Drama on the move. Germany
Transmission.UA

Beschreibung

Ziel des Programms Transmission.ua: drama on the move. Germany ist die Etablierung ukrainischer Dramatik im Repertoire deutscher Theater und zugleich die Schaffung von Bedingungen, die es der zeitgenössischen ukrainischen Dramatik ermöglichen, in die deutschsprachige Theaterlandschaft Eingang zu finden und sich im Bewusstsein von Regisseur*innen, Intendant*innen, Kulturmanager*innen, Zuschauer*innen, Journalist*innen und Kritiker*innen zu etablieren.
 

Das Programm Transmission.ua: drama on the move des Ukrainischen Instituts zur Förderung der Übersetzung, Verbreitung und Inszenierung zeitgenössischer ukrainischer Dramatik und Bühnenfassungen zeitgenössischer ukrainischer Prosa soll im Zeitraum 2020-2022 in drei Ländern realisiert werden: Polen, Deutschland, Großbritannien. Ziel des Programms ist die Vermittlung von Kenntnissen über die zeitgenössische Ukraine und die Ukrainer*innen durch Theatertexte sowie eine stärkere Sichtbarkeit der Ukraine in der europäischen Theaterlandschaft. Die Idee für dieses Programm entstand aufgrund der schwachen Präsenz zeitgenössischer ukrainischer Theatertexte auf den europäischen Bühnen sowie eines Mangels an Übersetzungen innovativer Theatertexte.

Kontext

Die ukrainische Dramatik (sowohl die zeitgenössische als auch die klassische) ist kaum auf den Spielplänen deutscher Theater vertreten, jedoch gibt es seit 2012 verstärkte Bemühungen seitens deutscher Theaterschaffender und Netzwerke, ukrainische Regisseur*innen und Dramentexte in den Theaterbetrieb zu integrieren. Dabei handelt es sich allerdings eher um sporadische Aktionen, die auf Initiative und mit finanzieller Unterstützung europäischer Institutionen erfolgen.

Eine Annäherung des ukrainischen und des deutschen Theaterbetriebs begann 2012 mit dem Dramenwettbewerb Über Grenzen sprechen, einem Projekt des Regisseurs und Dramaturgen Christian Papke, dessen erklärtes Ziel es war, mentale Grenzen zwischen Westeuropa und seinen unmittelbaren Nachbarn zu überwinden. Zuvor war der Wettbewerb in Makedonien, Serbien, Kroatien, Bosnien und Herzegowina, Albanien, Bulgarien, Rumänien und Georgien durchgeführt worden. Das Siegerstück Hohe Auflösung des Charkiwer Autors Dmytro Ternovyj wurde ins Deutsche übersetzt und in großer Auflage in Österreich gedruckt. Am 09.06.2014 hatte das Stück seine Uraufführung am Badischen Staatstheater Karlsruhe. Im selben Jahr waren zehn ukrainische Regisseur*innen und Kurator*innen zu Gast auf einer Theaterkonferenz in Braunschweig. Im Anschluss an diese Reise wurde 2015 ein internationaler Showcase des ukrainischen Theaters durchgeführt.

2016 fand am Theater Magdeburg das Festival Wilder Osten. Ereignis Ukraine statt, in dessen Rahmen drei ukrainische Regisseur*innen gemeinsam mit Schauspieler*innen des Magdeburger Ensembles Stücke ukrainischer Dramatiker*innen inszenierten: Am Anfang und am Ende aller Zeiten von Pavlo Arie (Regie Stas Zhyrkov), Die Frauen und der Scharfschütze von Tetjana Kyzenko (Regie Oleksandra Sentschuk) und Der Wij 2.0 von Natalia Vorozhbyt (Regie Maksym Golenko). Außerdem wurden sechs Stücke in Form von szenischen Lesungen präsentiert: FEMENismus von Den Gumennyj, Bring mir aus Lwiw mit, was es in Saporischschja nicht gibt von Anastasija Kosodij, Wie man an einem Sonntagabend einen toten Hund loswird und Die Entwicklung der Kaffeekultur von Witalij Tschenskyj, Leere von Maksym Tschernysch sowie Sascha, bring den Müll raus von Natalia Vorozhbyt.

Die nächste nennenswerte Präsentation ukrainischer Dramatik erfolgte 2017 mit dem Gastlandauftritt der Ukraine im Rahmen des Heidelberger Stückemarkts. Als szenische Lesungen wurden die Texte Öko-Ballade von Olga Mazjupa, Lora von Oksana Sawtschenko und Das Nordlicht von Wolodymyr Snihurtschenko präsentiert.

2018 wurde am Staatstheater Stuttgart das Projekt Cherson 1918-2018 realisiert, den Text schrieb Maksym Kurotschkin auf der Grundlage dokumentarischen Materials von Andrij Maj, der auch Regie führte. Ferner sollte Stas Zhyrkovs Inszenierung von Pavlo Aries Warum überlebt Michailo Gurman nicht?, eine zeitgenössischen Interpretation von Iwan Frankos Das gestohlene Glück, 2017 am Theater Magdeburg erwähnt werden.

