Internationale Begegnungen

Internationale Begegnungen. „Flüchtlinge - damals und heute“ | Foto: Glocal Films
Internationale Begegnungen. „Flüchtlinge - damals und heute“ | Foto: Glocal Films

Im Rahmen des Projekts „Flüchtlinge – damals und heute“

Wie schnell eine spannende Woche vorrübergehen kann, erfuhren unlängst die Akteure des Filmprojekts „Flüchtlinge – damals und heute“, das vom Goethe-Institut Ukraine organisiert wird und dessen erster Teil vorvergangene Woche in Riwne stattfand. Die 21 Schülerinnen und Schüler aus Polen, der Ukraine und Deutschland trafen sich erstmals am Sonntag, den 23.04. im Lyzeum Nr. 12, um gemeinsam Filmbeiträge zu historischen und gegenwärtigen Flüchtlingsbewegungen zu erarbeiten. Die technische Unterstützung hierfür kam aus London: Die Dokumentarfilmerinnen Kerstin Rickermann und Silke Beller von Glocal Films steuerten die handwerkliche Expertise zur Realisierung der Projekte bei. Die inhaltliche Betreuung übernahm der Regisseur und Initiator des Theatre of Displaced People, Georg Genoux. Sechs Tage dauerte die Auseinandersetzung mit der nicht immer einfachen Thematik, der sich die Schülerinnen und Schüler über Exkursionen, Recherchen und Zeitzeugengespräche näherten.

Die historische Komponente des Projekts beinhaltete die Auseinandersetzung mit den Massakern in Wolhynien und Ostgalizien, die sich 1943/44 unter anderem in der Region um Riwne ereignet hatten. Dem blutigen Treiben ukrainischer Nationalisten fielen nach unterschiedlichen Schätzungen bis zu 100.000 Menschen meist polnischer Abstammung zum Opfer. Was in Polen daher seit Langem als Genozid bezeichnet wird, ist in der Ukraine lediglich als Tragödie von Wolhynien bekannt. „Es ist wichtig, dass wir in diesem Projekt eine Möglichkeit hatten, über Geschichte zu sprechen und etwas daraus zu lernen“, resümiert die 17jährige Monika aus Warschau.

Doch auch gegenwärtige Entwicklungen sollten durch das Filmprojekt in den Blick genommen werden: So wurde als aktuelle Ursache von Flucht und Vertreibung schwerpunktmäßig der Krieg im Osten der Ukraine thematisiert. In diesem Zusammenhang fanden auch Gespräche mit Betroffenen aus dem Donezker Gebiet statt, die allen TeilnehmerInnen nachhaltig in Erinnerung blieben.

„Im Rahmen des Projektes setzen sich die Teilnehmerinnen und Teilnehmer auch mit unbequemen Wahrheiten auseinander und lernen, diese in die jeweiligen Kontexte einzuordnen. Das trägt zur sachlichen Auseinandersetzung mit einem Thema bei. Außerdem finde ich es schön, dass die

Jugendlichen in allen drei Ländern zusammenkommen und dadurch die unterschiedlichen Perspektiven kennen lernen - das prägt.“, so Veikko Frauenstein, Gesamtkoordinator des Projekts am Goethe-Institut Ukraine.

Auf technischer Seite standen erste Erfahrungen mit der Produktion von Filmen im Vordergrund. In mehreren Workshops verfassten die Schülerinnen und Schüler Narrative, erprobten Interviewtechniken und übten den Umgang mit audiovisuellem Equipment sowie Schneidesoftware. Im Anschluss an die Dreharbeiten wurde dann unter professioneller Anleitung eifrig geschnitten, arrangiert und untertitelt.

Nach sechs Tagen – und teilweise Nächten – harter Arbeit konnten die Ergebnisse schließlich am Freitag, den 28.04. im Geisteswissenschaftlichen Gymnasium in Riwne der Öffentlichkeit präsentiert werden. Die Beiträge fanden bei dem überwiegend jugendlichen Publikum großen Zuspruch und ernteten viel Applaus.

Mit der Vorstellung der Filme in Riwne ist das auf internationale Begegnung abzielende Projekt jedoch noch nicht zu Ende. Zwei weitere, mehrtägige Workshops im Sommer und Herbst werden die Schülerinnen und Schüler nach Polen und Deutschland führen. Vom 26.06. bis 02.07. und vom 21.10. bis 28.10. finden länderspezifische Recherchen sowie Dreharbeiten im ostpolnischen Lublin und der Bundeshauptstadt Berlin statt. Für eine erfolgreiche Fortsetzung der filmischen Arbeiten wurden in Riwne denkbar gute Voraussetzungen geschaffen. „In diesen ersten sieben Tagen des Projektes habe ich persönlich eine entscheidende Sache gelernt“, so die 18jährige Hanna aus Bremen. „Es gibt mehr als eine Wahrheit. Wir sind alle unterschiedlich und es ist nötig zu vermeiden die Welt in schwarz und weiß zu unterteilen. Deutschland, Ukraine, Polen, wir liegen nah beieinander und dennoch unterscheiden sich unsere Weltbilder von Person zu Person.“