versch. Veranstaltungen 1914/2014 – Schlachtfeld Erinnerung (1)

Eine Initiative der Goethe-Institute in Südosteuropa

Fast ein Jahr recherchierte einer der bedeutendsten Vertreter des zeitgenössischen Dokumentartheaters, der Regisseur Hans-Werner Kroesinger zusammen mit der Regisseurin und Filmemacherin Regine Dura, im Auftrag der Goethe Institute in Belgrad, Istanbul und Sarajevo zum Thema „Erster Weltkrieg“. Während ihres Aufenthaltes in Istanbul als Stipendiaten der Kulturakademie Tarabya begeben sich beide Künstler gemeinsam mit lokalen Partner auf eine Orts- und Geschichtserkundung zum Thema und stellen Bezüge zur heutigen Situation in der Türkei her.

Aus diesem Rechercheprozess formen sich anhand zweier Workshops zwei Formen von Ergebnissen: zum einen eine Ausstellung „Open Spaces“, zum anderen dokumentarische Theaterinszenierungen.

1914/2014 - Schlachtfeld Erinnerung (2)

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Theaterworkshop zu „Schlachtfeld Erinnerung“
22. - 23.03.2014, von 10.00 bis 17.00 Uhr
Cezayir Restaurant, Kulturzentrum
Firuzağa Mah., Hayriye Cad., No: 16, Beyoğlu

Anmeldung bis 18. März 2014 unter:
cigdem.ikiisik@istanbul.goethe.org

Der erste Workshop, der Theaterworkshop zu „Schlachtfeld Erinnerung“, beschäftigt sich mit der Frage nach dem dokumentarischen Theater. Im dokumentarischen Theater beschäftigt man sich mit realen Ereignissen und den Spuren, die sie hinterlassen haben. Diese Spuren können Zeitungsartikel, Interviews, Tagebucheintragungen, Predigten, Einsatzbefehle des Militärs und Protokolle von Treffen von Politikern sein, aber auch Fotos oder Filme, die das Ereignis dokumentieren. Meistens sind es also Texte und Bilder. Montiert man diese, entsteht eine Aufführung, die das Ereignis kommentiert. In dem Workshop werden sich die Studenten mit verschiedenen dokumentarischen Materialien beschäftigen und den Versuch unternehmen, einige Spuren des 1.Weltkrieges zu beschreiben.

Hans-Werner Kroesinger wird einige seiner Arbeiten vorstellen und mit den Teilnehmern an dokumentarischen Techniken arbeiten. Jeder der Teilnehmer ist aufgefordert, eigenes Material wie einen Text oder ein Foto mitzubringen. Wichtig dabei ist, dass dieses Material für ihn mit dem 1.Weltkrieg zu tun hat und Teil seiner Auseinandersetzung mit dem großen Krieg ist.

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Filmworkshop zu „Schlachtfeld Erinnerung“
22. - 23.03.2014, von 10.00 bis 17.00 Uhr
Goethe-Institut Istanbul
Yeniçarşı Cad. No: 32, Beyoğlu

Anmeldung bis 18. März 2014 unter:
cigdem.ikiisik@istanbul.goethe.org

Der zweite Workshop, der Filmworkshop zu „Narrating war / Den Krieg erzählen (Bilder und Erzählungen vom Ersten Weltkrieg)" behandelt den Ersten Weltkrieg als ersten Medienkrieg der Geschichte. Fotografien speichern Momente der Geschichte - doch welche Momente werden der Nachwelt überliefert? Im Workshop arbeiten die Teilnehmer mit Kriegsfotografien aus dem Ersten Weltkrieg - wessen Geschichte wird erzählt, wer ist der Adressat dieser Bilder? Die Studierenden bringen Versatzstücke mit, die für sie den Ersten Weltkrieg "erzählen" - Bilder, Objekte, persönliche Fotografien aus Familienalben. Gibt es eine kollektive Erinnerung/Erzählung des Ersten Weltkrieges und wie sieht sie aus? Während des Workshops stellen die Studierenden Recherchefilme mit ihren Handys her. Wir befragen Freunde, Verwandte, Passanten auf der Strasse nach ihrer "Erinnerung" an den Ersten Weltkrieg, die ihnen überlieferten Erzählungen. Die Teilnehmer des Workshops werden zusammen mit Regine Dura herausfinden, wie Überschreibungen funktionieren und wie der Krieg für nachfolgende Generationen erzählt wird.

