Ein Projekt zum Phänomen Korruption

Bestechend? Logo © Nadja Kelm © Nadja Kelm

Korruption ist ein hochkomplexes soziales Phänomen, das sich einer eindeutigen Definition entzieht. Gewiss ist jedoch, dass sich Korruption mit all ihren Ausprägungen  langfristig negativ auf Modernisierungs- und Transformationsprozesse auswirkt und Ungleichheit produziert.

Korruption ist in unterschiedlicher Qualität und Quantität global vorhanden – in einigen Ländern gehört sie zum Alltag, sowohl im staatlichen wie auch privaten Sektor. Allerdings wird Korruption häufig auf ein ökonomisches und politisches Problem reduziert, dabei betrifft es mehrere Lebensbereiche, insbesondere den Alltag. Viele Fragenkomplexe bleiben in der Betrachtung von Korruptionsphänomenen darum unbeachtet, so wie: Wo liegen die historischen Wurzeln der Korruption? Welche sozialen Rahmenbedingungen fördern Korruption und wie sehen ihre Formen, Strukturen und Muster aus, die gegenwärtig in Politik und Gesellschaf existieren? Welche Interdependenzen bestehen zwischen Oligarchie und Korruption? Wie funktioniert eine staatliche Korruption in unterschiedlichen Ländern und wie reagieren (Zivil)Gesellschaften darauf? Welche Rolle übernehmen traditionelle und digitale Medien in der sogenannten Korruptionsbekämpfung? Welche Formen der künstlerischen Rezeption, Narrative bzw. Erzählarten sind dazu entstanden?

Diese Leerstellen beabsichtigte das Projekt Bestechend? zu füllen. Es erfasste das Phänomen Korruption aus multiperspektivischer Sicht und fokussiert nicht nur politische und ökonomische, sondern auch soziale, kulturelle, historische, künstlerische, philosophische, journalistische und zivilgesellschaftliche Aspekte.

Das Projekt besteht aus zwei Modulen. In Berlin richtete die Bundeszentrale für politische Bildung (bpb) vom 16. bis 18. Juni 2017 ein internationales Symposium aus, das in das Thema einführte und zum Austausch mit Expertinnen und Experten aus der Korruptionsforschung bzw. -bekämpfung einlud. Das Symposium ermöglichte darüber hinaus auch eine Bildungs-, Begegnungs- und Austauschplattform für junge Zielgruppen und Multiplikatoren aus den Ländern der Östlichen Partnerschaft und Europa.

Internationales Symposium «IRRESISTIBLE?»

Das Goethe-Institut Ukraine förderte im Rahmen des Projekts kulturelle Produktionen, die im Herbst 2017 in der Ukraine und der Republik Moldau präsentiert wurden und das Phänomen Korruption zum einen in einem urbanen Kontext reflektierten und zum anderen lokale und gleichzeitig universelle Markierungen, Narrative und Konzepte integrierten. Künstler, Theaterschaffende, Kuratoren und Performer suchten dabei nach Alternativen – ohne Vereinfachungen und stereotype Wahrnehmungen –, die der Korruption entgegengesetzt werden können. Die Projektkonzeptionen umfassten eine Ausstellung von ukrainischen, moldauischen und deutschen Künstlern, ein Dokumentartheaterprojekt, das sich satirisch mit der aktuellen Kulturszene in der Ukraine auseinandersetzt sowie ein Filmpaket aus sechs deutschen und internationalen Filmproduktionen. Ausgewählte Teile des Kulturprogramms wurden beim Symposium in Berlin vorgestellt.

Bestechend? - Kulturelle Perspektiven auf Korruption

Bestechend? sensibilisierte breite Zielgruppen in den Ländern der Östlichen Partnerschaft und Deutschland durch den Austausch verschiedener Disziplinen und Akteure für das Phänomen Korruption, für historische Dispositionen und die gesellschaftspolitische Relevanz. Es vermittelte das Phänomen Korruption durch interdisziplinäre Ansätze und Formate, die in Zusammenarbeit zwischen unterschiedlichen Akteuren entwickelt wurden. Durch die künstlerischen Ansätze in öffentlichen Räumen und in verschiedenen Regionen wurden diverse Positionen vernetzt und in ihren Zusammenhängen und Kontexten für die Öffentlichkeit lesbar gemacht. Bestechend? machte dabei globale Verflechtungen des Themas sichtbar, zeigte Querverbindungen und Interdependenzen zwischen diversen politischen, ökonomischen, zivilgesellschaftlichen und kulturellen Akteuren auf.

Insgesamt konnte das Projekt in neun verschiedenen Städten in der Ukraine sowie in der moldauischen und deutschen Hauptstadt 10.000 Personen erreichen.

Bestechend? ist ein Kooperationsprojekt der Bundeszentrale für politische Bildung (bpb) und dem Goethe-Institut Ukraine, gefördert durch das Auswärtige Amt.

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