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„Das Haus der weinenden Witwe“ auf dem Deutschen Berg
„Das Haus der weinenden Witwe“ auf dem Deutschen Berg | © Goethe-Institut / Mykola Iwaschtschenko

Jahrzehntelang spielte die kleine auf dem „Deutschen Berg“ lebende deutsche Gemeinde eine große Rolle im gesellschaftlichen und kulturellen Leben der Stadt.

Der Deutsche Berg (auch Lutherischer Berg genannt) ist ein historischer Ortsname des kleinen Stadtviertels auf dem steilen Hügel entlang der heutigen Ljuteranska Straße. Nachdem der „erste Heimatort“ der deutschen Gemeinde in Kiew – Podil – bei dem schrecklichen Stadtbrand von 1812 zerstört wurde, kauften deutsche Kolonisten hier ein großes Grundstück und bauten ein neues Zuhause. Anfang des 19. Jahrhunderts lag der Deutsche Berg noch am damaligen Stadtrand von Kiew. Heute liegt diese Gegend in der Stadtmitte und grenzt unmittelbar an die Hauptstraße Chreschtschatyk.

Die Ljuteranska (Lutherische) Straße wurde 1835 gebaut. Das Zentrum der neuen deutschen Siedlung bildeten zuerst die alte hölzerne Kirche (errichtet 1812) und später die neue Kirche (1855-1857) der evangelischen Gemeinde Kiews. Der Kern der deutschen Gemeinschaft in Kiew bestand zuerst aus Militärleuten. Mit der Gründung der St. Wolodymyr-Universität in 1834 kamen deutsche Wissenschaftler nach Kiew, aber auch immer mehr Kaufleute und Vertreter des Mittelstandes. Der Zuzug der Deutschen nach Kiew hat sich besonders Ende des 19. Jahrhunderts verstärkt.

Auf Initiative und hauptsächlich auf Kosten der kleinen deutschen Gemeinde in Kiew wurden auf dem Deutschen Berg ein Mädchengymnasium, eine Realschule für Jungen, ein Pflegehaus für Arme und soziale Fürsorge, ein Pfarrhaus und sonstige Wirtschaftsbauten errichtet.

Die Bedeutung des Deutschen Berges ist für die deutsche Gemeinde in Kiew kaum zu überschätzen. Auf dem Deutschen Berg diente Deutsch als Hauptsprache im Alltag, im Gottesdienst und im Schulunterricht. Die deutschen Schulen genossen ein hohes gesellschaftliches Ansehen bei den Stadtbewohnern.

1874 wurde die Zahl der evangelischen Deutschen Kiews mit 2330 angegeben, 1904 waren es schon 4700 Personen. Die deutsche evangelische Gemeinde löste sich unter dem politischen Druck der Stalin-Zeit 1937 auf, die Kirche wurde 1938 geschlossen. Erst 1998 wurde die St. Katharinenkirche der deutschen Gemeinde zurückgegeben. Und heute dient sie nach wie vor als ein religiöses, kulturelles und gesellschaftliches Zentrum der deutschen Gemeinde in Kiew.

2011 wurde im Kirchenhof das Mahnmal „Trauernder Engel“ als Erinnerung an die Deportationen der Deutschen aus der Ukraine zur Zeit des Zweiten Weltkrieges eingeweiht.

Standortinformationen

Deutscher Berg
Kiew, wul. Ljuteranska