Ukraine ohne Müll Ein zweites Leben für Abfälle

Die Initiative "Ukraine ohne Müll" informiert über Wiederverwertung der Abfälle
Die Initiative "Ukraine ohne Müll" informiert über Wiederverwertung der Abfälle | Foto: facebook.com/nowasteukraine

Die Initiative Ukraine ohne Müll von Wiktorija Norenko und Jewhenija Aratowska setzt sich das Trennen von Müll und eine vollständige Wiederverwertung der Abfälle zum Ziel. Die Arbeit läuft über die Webseite und Facebook, wo sie ihre ukrainischen Leser über das Trennen und Wiederverwerten beraten und informieren. Vor kurzem begannen sie, Altpapier von Wohnhäusern abzuholen.

Viele Bewohner sehen keinen Unterschied in den Containern 

Das Problem mit dem Müll, von dem so viel einfach auf dem Boden liegt, beschäftigt viele, weil Müll gleichzeitig eine Ressource, Geld und eine Chance ist. Die ukrainische Gesellschaft könnte sogar der Wirtschaft helfen, wenn sie anders mit dem Müll umgehen würde.

Die meisten Ukrainer verstehen den Wert des Mülltrennens nicht ganz. Sie werfen den Müll in einen Sack und vergessen ihn. Man kann das ihnen nicht einmal vorwerfen, schließlich hat ihnen nie jemand gesagt, dass Müll einen Wert hat, dass man ihn abgeben kann und spezielle Container zum getrennten Sammeln der Abfälle in den Höfen stehen.
 
Um der Bevölkerung das Mülltrennen beizubringen, braucht es 10-12 Jahre. Das hat sich in den USA gezeigt, wo 85 % der Bevölkerung trockene und feuchte Haushaltsabfälle voneinander trennen. Ergänzend werden „Umweltinspektoren“ eingeschaltet, die Strafzettel ausstellen. Als Motivation erhalten diese Inspektoren 10% der ausgestellten Strafe, was den Umweltverschmutzern in ihrem Gebiet wenig Chance lässt.

Inzwischen stellen ukrainische Kommunalverwaltungen verschiedene Container zum Mülltrennen neben den gewohnten Tonnen auf, ohne zu erklären, was man wo hineinschmeißen soll. Viele Bewohner sehen keinen Unterschied in den Containern oder verwenden die neuen einfach nicht, weil sie deren Zweck nicht kennen. Außerdem wird bei der Müllgebühr kein Unterschied zwischen getrennten und zusammengeworfenen Abfällen gemacht.

Mülltrennung in verständlicher Sprache 

Wofür braucht man Mülltrennung? Welche Müllarten gibt es? Was gehört zu Plastik, Glas, Metall, Papier, etc.? Was kann recycelt werden und was nicht? Welche Erfahrung hat man in entwickelten Ländern mit der Abfallverwertung gemacht? Und warum funktionieren diese Technologien bei uns nicht? All diese Fragen will Ukraine ohne Müll in verständlicher und einfacher Sprache beantworten.

Es hat ziemlich lange gedauert, bis die Aktivistinnen befunden haben, dass dieses Projekt eine Umsetzung wert ist. Es war am Ende ein natürlicher Impuls und der Wunsch, das Wissen mit anderen zu teilen. Man hat mit der Webseite angefangen und danach die Seite im sozialen Netzwerk angelegt.

Der Anklang in der Bevölkerung hat sie zuerst gekränkt und dann angespornt. Die Gesellschaft ist bereit für Veränderungen. Wir alle wollen in Richtung Europa, wir wollen, dass es sauber ist und schön, nicht nur in der Natur, sondern auch in unseren Höfen. Die Leute wollen sich verändern und je nach Möglichkeit einen Beitrag für die gemeinsame Sache und das Gemeinwohl leisten.

Reale Handlungen, die das System verändern

Im Internet ist das Projekt bekannt geworden, aber Ukraine ohne Müll will nicht nur online tätig sein. Sie interessieren reale Handlungen, die ohne auf die Verabschiedung der notwendigen Gesetze zu warten, das System langsam verändern. Die Nachfrage bestimmt das Angebot und so können die Bemühungen jedes einzelnen Mülltrenners den Markt dazu zwingen, auf die neuen Bedürfnisse zu antworten.

