Vortrag Is it used up and beyond its time?

Kunsthalle Wien Museumsquartier © Kunsthalle Wien 2014, Foto: Stephan Wyckoff

Do, 26.10.2017

İstanbul Modern

Meclis-i Mebusan Cad., Liman İşletmeleri Sahası, Antrepo No: 4, Karaköy
Istanbul

Museums Talk: Aus Deutschland

Die vom Istanbul Modern ins Leben gerufenen Reihe Museums Talk schafft eine Plattform für den Austausch zwischen Experten führender internationaler Museen und dem lokalen. In Fortsetzung der Museums Talk: Aus den USA von 2012-2014 und den Museums Talk: Aus dem Vereinigten Königreich von 2014-2015, steht 2016-2017 Deutschland mit Museums Talk: Aus Deutschland im Fokus, und zwar in Kooperation mit dem Goethe-Institut Istanbul.

Jeder Vortrag lädt ein zu einem Umdenken und einer Umgestaltung der Kunsträume aus verschiedenen Perspektiven. Hauptthemen sind unter anderem das Museum und sein Publikum, Museumsarchitektur und Erweiterungsprojekte, sammelnde und nicht-sammelnde Museen, kuratorische Arbeit und neue Formen der Programmarbeit und der Museumsorganisation.
 
Is it used up and beyond its time?
Vortrag von Nicolaus Schafhausen, Direktor Kunsthalle Wien


Permanente Transformation ist ein bestimmendes Element unserer heutigen Zeit. Soziale und politische Krisen erschüttern unsere liberale Gesellschaft und zeichnen das Bild einer unsicheren Alltagswelt. Welche Rolle spielen Kunst und Institutionen in einer Zeit zwischen Erosion gewohnter Strukturen und sozialem Wandel? Sollte Kunst aktuelle Entwicklungen diskutieren oder sollte sie außerkünstlerische Parameter ausklammern? Ist das Bewahren der künstlerischen Autonomie an sich ein politischer Akt? Sollte Kunst auch Unterhaltung sein?
Institutionen können als Verhandlungsorte für gegenwärtige Herausforderungen dienen und haben eine Verantwortung gegenüber der Gesellschaft. Kunst kann gelebte Erfahrungen reflektieren, erfordert aber auch einen Grad an Entschleunigung, um Resonanzräume schaffen zu können. Sie kann aus einer kritischen Perspektive argumentieren und eine gewisse Distanz oder Abstraktion von der Realität schaffen, um größere Zusammenhänge und Muster sozialer Konstruktion offenzulegen.
Künstlerische Reflexion erfordert Zeit und kritische Distanz, um überholte Vorstellungen von Realität zu hinterfragen oder neue Impulse zu setzen. Institutionen für zeitgenössische Kunst sollten daher die Relevanz künstlerischer Positionen für ihre Zeit fortwährend prüfen. In einer zerrissenen Gesellschaft kann Kultur einen positiven Einfluss auf Gemeinschaft und Identität haben.
 
Nicolaus Schafhausen © Stephan Wyckoff Nicolaus Schafhausen ist seit 2012 Direktor der Kunsthalle Wien. Von 1995 bis 1998 war er als künstlerischer Leiter des Künstlerhauses Stuttgart tätig und wurde 1999 zum Direktor des Frankfurter Kunstvereins berufen, dessen künstlerische und kaufmännische Leitung er bis Dezember 2005 innehatte. Neben seiner kuratorischen Tätigkeit am Nordic Institute for Contemporary Art in Helsinki (NIFCA) war Schafhausen u.a. Gründungsdirektor der European Kunsthalle Köln und von 2006 bis 2012 Direktor des Witte de With Center for Contemporary Art in Rotterdam. Seit 2011 ist er als strategischer Direktor für die kanadische Shorefast Foundation|Fogo Island Arts tätig. Nicolaus Schafhausen kuratierte den Deutschen Pavillon der 52. und 53. Venedig Biennale und den Kosovo Pavillon der 56. Venedig Biennale. 2015 wurde er zum Co-Kurator der 6. Moskau Biennale berufen. Neben seinen Erfahrungen als Kurator und Direktor namhafter Institutionen ist Nicolaus Schafhausen Autor und Herausgeber zahlreicher Publikationen zur zeitgenössischen Kunst. Er ist Dozent an der Hochschule der Bildenden Künste Saar (HBKsaar) in Saarbrücken.
 

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