Film BRANDNEUE FILME AUS DEUTSCHLAND

SCHLINGENSIEF_IN_DAS_SHWEIGEN_HINEINSCHREIEN_Foto_01 © filmgalerie451

Do, 26.11.2020 -
So, 06.12.2020

Online

GEWAGTE WENDUNGEN


Goethe-Institut und Istanbul Modern Sinema präsentieren 2020 zum zwölften Mal in Folge „Brandneue Filme aus Deutschland“. In der Auswahl werden unter dem Motto „Gewagte Wendungen“ sieben herausragende Filme neueren Datums vorgestellt;  die meisten von ihnen werden in der Türkei zum ersten Mal gezeigt. Die Filme können zwischen dem 26. November – 6. Dezember auf der Online-Plattform von Istanbul Modern Sinema abgerufen werden. 
 
 
Programm


E-Flyer
 
Abruf der Filme nur nach vorheriger Anmeldung und mit zugeteiltem Passwort

Cleo © DETAiLFILM_Johannes Louis CLEO
Deutschland, 2019, 96 min, Farbe
Deutsch, Türkische Untertitel
Regie: Erik Schmitt
Darsteller: Marleen Lohse, Jeremy Mockridge, Max Mauff, Heiko Pinkowski, Fabian Busch

 
Cleo, die rothaarige Namensgeberin des Films, umgibt eine romantische Traurigkeit. Voller Liebe zu Berlin und ihrer mehr als wechselhaften Geschichte, doch seit dem Verlust ihrer Eltern von der Welt zurückgezogen, braucht sie den abenteuerlustigen Paul, um sich gemeinsam auf die Suche nach einer sagenhaften Uhr zu machen, die die Zeit zurückdrehen kann. Dabei begegnen sie historischen Legenden wie der Schauspielerin Marlene Dietrich oder dem Wissenschaftler Max Planck genauso wie den Einbrechern Brüder Sass, die Berlin in den 1920er Jahren unsicher machen. Doch am wichtigsten ist zuletzt Cleos Begegnung mit sich selbst. Erik Schmitt gelingt ein Film voller Charme, skurriler Effekte und digitaler Tricks, die einen staunen lassen, erzählt aber auch den Schwierigkeiten, mit Verlusten und den Herausforderungen des Alltags umzugehen: „Ein modernes Berlin-Märchen“ (Berliner Zeitung) 


 
DAS WUNDER VON TAIPEH © CORSO Film DAS WUNDER VON TAIPEH
Deutschland, 2019, 83 min, Farbe, Deutsch, Türkische Untertitel
Regie: John David Seidler
Dokumentarfilm

 
Frauenfußball in Deutschland? Gibt’s nicht, braucht’s nicht, wollen wir nicht. Doch da flattert im Jahr 1981 eine Nachricht auf die Tische der Funktionäre des Deutschen Fußballbundes: Taiwan richtet eine Internationale Fußballfrauenweltmeisterschaft aus, Deutschland möge doch teilnehmen. Deutschland hat aber keine Frauennationalteam, so etwas ist beim DFB auch nicht vorgesehen. Um eine internationale Blamage zu vermeiden, gibt es nur eine Möglichkeit: Die Spielerinnen des SSG 09 Bergisch Gladbach sollen es richten. Der Ort ist klein, kaum jemand kennt ihn, aber das Team ist Deutschland bestes. Also fahren sie – auf eigene Kosten – nach Taipeh und schaffen das Unglaubliche: Ohne auch nur ein Spiel zu verlieren, werden sie zu Weltmeisterinnen. Dumm gelaufen für den DFB, notgedrungen muss er sich nun doch um eine echte Frauen-Nationalmannschaft kümmern. Ein Film über die Ignoranz der Männer, aber auch über die Kraft einer Vision.



Coup © Salto Film COUP
Deutschland, 2019, 81 min, Farbe
Deutsch, Türkische Untertitel
Regie: Sven O. Hill
Darsteller: Daniel Michel, Tomasz Robak, Fabienne Elaine Hollwege, Rocko Schamoni

 
Dies ist die wahre – wirklich wahr? – Geschichte eines Mannes, der einen genialen Coup landet, ihn nicht genießen kann und doch heil davonkommt. Doch von vorne: Der junge Mann hat eigentlich
ein gutes Leben: nachts Rocker, tags Banker, Frau und Kind, alles bringt er mühelos
zusammen. Doch er hat einen Plan: Warum nicht eine Bank ausrauben, aber nicht mit Gewalt,
sondern ganz einfach unter Ausnutzung einer Sicherheitslücke. Man muss eben nur genial
sein – und Hamburger. Alles läuft wie geschmiert, doch dann gibt es ein Problem. Kaum hat
sich der Held mit den geklauten Millionen nach Australien abgesetzt, ruft er seine Freundin
an, damit sie mit dem gemeinsamen Sohn nachkommt. Doch die sagt: Nö.
In einem wilden Mix aus Spiel-, Doku- und Animationsfilm erzählt Sven O. Hill eine
wahrlich unglaubliche Geschichte.