Um vom undifferenzierten Trennen zwischen trockenen und feuchten Abfällen, wie es derzeit in Kiew teilweise eingeführt wird, wegzukommen, reicht es nicht einfach, die richtigen Container aufzustellen. Die Entsorgungsfirmen müssen Leute ins Spiel bringen, die die Spielregeln beherrschen, die wissen, was wo reingehört. Und was jene unwissende Bewohner betrifft, die ihren Müll nicht trennen: ihr Umdenken wird nicht alleine von den Kommentaren der Nachbarn abhängen, sondern auch von einer erhöhten Gebühr für das Abholen von Restmüll.

„Wir sind im Gespräch mit den Herstellern, deren Verpackungsmaterial in den Müll wandert, und auch mit den Müllabfuhren. Wir wollen mit allen zusammenarbeiten, die auf die ein oder andere Weise mit der Erzeugung, Verwendung oder Verwertung von Abfällen zu tun haben“, sagen Wiktorija Norenko und Jewhenija Aratowska.

Effektive Zusammenarbeit zwischen Produzenten, Verbrauchern und der Verwertung

Zum Team von Ukraine ohne Müll gehören neben den beiden Initiatorinnen auch Aktivisten aus unterschiedlichen ukrainischen Regionen, die Interesse bekundet haben und dieses wichtige Thema auch in ihren Städten vermitteln wollen. Ihre Hauptaufgabe sehen sie darin, eine effektive Zusammenarbeit zwischen Produzenten, Verbrauchern und der Verwertung innerhalb eines aufgeklärten, gesetzlichen Rahmens zu schaffen.

Die Aufklärungsarbeit läuft durch die Webseite, soziale Netzwerke, eigene Mülltrenn-Experimente im Haushalt, Verteilung von Infografiken und Postkarten mit verständlichen Botschaften über die Wichtigkeit des Trennens. Geplant sind auch die Aktionen für Schulkinder und interessante Informationsveranstaltungen.

Außerdem arbeitet man mit Produzenten, indem sie informiert werden, wie ihre Verpackungen verwertet werden können, wie sicher und gesund sie für Lebensmittel sind und wo man diesen Wertstoff abgeben kann. Die Aktivisten schlagen moderne Verwertungstechnologien vor und suchen nach Lösungswegen, wenn diese Art von Müll nicht wiederverwertet wird.

Eine wichige Rolle spielt die Arbeit mit Dienstleistern der Abfallwirtschaft – Ukraine ohne Müll kooperiert nur mit Firmen, die den Müll sortieren und nicht einfach unsortierte Abfälle auf die Halde führen. Über ihre Tätigkeit wird berichtet, damit die Leute selbst eine Entsorgungsfirma wählen können und sich nicht auf die Wahl ihres Gemeindeamtes verlassen müssen.

Eine Zusammenarbeit mit staatlichen Einrichtungen wird beabsichtigt – die Initiative hat vor, mit dem Umweltministerium, städtischen Initiativen und Lokalverwaltungen gemeinsame Projekte zu machen. Es findet sich kaum jemand, nicht einmal unter den Abgeordneten, der mit der momentanen Müllsituation, all dem Plastik und anderen Abfälle auf der Straße, zufrieden wäre.

Über die Rolle der Gesellschaft

Ukraine ohne Müll arbeitet auch mit der Zivilgesellschaft zusammen, hauptsächlich mit Vereinigungen der Wohnungseigentümer in Wohnblocks, in welche sich die Bewohner selbst organisieren, um ihr Wohnhaus effektiv zu verwalten. In solchen Gebäuden entscheiden sie selbst, welche Firma sie für Dienstleistungen rund ums Haus engagieren, auch welchen Entsorgungsbetrieb. Derzeit ist das die einzige gesetzliche Möglichkeit für die bewusste Wahl von Diensten. Alle anderen Bewohner können nur eine Anfrage oder Beschwerde ans Gemeindeamt richten, die aller Wahrscheinlichkeit nach unbeachtet bleibt.

Vor kurzem informiert die Webseite Ukraine ohne Müll über das richtige Saubermachen in Parks. Man möchte zeigen, dass das normale Aufräumen wenig mit Umweltschutz zu tun hat. Wenn man alles einfach in einen Sack zusammenwirft, landen auch Wertstoffe wie Glas, Plastik und Metall auf der Müllhalde, die auch so schon überfüllt und ein umweltschädlicher Ort ist. Wenn man auch den Müll auf der Straße nach Wertstoffart sortiert und ihn zu Sammelstellen bringt, erhält man dafür Geldmittel, für die man Setzlinge, Büsche oder Blumen kaufen könnte, um die jeweilige Umgebung zu bepflanzen. Also - nicht nur schön machen, sondern auch möglichst sinnvoll.

In Zusammenarbeit mit dem Kiewer Stadtmagazin "Hmarochos"