Ausstellung & Film Gelecek ve „Yüz“leşme (face & future)

Türkische Gesichter und Geschichten über die Zukunft der Türkei und Europas.
20 Fotografien von Jim Rakete, 1 Film von Jim Rakete und Moritz Rinke

Die Ausstellung „Gelecek ve „Yüz“leşme (face&future)“ fand zwischen 08. - 23. Juli in der Galerie Co-Pilot statt. Gezeigt wurden Porträtfotografien und ein Film der Tarabya-Stipendiaten Jim Rakete und Moritz Rinke.

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Seit dem offiziellen Beginn der EU-Beitrittsverhandlungen im Jahre 2005 feilschen die Türkei und die EU an einem Beitrittsplan für das Land – bislang ohne sichtbaren Erfolg. Immer wieder mahnt die EU weitere Schritte der Demokratisierung an, während die Türkei sich in dem Prozess häufig vor den Kopf gestoßen fühlt. Der internationale mediale Diskurs dreht sich zumeist um die kulturellen und politischen Hindernisse, die einem Beitritt im Wege stehen. Doch Stereotype und Vorurteile versperren häufig den Blick auf die realen Dynamiken und Transformationsprozesse in der Türkei. Die immer stärker werdende Zivilgesellschaft, bestehend vor allem aus der jüngeren Generation der Türkei, wird wenig berücksichtigt.

Diese Protagonisten der neuen Zivilgesellschaft, ihre Hoffnungen, Träume und Pläne haben der Schriftsteller Moritz Rinke und der Fotograf Jim Rakete auf Fotopapier und Film gebannt. Mit Kamera und Leica haben sie junge Leute aus Istanbul befragt: über ihre Stadt, ihr Leben, ihre Familien, ihre Hoffnungen und ihr Verhältnis zu Europa. Diese Sammlung von Gesichtern und Stimmen zeigt die Momentaufnahme einer Generation - die Konflikte der jungen Menschen auf der einen und ihren ungewöhnlichen Zusammenhalt auf der anderen Seite. Der Film und die Fotografien vermitteln zudem ein vielschichtiges, leidenschaftliches Bild dieser Stadt: eine Liebesklärung an Istanbul.

Das Projekt „Gelecek ve „Yüz“leşme (face&future)“ wurde von Jim Rakete und Moritz Rinke im Rahmen ihres Stipendiums an der Kulturakademie Tarabya verwirklicht. Auf dem Gelände der historischen Sommerresidenz der Deutschen Botschaft in Tarabya können Künstler aus Deutschland für drei bis zehn Monate Istanbul erleben und sich durch Land, Leute und Kultur in der Türkei inspirieren lassen.Die Leitung der Kulturakademie obliegt der Deutschen Botschaft, die kuratorische Verantwortung liegt beim Goethe-Institut Istanbul. Dazu gehören die Beratung der Stipendiaten, die Unterstützung beim Aufbau von Kontakten zu Künstlern aus der Türkei und zur lokalen Kunstszene sowie die Unterstützung bei der Organisation von Ausstellungen, Konzerten oder Lesungen.

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Jim Rakete
Jim Rakete, 1951 in Berlin geboren, fotografierte bereits während der Schulzeit für Tageszeitungen, Magazine und Agenturen. Bekannt wurde Rakete durch seine meist in Schwarz-Weiß gehaltenen Porträtfotografien von Prominenten. Schwerpunkt war zunächst die Musikszene, später widmet er sich verstärkt der Porträtfotografie in den Bereichen Film, Theater und Politik.
Von 1977 bis 1986 leitete er das Kreativlabor „Fabrik“. Dort entstanden Plattencover für zahlreiche Bands. Parallel managte er Musiker wie die Nina Hagen Band, Spliff, Nena und Die Ärzte.
In den 1990er Jahren pendelte Rakete zwischen Hamburg und Los Angeles, drehte als Director of Photography Musikvideos und Werbespots, bevor er 2001 nach Berlin zurückkehrte. Wiederholt engagierte er sich mit seiner Arbeit für humanitäre Hilfsprojekte, so etwa für den fairen Handel mit Entwicklungsländern oder für Berliner Straßenkinder und Jugendliche in Not.
Die Größen der deutschen und internationalen Musik- und Filmbranche begleitet Jim Rakete fotografisch oft über viele Jahre. 2007 erschien der Bildband 1/8 sec. Vertraute Fremde, eine Hommage an die Fotografie mit der Plattenkamera. Von 2009 bis 2011 fotografierte er den Stand der Dinge.

Moritz Rinke
Moritz Rinke wurde 1967 in Worpswede geboren. Einige seiner preisgekrönten Geschichten und Essays erschienen unter dem Titel „Der Blauwal im Kirschgarten" und in „Das große Stolpern“. Sein Stück „Der Mann, der noch keiner Frau Blöße entdeckte" wurde 1997 mit dem Literaturpreis des PEN-Club ausgezeichnet und für den Mülheimer Dramatikerpreis nominiert, ebenso wie „Republik Vineta", das zum besten deutschsprachigen Stück 2001 gewählt und 2008 für das Kino verfilmt wurde. Im Sommer 2002 fand in Worms die Uraufführung von „Die Nibelungen" statt.
Rinkes erste Arbeit für den Film „September", in dem er auch als Schauspieler debütierte, wurde 2003 zu den Internationalen Filmfestspielen nach Cannes eingeladen. 2010 erschien sein erster Roman „Der Mann, der durch das Jahrhundert fiel“, der auf Anhieb ein Bestseller wurde. Sein neuestes Stück „Wir lieben und wissen nichts“ wurde am Schauspiel Frankfurt uraufgeführt und bereits zehnmal in dieser Spielzeit gespielt. ZDF/ARTE drehten einen Film mit und über Moritz Rinke.

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