Mit „Depeche Mode“ von Serhij Zhadan unterwegs durch die Ukraine Zwischen Tschechow und Punk

„Depeche Mode“. Aufführung in Kiew. Foto: Natalka Dyachenko
„Depeche Mode“. Aufführung in Kiew | Foto: Natalka Dyachenko

Nachdem die Dramatisierung Serhij Zhadans Roman Depeche Mode in der Regie von Markus Bartl und der Ausstattung von Philipp Kiefer am TUZ in Charkiw ein sensationeller Erfolg geworden ist, konnte das junge und talentierte Ensemble des Kinder- und Jugendtheaters in Charkiw diese aufsehenerregende Produktion auf Initiative des Goethe-Instituts und des Auswärtigen Amts auch in Kiew, Lwiw und Odessa zeigen. Bereits vor der Drei-Städte-Tournee hatte sich beim theaterbegeisterten Publikum herumgesprochen, dass diese Produktion etwas Besonderes sein muss. In Kiew und Lwiw waren die Vorstellungen schon im Vorfeld komplett ausverkauft, und viele interessierte junge Leute mussten leider wieder nach Hause geschickt werden. Das Interesse war so groß, dass man auch mehrere Vorstellungen hätte spielen können.

In allen drei Städten war die Reaktion auf die Produktion sehr positiv, begeistert und emotional bewegend. Es wurde deutlich, dass der Roman, wie seine Umsetzung für die Bühne den Nerv der Zeit getroffen hat. Auch wenn die Handlung der Geschichte in den Neunzigern spielt, können sich die Zuschauer mit den jugendlichen Helden identifizieren und erkennen sich oder Freunde, Familienangehörige oder Bekannte in den Figuren wieder. Das zeigt, dass diese Coming-of-Age-Geschichte zeitlos, in seinem Setting originär ukrainisch, und in seiner brisanten Umsetzung für das Theaterpublikum ein Erlebnis ist.

Berlin, 29.11.2016. Foto: Maria Savelova Berlin, 29.11.2016 | Foto: Maria Savelova Die Zusammenarbeit mit dem deutschen Regieteam und dem ukrainischen Ensemble, sowie die Zusammenarbeit mit der sehr engagierten Theaterleitung vom TUZ in Charkiw (Andrej Gapanowich und Alexander Kovshun) war ein fruchtbares und kreatives Zusammenspiel vieler verschiedener Erfahrungspotentiale.

Ende November besuchten Andreij Gapanowich und Alexandr Kovshun Berlin und Nürnberg, wo sie zusammen mit Markus Bartl und Philipp Kiefer einige Theatervorstellungen besuchen konnten und mehrere ausführliche Gespräche mit Vertretern der dortigen Jugendtheater hatten. Die Kooperation mit dem TUZ in Charkiw und deutschen Jugendtheatern könnte in den kommenden Spielzeiten eine Möglichkeit sein, dem ukrainischen Jugendtheater neue Impulse zu geben.

Insbesondere interessant könnte sich die gewünschte Zusammenarbeit mit den zwei Kinder- und Jugendtheatern in der Partnerstadt Nürnberg gestalten. Die Theater „Pfütze“ und „Mummpitz“ böten sich als Kooperationspartner an. Die beiden von der ukrainischen Delegation waren von den besuchten Vorstellungen sehr beeindruckt und berührt, und in den anschließenden Gesprächen war das gegenseitige Interesse sehr groß.

Nach dem großen Tournee-Erfolg von Depeche Mode, den laufenden Vorstellungen am TUZ in Charkiw vor ausverkauftem Haus und den erfolgreichen Bemühungen um künstlerischen und kulturellen Austausch, hat das Charkiwer Kinder- und Jugendtheater TUZ viele neue und interessante Impulse geben und nehmen können, die ganz im Sinne des Programms „Ausbau der Zusammenarbeit mit der Zivilgesellschaft in den Ländern der östlichen Partnerschaft“ sind. Die Nachhaltigkeit dieser Initiative ist beeindruckend und es bleibt zu wünschen, dass der Austausch über die aktuellen Projekte hinaus weiter fortbestehen wird.

Markus Bartl (Regie) und Philipp Kiefer (Bühnenbild) haben das Stück Depeche Mode 2015 gemeinsam mit dem Ensemble des Kinder- und Jugendtheater in Charkiw auf die Bühne gebracht.