Über das Projekt „Luhansk’s ART & FACTS“

Über das Projekt „Luhansk’s ART & FACTS“. Foto: Eugene Sulimenko
Foto: Eugene Sulimenko

Das Ziel des Projekts „Luhansk’s ART & FACTS – Rettung des kulturellen Erbes im Donbass“ ist es, ein virtuelles Museum zu erstellen, in dem Artefakte des kulturellen und öffentlichen Lebens aus Luhansk von der Orangenen Revolution bis zum Euromaidan aufbewahrt werden. Das virtuelle Museum wird aus verschiedenen Bereichen bestehen, die von Veranstaltungen und wichtigen kulturellen Orten in Luhansk, über für das öffentliche und kulturelle Leben bedeutende Personen, sowie künstlerische sowie gesellschaftliche Bewegungen, die während dieser Zeit in der Stadt aktiv waren, berichten. Es wird ebenso digitalisierte Artefakte beinhalten, wie etwa Bücher, Schriften, Bilder, Fotos, etc.

Diese virtuelle Drehscheibe ist dazu angedacht, gleichzeitig ein Online-Museum und ein Archiv zu sein. Besucher des Museums werden in die Lage versetzt, Kunstausstellungen, Kulturzentren und Museen anzuschauen und sich mit denjenigen Menschen vertraut zu machen, die das kulturelle Leben der Stadt für ein Jahrzehnt prägten. Soziologen, Kulturwissenschaftler und Historiker werden das Archiv für ihre zukünftigen Forschungszwecke nutzen können. Künstler und Künstlerinnen, die während dieses Zeitraums in Luhansk arbeiteten, erhalten so die Chance, ihre Werke nicht nur in der Ukraine sondern auch im Ausland zu präsentieren.

Luhansk’s ART & FACTS. Foto: Eugene Sulimenko Foto: Eugene Sulimenko Die Idee, ein virtuelles Museum über die Kultur und das zivilgesellschaftliche Leben in Luhansk zu erstellen, entstand zu Beginn der bewaffneten Konflikte im Osten der Ukraine. Während einer Präsentation der Jugendorganisation STAN (die in Luhansk vor dem bewaffneten Konflikt gegründet worden war und dort mehrere Jahre lang arbeitete) auf einer internationalen Konferenz wurde schnell deutlich, dass es wenige Experten gab, die über das kulturelle Leben in Luhansk Bescheid wussten. Studierende und Aktivisten stellten Materialien über Luhansk vor, vor allem eine „Kulturelle Landkarte von Luhansk“, die von der Jugendorganisation STAN entwickelt worden war. Unverhofft wurde dadurch erkennbar, dass sich durch den Konflikt im Donbass plötzlich alltägliche Objekte des täglichen Lebens aus Luhansk zu museumswürdigen Artefakten wandelten. Durch sie wird die Existenz eines kulturellen Lebens und gesellschaftlicher Aktivitäten in Luhansk bewiesen und sie müssen deshalb erhalten bleiben. Anderenfalls werden sie für die Geschichte verloren gehen.

Nichtsdestotrotz gibt es bei der Ausführung des Projekts bestimmte Komplikationen aufgrund des bewaffneten Konflikts, der die Ansammlung und Erfassung der Artefakte erschwert. In der Tat sind viele von ihnen für immer verloren. Im Gegensatz zu traditionellen Museen, in denen Ausstellungen über Jahrzehnte wachsen, versucht das Projekt „Luhansk’s ART & FACTS – Rettung des kulturellen Erbes im Donbass“ auch kulturelle und zivilgesellschaftliche Veranstaltungen und Materialien zu sammeln und zu digitalisieren, die in Form von Erinnerungen existieren. Die Suche danach und nach übereinstimmenden Unterlagen ist nicht einfach.

Die Organisatoren des Projektes betonen ihre Offenheit in dieser Zusammenarbeit und laden kulturell und zivilgesellschaftlich agierende Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens, die daran Interesse haben, das kulturelle Erbe des Donbass zu bewahren und über Material verfügen, das sich auf das kulturelle und gesellschaftliche Leben in Luhansk zwischen 2004 und 2013 bezieht, gerne dazu ein.

Luhansk’s ART & FACTS. Foto: Eugene Sulimenko Foto: Eugene Sulimenko In der Ukraine gibt es bislang wenig Erfahrung in der Gestaltung von Museen, die – mit Ausnahme des Maidan Museums - moderne und zeitgenössische Artefakte zeigen. Deshalb besuchte das Projektteam im Rahmen der Vorbereitung und Implementierung eines virtuellen Museums sein deutsches Partnerteam in Berlin. Während eines zweitägigen Workshops trafen sich die Mitglieder der Jugendorganisation STAN und ein Vertreter des Goethe-Instituts Ukraine mit den deutschen Museumsspezialistinnen, der Kuratorin Jana Braun und der freien Wissenschaftlerin Melanie Krebs, im Friedrichshain-Kreuzberg Museum. Das Team machte sich mit Beispielen, wie lokale Geschichte erhalten wird, und der Methodologie dieses Arbeitsfeldes vertraut. Dadurch erhielt das Projekt eine neue wissenschaftliche Dimension.

Die grundsätzliche Erwartung der Organisatoren dieses Projekts ist es, dadurch ein Vorbild für andere Regionen zu werden, wie ein virtuelles Museum über zeitgenössisches Kulturleben gestaltet werden kann. In vielen anderen Städten gibt es tatsächlich auch eine kulturelle Vielfalt, die oftmals nicht als erhaltenswert betrachtet wird. Ähnlich war die Situation auch in Luhansk bis der militärische Konflikt begann.

Luhansk’s ART & FACTS. Foto: Julia Appen Foto: Julia Appen Das Projekt ist ein Versuch ein Beispiel dafür zu geben, dass es möglich ist, die lokale Geschichte zu bewahren, auch in Zeiten von Krieg und Konflikten, und dass es auch dann machbar ist, Archive und Museen zu gründen, in denen die Erinnerungen am Leben erhalten werden. Das Projekt wird von Menschen getragen, die einen maßgeblichen Beitrag zu dem virtuellen Museum leisten; dazu gehören interessierte Bürger, Experten aus verschiedenen Bereichen, Recherchejournalisten, Wissenschaftler und einheimische Forscher.