Literatur Post-pragmatische Gegenwart

Leif Randt: Allegro Pastell (2020) Foto (Ausschnitt): Leif Randt: Allegro Pastell © Kiepenheuer & Witsch eBook, 2020

Fr, 09.04.2021

National Central Library

No.20, Zhongshan S. Rd.
Zhongzheng District
100201 Taipei City

Ein Gespräch mit den Schriftsteller*innen Leif Randt und Zi-Fan Shieh

Das Goethe-Institut Taipei lädt den deutschen Schriftsteller Leif Randt und die taiwanische Schriftstellerin Zi-Fan Shieh ein, vor dem Hintergrund ihrer jeweils zuletzt erschienen Bücher ein Gespräch u.a. über die Generation Millenials und deren Lebensrealitäten in Deutschland und Taiwan zu führen. Welche Einschnitte generiert zudem die Covid19-Pandemie aus ihrer Sicht und wie blickt die in Taiwan lebende Schriftstellerin Zi-Fan Shieh im Vergleich zum in Berlin ansässigen Autor Leif Randt in die Zukunft?
 
Leif Randt: Allegro Pastell (2020)
Leif Randt erzählt vom Glück. Von Tanja und Jerome, von Wirklichkeit und Badminton, von idealen Zuständen und den Hochzeiten der anderen. Eine Lovestory aus den späten Zehnerjahren. Tanja Arnheim, die in Berlin lebt und deren Debütroman Kultstatus genießt, wird in wenigen Wochen dreißig. Ihr fünf Jahre älterer Freund, der gefragte Webdesigner Jerome Daimler, bewohnt in Maintal den Bungalow seiner Eltern und versucht sein Leben zunehmend als spirituelle Einkehr zu begreifen. Die Fernbeziehung der beiden wirkt makellos. Sie bleiben über Text und Bild eng miteinander verbunden und besuchen sich für lange Wochenenden in ihren jeweiligen Realitäten. Jogging durchs Naturschutzgebiet und Meditation, driftende Dauerkommunikation und sexpositives Ausgehen in Berlin – Jerome und Tanja sind füreinander da, jedoch nicht aneinander verloren. Eltern, Freund*innen und depressive Geschwister spiegeln ihnen ein Leid, gegen das Tanja und Jerome weitgehend immun bleiben. Doch der Wunsch, ihre Zuneigung zu konservieren, ohne dass diese bieder oder schmerzhaft existenziell wird, stellt das Paar vor eine große Herausforderung.
„Allegro Pastell“, nominiert für den Deutschen Buchpreis 2020, ist die Geschichte einer fast normalen Liebe und ihrer Transformationen.

Zi-Fan Shieh: Ich und der Müllwagen, dem ich immer hinterher bin (2019)
Zi-Fan Shieh: Ich und der Müllwagen, dem ich immer hinterher bin (2019) Foto: Zi-Fan Shieh: Ich und der Müllwagen, dem ich immer hinterher bin © Chiuko Publishing, 2019 Zi-Fan Shieh beschreibt eine Frau, die alleine lebt, keine Familie und keine Liebe in ihrem Leben hat und nichts Positives erkennen kann, wenn sie an ihre Zukunft denkt. Während sie zu beschäftigt ist, um ihren eigenen Müll auf die Straße zu tragen, kümmert sie sich seit Jahren um den Abfall ihrer Kolleg*innen und ihres Chefs. Und auch mit dem Hund ihres Vorgesetzten dreht sie täglich eine Runde. Irgendwann stellt sie sich die Frage: „Ist das das Leben, das ich will?“ Sie kündigt ihren Job und wendet sich ihrem „eigenen Müll“ zu, für den sie nun Zeit hat. Als sie sieht, wie der Müllwagen langsam wegfährt, erkennt sie, dass sie nicht nur ihre Wohnung von Schmutz befreit hat, sondern sich auch ihrer eigenen Vergangenheit entledigt hat. Nun muss sie sich eine neue Frage stellen: „Welches Leben will ich führen?“
 
 
Gesprächspartner*innen:
Randt Leif Foto (privat): © Randt Leif Leif Randt

Leif Randt, geboren 1983 in Frankfurt am Main, schreibt vorwiegend Romane. Einem größeren Publikum bekannt wurde er mit den Utopien "Schimmernder Dunst über CobyCounty" (2011) sowie "Planet Magnon" (2015). Häufig drehen sich seine Texte um optimierte Sehnsuchtswelten. Mit dem Goethe-Institut bereiste er bereits Japan, Indonesien und Russland. Leif Randt co-kuratiert das Web-Label tegelmedia.net, dessen Fokus auf Handy-Alltag und Anekdoten liegt. Im März 2020 erschien die beliebte Lovestory "Allegro Pastell", u.a. nominiert für den Deutschen Buchpreis 2020.
 
Zi-Fan Shieh
Zi-Fan Shieh Foto (privat): © Zi-Fan Shieh Zi-Fan Shieh hat chinesische Literatur studiert, lebte bereits in Xin-zhu, Shanghai, Hangzho und Hong kong, und lebt jetzt in Taipei. Bevor sie sich ganz dem Schreiben zugewandt hat, hat sie in einer Werbeagentur gearbeitet und Reklamen für Produkte geschrieben. Das heißt auch: Beobachten, Analysieren und Kommentieren sind schon seit Langem Selbstverständlichkeiten in ihrem Leben. Und diese Fähigkeit, ihre Umgebung im Detail wahrzunehmen, spiegelt sich wieder in ihrer Literatur. Sie hat schon mehrere Preise erhalten, u.a. 2016 den Literaturpreis der Stadt Taipei.
 
Moderation: Meng-Ru Yang
Meng-Ru Yang Foto (privat): © Meng-Ru Yang Meng-Ru Yang studierte Sinologie an der Soochow University in Taiwan. Im Anschluss absolvierte sie ein Magisterstudium in den Fächern Germanistik, Psychologie und Sinologie an der Goethe-Universität in Frankfurt am Main. Als freiberufliche Übersetzerin hat Meng-Ru Yang bislang 23 Titel aus dem Deutschen ins Chinesische (Langzeichen) übersetzt, darunter sowohl Sachbücher als auch belletristische Werke. Meng-Ru Yang lebt in Taipei.
 
 
 

Zurück