Freiwilligendienste Gar nicht so einfach, Gutes zu tun

Freiwilligendienste im Ausland sind beliebt.
Freiwilligendienste im Ausland sind beliebt. | Foto (Ausschnitt): © Ruby Charice Sartori/VoluNation

Jugendliche aus Deutschland reisen in Entwicklungsländer, um dort zu helfen. Doch wie sinnvoll ist ihr Einsatz – und wer profitiert davon? Eindrücke aus Ghana.

Rosa und Laura sitzen in der Bibliothek einer Schule außerhalb von Mankessim, einer kleinen Stadt zwischen Accra und Cape Coast in Ghana. Die jungen Frauen aus Deutschland sind eigentlich als Freiwillige gekommen, um zu unterrichten: Mathe, Kunst, Englisch. Tatsächlich sind sie seit Monaten ohne konkrete Aufgabe, haben aus Langeweile ein Volleyball-Feld gebaut, bieten eine Volleyball-Arbeitsgruppe an – eineinhalb Stunden, einmal die Woche. „Natürlich haben wir uns das anders vorgestellt“, sagt Rosa.

Die vor allem bei Schulabgängern beliebten Freiwilligenprogramme locken mit Selbstständigkeit, Abenteuer, exotischen Ländern und dem Nimbus der Entwicklungshilfe. Doch Entwicklungszusammenarbeit besteht nicht mehr aus Brunnen bohren, Straßen bauen oder in Dorfschulen unterrichten. Entwicklungshelfer sind heute Agrar-Ingenieure, die Wertschöpfungsketten zwischen Mangobauern, Großhändlern und EU-Importeuren schaffen. Sie zeigen den Bauern, wie man Zertifizierungen bekommt oder Laborproben nimmt.

Manche kommen mit völlig falschen Vorstellungen

„Wir können die Jugendlichen eigentlich gar nicht brauchen“, sagt Naomi. Sie hat für die Deutsche Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit einige Freiwillige in Ghana betreut und schüttelt den Kopf – zum Beispiel über junge Frauen, die mit völlig falschen Vorstellungen in ein afrikanisches Land reisen und weinend zusammenbrechen, wenn sie ihr einfaches Zuhause für die kommenden Monate sehen. Der Aufwand sei zu groß und der Bedarf an ungelernten Helfern zu gering, um sie zu betreuen. Zudem sei die Verlässlichkeit mancher Empfänger-Organisation zweifelhaft. In Gesprächen mit Mitarbeitern internationaler Organisationen in Ghana hört man häufig, dass das Interesse an den Projektgeldern, die jeder Freiwillige mitbringt, mitunter größer sei als das Interesse an einer echten Zusammenarbeit.

Doch es geht auch anders. Es gibt durchaus nachhaltige Projekte, die Freiwillige sinnvoll einsetzen. Sie errichten Entbindungsstationen im Busch oder helfen Bauernkooperativen, neue Erwerbszweige aufzubauen. Siva Vordzorgbe etwa betreibt im Volta-Delta im Süden Ghanas auf eigene Initiative ein kleines Krankenhaus. Regelmäßig unterstützen ihn deutsche Hebammenschülerinnen, Pfleger und angehende Ärzte. Statt auf Freiwilligenmessen wirbt Vordzorgbe in Europa in Pflegeschulen und an medizinischen Fakultäten.

Etwas können, das vor Ort gebraucht wird

Wer als Freiwilliger in ein Entwicklungsland reisen möchte, sollte etwas können, das dort gebraucht wird, rät auch Kingsley Addy aus Accra. Addy hat in München studiert und bei Siemens gearbeitet, bevor er in seine Heimat zurückkehrte, wo er heute mehrere landwirtschaftliche Projekte betreibt. An seine Freiwilligen hat er konkrete Erwartungen. Die wichtigste: „Sie sollten sich bewusst sein, wo sie hinkommen.“

Eine gute Vorbereitung sei wichtig, betonen auch die Organisatoren von Weltwärts, dem Programm des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung. Rund 3.500 junge Freiwillige gehen jedes Jahr über Weltwärts ins Ausland. Ein Seminar vor der Abreise, die Begleitung im Land und eine Nachbereitung müssten sichergestellt sein. 25 Tage sind dafür jeweils veranschlagt. Weltwärts verstehe sich „nicht als Entwicklungshilfe, sondern in erster Linie als Lerndienst, bei dem Freiwillige Erfahrungen und Kompetenzen erwerben, die es ihnen ermöglichen, sich für eine gerechtere Welt einzusetzen“, sagt Daniela Heblick von der Koordinierungsstelle. Die Mehrheit der Teilnehmer sei mit ihren Erfahrungen zufrieden. Partnerorganisationen müssten sich regelmäßig zertifizieren.

Die Begleitung vor und während des Aufenthalts – etwa durch Mentoren vor Ort – ist auch bei dem internationalen Jugendfreiwilligendienst Kulturweit von zentraler Bedeutung. Seit 2009 werden hier die Teilnehmer in Kultur-Programmen deutscher Partnerorganisationen wie dem Goethe-Institut, der Deutschen Welle oder dem Deutschen Akademischen Austauschdienst eingesetzt. 2013 nutzten 347 Freiwillige das Angebot. Projektgelder gibt es nicht. Die jungen Leute sollen keine Entwicklungshelfer sein, heißt es, sondern vor allem eines: Botschafter.