Kult oder Kultur – die ersten Schritte

Anfang Juni 2016 fanden im Rahmen des komplexen Projekts „Kult oder Kultur: Entwicklung von partizipatorischen Praktiken in ukrainischen Museen“ zwei Einführungsworkshops in Charkiw und Saporishja statt. Das Ziel der beiden Veranstaltungen bestand darin, der ausgewählten Zielgruppe - Museumsmitarbeitern- Beispiele der partizipatorischen Praktiken in ukrainischen Museen vorzustellen und weitere Workshops im Juli unter Beteiligung von deutschen und finnischen Experten anzukündigen. Das Einführungsseminar wurde von der stellvertretenden Leiterin des Bleschtschunow-Stadtmuseums für Privatsammlungen in Odessa, Frau Soja Schyntschuk, durchgeführt.

Eröffnungsveranstaltung in Charkiw. Foto: Yulia Grubina Foto: Yulia Grubina Die wichtigste Botschaft ihres Vortrags bestand darin, dass Museen in einer freien Zivilgesellschaft in Kooperation mit Gemeinden und Kommunen Bürger für Partizipation an der Umsetzung von kreativen Vorhaben gewinnen müssen. Museen sehen sich dann nicht nur als eine Aufklärungsinstitution mit Monopol auf historisches Gedächtnis, auf Visionen der Vergangenheit und der Gegenwart, sondern führen ein Gespräch mit ihrem Auditorium in Form eines Dialogs, wobei die für Bürger wirklich sensiblen und wichtigen Fragen angesprochen werden. Erst dann werden Museen zum Teil ihrer Gemeinde und gestalten deren Geschichte und Entwicklung mit. Und wenn die Gemeinde dank diesem partizipativen Ansatz für Museumsarbeit gewonnen werden kann, bietet das den besten Schutz für museale Sammlungen und für das Überleben eines Museums insbesondere in krisenhaften Zeiten.Am Beispiel zahlreicher Ausstellungen im eigenen Museum stellte Frau Schyntschuk diese Praktiken den Seminarteilnehmern in Anlehnung an Erfahrungen des wohl resonanzträchtigsten Projekts des Bleschtschunow-Museums unter dem Titel „Mein junge Oma“ vor. Im Rahmen dieses Projekts, in das sich auch die Gemeinde stark engagiert hat, wurden am Beispiel der Lebensgeschichten einzelner Frauen die Geschichte und die Alltagskultur des 20. Jahrhunderts plastisch vor Augen geführt. Es wurden Gegenstände und Utensilien ausgestellt, die von Museumsbesuchern selbst bereitgestellt wurden, zudem führte man in Anknüpfung daran und auf Anregung der Gemeinde weitere Veranstaltungen durch. Damit wurden Bürger von Odessa nicht nur für eine konkrete Ausstellung gewonnen, sie haben das Museum als Teil ihres Alltags erlebt. „Es ist schon sehr wichtig, dass Bürger ein Museum als ihren eigenen Kulturraum empfinden, - hob Frau Schyntschuk in ihrem Vortrag hervor. - Dann werden seine Sammlungen wie eigene Familienreliquien bewahrt“.

Eröffnungsveranstaltung in Saporischja. Foto: Natalia Vasilieva Foto: Natalia Vasilieva Abschließend fasste der Leiter des Projekts „Kult oder Kultur: Entwicklung von partizipatorischen Praktiken in ukrainischen Museen“, Wlad Pioro, die Ergebnisse des Treffens zusammen und wies darauf hin, dass die Bewahrung von Sammlungen nur eine von vielen Aufgaben eines modernen Museums ist. Parallel dazu müssen Interpretation und Mediation laufen, ein Museum muss sich zu einer Plattform für Dialog entwickeln und seine Zielgruppen zum Nachdenken bewegen. „Ein Museum ist nicht eine Erzählung über Altes, es geht auch um die Zukunft, - unterstrich er. - Jeden Tag stellen sich neue Fragen in unserer Gesellschaft, es geht dabei auch um Wertvorstellungen, deshalb ist es sehr wichtig, aufgrund von Sammlungen und Lehren aus der Geschichte einen Dialog über aktuelle und unsere Zukunft mitprägende Werte zu gestalten“.

Die Einführungsworkshops in Charkiw und Saporishja wurden insgesamt von mehr als 130 Museumsmitarbeitern besucht. Zum Schluss haben sie Fragebögen ausgefüllt, die der Auswahl der Teilnehmer für Workshops im Juli zugrunde gelegt werden. Diese finden in Charkiw vom 11. bis 15. Juli in Coworking „Spalach“ statt. Als Referenten wurden die stellvertretende Leiterin des Nationalen Kunstmuseums Kiew, Frau Julia Waganowa, unabhängiger Kurator, Prof. Dr. Michael Fehr, Berlin, Mitarbeiterin der Abteilung für Öffentlichkeitsarbeit des Nationalen Kunstmuseums Kiew, Frau Olena Hontscharuk, Leiter der Abteilung Bildende Kunst, Darstellende Kunst, Film, Literatur, Musik, Stadtgeschichte, Wissenschaft München, Herr Mark Gegenfurtner, Referentin für Programmarbeit und Bildungskooperation des Goethe-Instituts in der Ukraine, Frau Friederike Möschel, Geschäftsführerin des Entwicklungszentrums für Museumswesen in Sankt Petersburg, Co-Veranstalterin des Projekts des russisch-US-amerikanischen Kulturaustausches „Museum Participation“ 2015, Helsinki, Frau Daria Agapowa, und Leiterin der Abteilung für internationale Jugendprojekte des Ukrainischen Zentrums für Museumsarbeit, Expertin im Bereich des modernen Museumsmanagements, Frau Maria Sadoroshna, Kiew, eingeladen.

  • Kult oder Kultur. Foto: Goethe-Institut / Vitalii Sydorenko Foto: Goethe-Institut / Vitalii Sydorenko
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