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Ausstellung „Open Space“
DEPO / Tütün Deposu Istanbul
Lüleci Hendek Cad., No: 12, Tophane
Eröffnung: 09.04.2014 um 19.30 Uhr
Ausstellungsdauer: 09.- 18.04.2014

Der Rechercheprozess von Werner Kroesinger und Regine zum Thema Erster Weltkrieg wird hier sichtbar gemacht. Die Materialien der beiden Workshops, die mitgebrachten Fotos und die mit der Handykamera gefilmten Erzählungen gehen in die Ausstellung „Open Space“ ein, die vom 09. bis zum 18. April im Tütün Depo zu sehen sein wird. Hier erhält der Besucher selbst die Möglichkeit, verschiedene Perspektiven auf Geschichte zu entdecken und zu hinterfragen. Die mit den Studenten erarbeiteten Materialien werden in die Ausstellung „Open Space“ integriert. In Seminaren und Workshops setzen sie sich ausgehend von ihren Interessen mit verschiedenen Aspekten der Geschichte des Ersten Weltkriegs auseinander, decken unerzählte Geschichten auf und finden mit professioneller Unterstützung geeignete Darstellungsformen. Auf diese Weise entsteht ein multiperspektivischer Ausstellungs- und Rechercheraum, der wiederum als Ausgangspunkt für spätere mögliche Diskussionen und Workshops dient.

Siehe Extraseite für die Ausstellung „Open Spaces“.

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Dokumentartheater „Verdrängtes und Vergessenes“
Aufführungen: vom 13. - 15. April 2014
Soldatenfriedhof, Historische Sommerrezidenz der deutschen Botschaft Tarabya
Yeniköy Cad., No: 88, Tarabya

Nur mit Anmeldung bis 05.04.2014 unter:
cigdem.ikiisik@istanbul.goethe.org

Die in den Workshops entstandenen Materialien werden zudem für eine dokumentarische Theaterinszenierung verwendet. Die dokumentarischen Theaterinszenierungen legen die nationale Geschichtsperspektiven offen und schlagen den Bogen von 1914 zu 2014. Ein Blick zurück nach vorn, der den interkulturellen Dialog vor dem Hintergrund der gemeinsamen Geschichte anregt, Stereotype hinterfragt und Vorurteile abbaut.

Den Ausgangspunkt bietet der Soldatenfriedhof auf dem Gelände der historischen Sommerresidenz des deutschen Botschafters Tarabya in Istanbul, auf dem deutsche Soldaten aus dem Ersten Weltkrieg begraben sind. In Gesprächen, Interviews und Ortserkundungen werden verschiedene Sichtweisen zusammengetragen. Ausgehend von diesem Material wird eine Performance entwickelt, die die verschiedenen Perspektiven und Beschreibungen aufgreift. Es entstehen Erzählungen, die sich gegenseitig beeinflussen, ergänzen, widersprechen oder sogar miteinander konkurrieren. Deutungshoheiten lösen sich auf, der Zuschauer wird mit unterschiedlichen nationalen Narrativen konfrontiert.

Siehe Extraseite für das Dokumentartheater „Verdrängtes und Vergessenes“.