SCHLINGENSIEF – IN DAS SCHWEIGEN HINEINSCHREIEN © filmgalerie451 SCHLINGENSIEF – IN DAS SCHWEIGEN HINEINSCHREIEN
Deutschland, 2020, 124 min, Farbe, Deutsch, Türkische Untertitel
Regie: Bettina Böhler
Dokumentarfilm

 
 
Christoph Schlingensief gilt als der große Provokateur des deutschen Kulturbetriebs. Und Das Deutsche Kettensägemassaker, das den Mauerfall als Horrorfilm inszeniert oder sein Projekt, mit sechs Millionen Arbeitslosen im Wolfgangsee baden zu gehen – um das Feriendomizil des damaligen Bundeskanzlers Helmut Kohl zu fluten – sprechen durchaus dafür. Aber gleichzeitig gibt es da diese poetische Ebene, der Versuch, unter die Oberfläche der Dinge zu dringen und nicht nur die Gesellschaft, sondern auch die eigene Person selbstironisch zu hinterfragen. 2020 wäre er 60 Jahre alt geworden, doch 2010 erlag er einer Erkrankung an Lungenkrebs.
Bettina Böhler, die bei Schlingensief verschiedentlich für den Schnitt verantwortlich war, hat einen Film über diese Ausnahmepersönlichkeit gemacht. Ein großes Kunstwerk, das ausschließlich aus Archivmaterial sein gesamtes Schaffen und seine Persönlichkeit zeigt, seine Ruhelosigkeit, sein grenzenloses Engagement für die Sache, seine Liebe zum Leben – die er auch nach seiner Erkrankung nicht verlor. Die Dokumentation wird begleitet von Schlingensiefs frühem Film Egomania – Insel ohne Hoffnung.



EGOMANIA – INSEL OHNE HOFFNUNG © filmgalerie451 EGOMANIA – INSEL OHNE HOFFNUNG
Deutschland, 1986, 82 min, Farbe, Deutsch, Türkische Untertitel
Regie: Christoph Schlingensief
Darsteller: Udo Kier, Tilda Swinton, Uwe Fellensiek, Anna Fechter, Anastasia Kudelka

 
„Nagt an Dir ein Gedanke – denk ihn weg“, heißt es in diesem Film, „oder leide.“ Christoph Schlingensief, viel zu früh verstorbenes enfant terrible der deutschen Film- und Kulturszene, hat ihn mit gerade mal 26 Jahren gedreht, im Schlepptau den sinistren Udo Kier und die ätherisch schöne Tilda Swinton. Das Drama um die ganz großen Themen – Liebe, Eifersucht, Gier und Mord – spielt mitten im Winter auf einer windigen Nordsee-Hallig (Insel wäre fast schon zu viel gesagt). Die Inhaltsangabe, die Schlingensief zur Premiere verschickt, schöpft aus dem Vollen: „Dr Faustus im Eis … oder … eine deutsche Geschichte über den Verfall der Zivilisation in der Tradition der Nibelungen.“ Und endet bedeutungsschwanger: „Das Verderben läßt sich nicht mehr aufhalten und zum Schluß erfüllt sich das Schicksal aller im schier unstillbaren Blutrausch des Bösen.“ Doch keine Angst, die wunderbar verworrene Geschichte ist nur der Aufhänger, denn eigentlich ist Egomania – Insel ohne Hoffnung ein Film, der, so der Regisseur „vor allem von der atmosphärischen Dichte seiner Bilder und seiner Musik lebt“.
Gezeigt wird der Film begleitend zum Dokumentarfilm Schlingensief – in das Schweigen hineinschreien, der sich diesem unermüdlichen Kulturanarchisten mit faszinierendem Originalmaterial annähert.




HAPPY LAMENTO © Kairos Film & Rapid Eye Movies HAPPY LAMENTO
Deutschland, 2018, 90 min, Farbe, Deutsch, Türkische Untertitel
Regie: Alexander Kluge feat. Khavn de la Cruz
Darsteller: Helge Schneider, Heiner Müller, Galina Antoschwskaja, Peter Berling

 
Alexander Kluge, mit bald 90 Jahren längst selbst zu einer Ikone avanciert, adressiert in diesem Essayfilm das elektrische Licht, eine revolutionäre Erfindung, ohne die es das Kino nicht gäbe. Aber nicht nur das: Auch der Zirkus, der Song „Blue Moon“ und Straßenkämpfe unter Kinderbanden im Norden Manilas spielen eine tragende Rolle, frei und doch schlüssig assoziiert, was als Kluges Markenzeichen gelten kann. Mit Manila hat es dabei eine besondere Bewandtnis: Kluge hat sich den jungen philippinischen Filmemacher Khavn de la Cruz an seine Seite geholt, verwebt ganze Passagen aus dessen Alipato – The Very Brief Life of an Ember in sein Werk. Die traumatische Allianz von Armut, Verzweiflung und Brutalität, die der „Che Guevara der digitalen Revolution“ thematisiert, bilden ein ergreifendes Pendant zu den philosophischen Reflexionen des Grandseigneurs des Autorenfilms.




Curveball © Kairos Film & Rapid Eye Movies CURVEBALL
Deutschland, 108 min, Farbe, 2020
Deutsch, Türkische Untertitel
Regie: Johannes Naber
Darsteller: Sebastian Blomberg, Dar Salim, Virginia Kull,

 
Der deutsche Geheimdienst BND hat einen miserablen Ruf als Fußabtreter der CIA. Doch da taucht ausgerechnet in einem Asylbewerberheim die Chance auf die ganz große Geschichte auf: Einer der Bewohner behauptet, Saddam Husseins geheimen Chemiewaffen mit eigenen Augen gesehen zu haben. Endlich eröffnet sich die Gelegenheit, der Welt die Qualitäten des BND zu beweisen. Doch die vorschnellmaufgeblasene Sensation erweist sich als Fake News: Alles muss schnellstmöglich unter den Tisch gekehrt werden. Wäre auch kein Problem, wenn die Weltgeschichte nicht plötzlich eine
Wende genommen hätte: 9/11 und die anschließende Suche nach einem Schurkenstaat. Und
da gibt es doch diesen Informanten aus dem Irak, den der BND aufgetrieben hatte – den
brauchen die Amerikaner jetzt… Johannes Naber zeigt mit viel Situationskomik eine – leider wahre – Geschichte um die Missachtung jeglicher Tatsachen, wenn es um die Macht geht.
 
 



 





 

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