Deutsche Spuren Ukraine Gebäude des ehemaligen Restaurants „Leipzig“

Ehemaliges Restaurant „Leipzig“
Ehemaliges Restaurant „Leipzig“ | © Goethe-Institut / Serhiy Klymenko

Das Haus im Stil der Neorenaissance entstand 1900 nach dem Entwurf des deutschstämmigen Architekten Karl Friedrich Schiemann.

Eben dieser Name stand auf den Planungsunterlagen, die erst in den 1980er Jahren in einem Archiv entdeckt wurden und uns den Autor des seinerzeit schönsten und größten Hauses der Stadt enthüllen.

Karl Schiemann erhielt den Auftrag von seinem Geschäftsfreund - einem Jagtwaffenverkäufer - Petro Hryhorowytsch-Barskyj, das schönste und höchste Mietshaus in Kiew zu errichten. Das Haus wurde mit seinen 43 Metern wahrlich eine gewisse Zeit zum höchsten Gebäude der Stadt. Allerdings ging der Auftraggeber durch den Bau des Gebäudes pleite.

Karl Schiemann lebte und arbeitete über 20 Jahre in Kiew und hinterließ viele schöne Spuren in der Architektur, vor allem Wohn- und Miethäuser. Man erkennt seine Bauwerke an wunderbaren und reichlich dekorierten Fassaden mit vielen Skulpturen.

Nach dem Ende des Baus auf der Wolodymyrska Straße 39 wurde ein Teil des Hauses als möblierte Zimmer vermietet, im Erdgeschoss befand sich jahrelang ein sehr modisches und populäres Café "Marquise", das sogar im Roman „Die weiße Garde“ von Michail Bulgakow erwähnt wird. In den 1960er Jahren wurde dieses Café zum Restaurant „Leipzig“ umbenannt, denn damals wurde Leipzig die Partnerstadt von Kiew.

Seit der Unabhängigkeit der Ukraine 1991 wechselte das Gebäude mehrmals ihren Besitzer und stand dann leer. Anlässlich der Europa-Fußballmeisterschaft 2012 versuchte man dem Haus neues Leben einzuhauchen: die Fassade wurde neu restauriert, das vorab geplante Hotel "Renaissance" wurde jedoch nie fertiggestellt. So steht das prachtvolle Gebäude leider weiterhin leer.

Standortinformationen

Gebäude des ehemaligen Restaurants „Leipzig“
Kiew, wul. Wolodymyrska 39