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Regine Dura, Regisseurin, Autorin, studiert Politologie, Theater-, Film- und Medienwissenschaft, Germanistik, Kunstpädagogik (M.A.) in Marburg und Frankfurt/M. und Video an der Hochschule der Künste, Berlin. Entscheidet sich 1996 für den Filmbereich und arbeitet u. a. für die European Film Academy und Wim Wenders Produktion in Berlin, Tall Stories und Darlow Smithson Film in London im Dokumentar- und Spielfilmbereich und als Filmkuratorin und Jurymitglied. In den 90ern dreht sie als Autorin und Regisseurin u. a. Arias for Phonograph and Singers für die Komponistin Caroline Wilkins und Routes to the Roots über das Geschäft mit der Auswanderung. Ihre Auseinandersetzung mit den Transformationsprozessen in Südafrika lässt sie auf eine unbekannte Geschichte stoßen, aus der 2012 ihr Dokumentarfilm White Blood/Weißes Blut (ZDF/Arte) über ein rassistisches deutsch-südafrikanisches Adoptionsunternehmen entsteht. Die Geschichte stößt auf großes Interesse, so dass sie 2013 für den WDR ein DOK Radiofeature Weißes Blut schreibt. Das alles wird in verschiedenen Lebensphasen unterstützt durch Stipendien der Deutsch-Kanadischen Gesellschaft, der Filmförderungsanstalt FFA, des MEDIA-Programms der Europäischen Union und der DEFA-Stiftung, mit deren Unterstützung sie Projekte weiterentwickelt und Auslandserfahrung in Kanada, den USA, Großbritannien und Südafrika sammelt. Seit 2000 arbeitet sie im Dokumentartheater mit Hans-Werner Kroesinger zusammen.

Hans-Werner Kroesinger, Regisseur und Autor, geboren in Bonn, studiert in Gießen Angewandte Theaterwissenschaft, arbeitet als Regieassistent und Dramaturg für Robert Wilson, ist künstlerischer Mitarbeiter von Heiner Müller bei dessen Hamlet/ Maschine in Ost-Berlin 1989/90, beginnt zu verstehen, dass das Ende der DDR auch das Ende der alten Bundesrepublik – in der er aufwuchs – ist, macht eine Pause vom Theater und kann glücklicherweise 1991/92 durch ein Stipendium der Akademie Schloß Solitude noch einmal darüber nachdenken, was es mit der Theaterkunst so auf sich hat, denkt weiter mit einem Stipendium des LCB Berlin 1993 und beginnt 1994 Dokumentartheater zu machen, indem er Dokumente einer theatralen Situation aussetzt, die Mittel des Theaters als Analyseinstrument benutzt, nimmt 1997 an der documenta X teil, gewinnt 2006 den „Brüder Grimm“-Preis des Landes Berlin für sein Stück Kindertransporte, nimmt an den Festivals „Politik im Freien Theater“ und „Impulse“ teil, hat 2012 eine Gastprofessur im Studiengang Szenische Forschung der Ruhr Universität Bochum, unterrichtet im In- und Ausland, produziert eigene Stücke an Stadt- und Staatstheatern sowie in der freien Szene und hat sich vorgenommen, das Dokumentartheater noch so lange zu betreiben, wie er in der Auseinandersetzung mit den Stoffen etwas lernen kann.

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Eine Initiative der Goethe-Institute in Südosteuropa.
Ein Projekt von Hans-Werner Kroesinger und Regine Dura, in Koproduktion mit dem Goethe-Institut und dem HAU Hebbel am Ufer.
Produktion und Recherche in Zusammenarbeit mit den Goethe-Instituten in Belgrad, Istanbul und Sarajevo.

Rahmenprogramme in Zusammenarbeit mit der Heinrich-Böll-Stiftung (Sarajevo), der Mercator Stiftung, dem Zentrum für Kulturelle Dekontamination (Belgrad), der Kinoteka Bosne i Hercegovine (Sarajevo), dem Orient-Institut Istanbul, dem Historikerverband Tarih Vakfı (Istanbul), dem Tütün Depo (Istanbul) und der Bilgi Universität (Istanbul).

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