nominiert. Zum anderen richtet sich das Vollstipendium aber auch an DSD- und Fit-Schulen. Hier dürfen die Schulleiter und Schulleiterinnen auch die Besten vorschlagen - die Nominierung nehmen dann aber die FachberaterInnen sowie die zuständige PASCH-Managerin vor. Aus diesen Nominierungen wählt der DAAD dann schließlich die finalen Kandidaten aus. Interessierten empfehle ich unsere Webseite, auf der sie eine Übersicht über unsere Stipendienprogramme finden. Gerne helfen meine Kollegin und mein Kollege im IC und ich bei Fragen weiter.
 
Und wie viele Personen werden im Jahr vom DAAD gefördert?
 
2015 wurden in der Individualförderung 345 TürkInnen gefördert. Das sind unter anderem dann StipendiatInnen unserer Sprach-, Studien- und Forschungsstipendienprogramme. Und in der Projektförderung 507 Personen. Darunter fallen unter anderem geförderte Hochschulkooperationen im Rahmen unseres Hochschuldialogprogramms, der GIPs (Germanistischer Institutspartnerschaften) usw..
 
Wie bereiten sich Abiturienten und Abiturientinnen sowie Studierende aus der Türkei denn am besten auf ein Studium in Deutschland vor? – und wie früh sollte mit der Planung begonnen werden?
 
So früh wie möglich, aber in der Regel sind vier bis fünf Monate ausreichend. Man sollte sich aber schon frühzeitig darüber Gedanken machen und Fragen klären wie zum Beispiel: „Wo möchte ich studieren? Welches Studienfach möchte ich belegen und welche Hochschulen in Deutschland bieten den Studiengang überhaupt an?“ Eventuell sollte auch noch die Differenzierung zwischen Universität und Fachhochschule in die Überlegungen mit einfließen. Also möchte ich eher praxisorientiert studieren oder ein klassisches Studium an einer Universität absolvieren? Was sind die Voraussetzungen, die die Universität oder die Fachhochschule setzen? Welche Sprachkenntnisse benötige ich? Wann ist der Bewerbungsschluss und was muss ich überhaupt einreichen? Das sind die ersten Schritte – die Vorarbeit, die man erst einmal leisten muss. Dazu kommen dann noch die bürokratischen Hürden, die jetzt nichts direkt mit der Hochschule zu tun haben, wie zum Beispiel die Bewerbung für ein Visum und die Klärung finanzieller Fragen. Wenn man die Zusage bereits hat und auch die Visaangelegenheiten geklärt sind, dann wartet natürlich noch die Suche nach einem Wohnheimplatz oder nach einer WG. Aber da findet man auch auf unserer Webseite viele Links, die einem weiterhelfen können. 
 
Und welche Erfahrungen haben Sie bisher mit dem DAAD-Programm hier in der Türkei gemacht?
 
Hier in der Türkei gibt es wirklich sehr großes Interesse an einem Studien- oder Forschungsaufenthalt in Deutschland. Wir sehen das auch immer wieder bei unseren Veranstaltungen. Unsere Veranstaltungen sind in der Regel vollbesetzt und in den letzten Monaten konnten wir die stark angestiegene Nachfrage teilweise nicht bedienen. Unter anderem deshalb bieten wir ab 2017 Webinare zum Thema Studieren und Forschen in Deutschland und anderen auf Deutschland bezogenen Themen an. Interessierte können aus der ganzen Türkei daran teilnehmen und im Anschluss an die Informationspräsentation selbst Fragen stellen. Dafür müssen sie noch nicht einmal zu Hause vor ihrem Computer sitzen, sondern können der Veranstaltung auch über das Handy oder über ein Tablet folgen. Weitere Informationen zu unserem Webinar-Angebot finden Sie auf unserer Facebook-Seite oder unter http://www.daad-turkiye.org/tr/29462/index.html.

Neben dem Programm für türkische Studierende bietet der DAAD in der Türkei auch ein spezielles Programm für Syrer an – wie genau sieht das aus?
 
In der Türkei werden zurzeit zwei Programme für Syrer vom DAAD angeboten: Zum einen handelt es sich dabei um das HOPES-Programm [Anmerk. d. Red.: Higher and Further Education Opportunities and Perspectives for Syrians]. Das wird gefördert durch den Madad-Fund der Europäischen Union. Ziel dieses Programmes ist es, jungen syrischen Geflüchteten in der Türkei, im Irak, im Libanon sowie in Jordanien und Ägypten einen besseren Zugang zu Hochschulbildung zu ermöglichen. Das Programm beinhaltet verschiedene Arbeitsbereiche, die unter den Konsortialpartnern, DAAD, British Council, EP-Nuffic und Campus France aufgeteilt wurden. Der DAAD ist für die Stipendienberatung und -vergabe zuständig. Wir arbeiten dafür eng mit UNHCR sowie in der Türkei mit YTB – dem Präsidium für Auslandstürken in der Türkei – zusammen. Außerdem bietet der DAAD noch ein Programm an der Türkisch-Deutschen Universität in Beykoz, Istanbul an. Dort erhielten zum Wintersemester 2016/2017 25 syrische Studierende ein Stipendium.