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Denkmal des Heiligen Wolodymyr
Denkmal des Heiligen Wolodymyr | © Goethe-Institut / Serhiy Klymenko

Am steilen Ufer des Dnipro ragt die Figur des Großfürsten Wolodymyr, des Täufers der Kiewer Rus (988), empor. Das Denkmal wurde von deutschstämmigen Bildhauern entworfen und 1853 erbaut.

„Ohne Podil ist Kiew unvorstellbar, so wie der Heilige Wolodymyr ohne sein Kreuz“, heißt es in einem lustigen Lied über Kiew. Das Denkmal für den Heiligen Wolodymyr, der 988 das Christentum zur Staatsreligion der Kiewer Rus erklärte, befindet sich zwischen zwei zentralen Stadteilen Kiews – Petschersk und Podil. Unweit des Denkmals wurden laut Überlieferungen die Anwohner der Stadt im Fluss christlich getauft.

Die ersten Ideen für den Bau einer Statue des Hl. Großfürsten Wolodymyr gab es bereits 1833. Danach folgten jahrelange Diskussionen, welches Kreuz – ein orthodoxes oder ein lateinisches – Wolodymyr haben sollte und wie er es halten sollte. Letztendlich hat die Heilige Synode beschlossen, Wolodymyr mit dem sogenannten lateinischen Kreuz darzustellen. Per Zarenerlass wurde festgelegt, dass das Kreuz aufrecht gehalten werden solle.

Es dauerte 20 Jahre, bis die Statue 1853 als erstes Denkmal in Kiew, das einer historischen Person gewidmet wurde, errichtet wurde. Durch die langjährige Fertigung und mehrmalige Überarbeitung des Projektes wurde das fertige Monument eine Symbiose mehrerer Ideen. So wurde zum einen die Statue selbst nach den Plänen des Architekten Wassyl Demut-Malynowskyj (1779-1846) und zum anderen der achteckige Sockel entsprechend dem Vorschlag des deutschstämmigen russischen Architekten Oleksandr Ton (1790-1858) gebaut. Die Endausfertigung in Bronze und die Fertigstellung des Denkmals leitete der Bildhauer Baron Peter Clodt von Jürgensburg. Diese drei Namen sind auf dem Stylobat zu sehen.

Die Vertreter des deutschen Adelsgeschlechtes Clodt von Jürgensburg gehörten ab Anfang des 18. Jahrhunderts zu den berühmten russischen Staatsmännern – entweder waren sie Armeegeneräle oder Bildhauer und Maler, – der letzte bekannte Vertreter der Dynastie, der Maler und Dichter Jewhen Clodt, starb erst 2012.

Das Wolodymyr-Denkmal sieht man von weitem - das majestätische Standbild ist 20 Meter hoch, obwohl die Bronzefigur selbst nur 4,5 Meter hoch ist. Auf dem Postament erkennt man die Szenen der Taufe der Kiewer Bevölkerung im Fluss Dnipro sowie Regalien des Ordens des Heiligen Wolodymyr - Sterne und Kreuze. Nachdem in Kiew die Elektrizität eingeführt wurde, hat man das Kreuz mit elektrischen Lampen ausgestattet, so dass es im Dunkeln als Wegweiser und Leuchtturm für Pilger und Fischer diente.

Der Schriftsteller Michail Bulgakow schrieb einst in seinem Roman „Die weiße Garde“: „Am besten jedoch glänzte das elektrische weiße Kreuz in den Händen des riesigen Wolodymyr auf dem Wolodymyr-Hügel, und es war weithin zu sehen; im Sommer sahen ihn die Boote aus dem schwarzen Nebel der wirren Bächlein und Flusskrümmungen, von den Weiden, und fanden so den Weg in die Stadt, zu den Anlegestellen. Im Winter leuchtete das Kreuz im schwarzen Himmel, wie es kühl und ruhig über dem weiten, dunklen, flachen linken Flussufer waltete“.

Stolz schaut Wolodymyr auf die Stadt hinunter, die dank ihm als Wiege des orthodoxen Glaubens bezeichnet wird. Das älteste Denkmal einer Person in Kiew gilt als ein Wahrzeichen der Stadt. Einen Spaziergang im Park um das Denkmal sollte man sich nicht entgehen lassen.

Standortinformationen

Denkmal des Heiligen Wolodymyr
Kiew, Wolodymyrskyj uzwiz (Wolodymyr-Steig)