2018 wurden im Rahmen des Projektes "Next Stage Europe" des Goethe-Instituts Auszüge folgender Stücke übersetzt, in einer Anthologie herausgegeben und teilweise als szenische Lesung am Hans Otto Theater Potsdam präsentiert: Ihor und Roma von Oleksij Dorytschewskyj, Verdammte Biester von Jewhen Markowskyj und Papa von Olena Roman (Hapejewa). 2019 wurde im Rahmen dieses Programms der Text Stimmen im Kopf von Oksana Maslowa übersetzt und in einer szenischen Lesung präsentiert.

Die Inszenierung Herbst auf dem Pluto von Saschko Brama war 2019 zum Stückemarkt des Berliner Theatertreffens eingeladen.

Autor*innen und Stücke 2020


Horizont 200. So nennen die Bergleute eine Tiefe von zweitausend Metern unter der Erde. Das Stück handelt auch von zweitausend Kilometern quer durch die Ukraine von Nord nach Süd, von Ost nach West. Von unserer Möglichkeit zu sehen und dem fehlenden Wunsch hinzusehen. Von denen, die nicht zurückkehren. Von Perspektiven. Von den verzerrten Gesetzen der Realität. Von turbulenten Zeiten. Es ist kein Stück über Bergleute, obwohl es auf dokumentarischem Material basiert, das auf Reisen durch die Kohlebecken der Ukraine gesammelt wurde. Es ist ein Stück über uns in einer historischen Gefahrenlage. Wie weit oder eng kann der eigene Wahrnehmungshorizont sein in einer Situation, in der man sich entscheiden muss, Fragen zu stellen oder keine Fragen zu stellen?

Das Stück spielt an einem imaginären Ereignishorizont, an einem Ort ohne Zeit, wo die uns bekannten physikalischen Gesetze außer Kraft gesetzt sind, wo sich Ansichten und Gedanken ändern, um die Gesetze der neuen Realität verstehen und jene erfassen zu können, die wir Vergangenheit nennen. Die Figuren sind nach einer Explosion im Schacht in den Trümmern steckengeblieben. Sie warten auf Rettung, warten auf das Rettungsteam. Man könnte meinen, dass sie die Menschheit sind, die innehält und ihre Errungenschaften betrachtet. Oder auch nicht. Die Umstände, in die sie geraten, sind Anlass für uns als Generation, für einen Augenblick innezuhalten, durchzuatmen, weiterzugehen und den nächsten Horizont zu erkennen. Oder auch nicht.
 

Olena Aptschel


1986 in Nowotrojizke, Gebiet Donezk geboren, ist freie Theaterschaffende, Regisseurin, Performerin, Kulturwissenschaftlerin, Drehbuchautorin, Dramatikerin, Kulturmanagerin. Autorin zahlreicher wissenschaftlicher Arbeiten, unterrichtete fünf Fächer an der Fakultät für Theaterkunst (Lehrstuhl für Regie der Charkiwer Staatlichen Kulturakademie).

2008 Preis für Regie des VI. Festivals freier Theater KURBALESIJA (Der Ruderer). 2009 „Beste Regie“ des VII. Festivals freier Theater KURBALESIJA (Mein erster Mann).
Seit 2014 Co-Autorin der Charkiwer Schule für Schauspielkunst und performative Künste TESTO.
2016 Autorin des sozio-theatralen Forschungsprojekts Zonen der Toleranz des interreligiösen Dialogs OPOSITORIUM (Charkiw).
Seit 2017 Co-Autorin, künstlerische Leiterin und Regisseurin des freien Charkiwer Theaters SEHR BEKANNTES THEATER (Hammer im Mund, Familiär).
2017-2019 Chefregisseurin des Akademischen Theaters Lesja Ukrajinka Lwiw (Weihnachtsgeschichte, Horizont 200).
2019 Co-Autorin des Konzepts für die Hauptausstellung der Ersten Baracke des Gedenkmuseums totalitärer Regimes TERRITORIUM DES TERRORS (Lwiw).
2020 Regisseurin und Co-Autorin der Inszenierung Die Familie der Pathologin Ljudmyla, Akademisches Theater Goldenes Tor (Kiew).

Teilnahme an den internationalen Projekten und Seminaren:
Karte der Angst/Karte der Identität (Lwiw – Charkiw),
Time Capsule (Wrocław),
Regisseur*in – Dramatiker*in – Dramaturg*in: Ideenfindung (Gebiet Kiew),
Wieso denken? (Lwiw),
Held. Heldin. Heldentum (Gebiet Cherson),
Druck – Unterdrückung – Emanzipierung (Lublin),
Wiederholung (Gebiet Tschernihiw).

Gastaufenthalte an den polnischen Theatern Teatr Powszechny (Warschau), Teatr im. Ludwika Solskiego (Tarnów), Teatr Wybrzeze (Gdańsk).

2016 Co-Autorin der Idee für die performative Installation GamePray im Rahmen des 24-Stunden-Projekts DŁUGI OBIEG/LONG CYCLE am Stary Teatr (Kraków).
2019 Autorin und Regisseurin der autobiografischen Inszenierung Wezi am Teatr Wybrzeze (Gdańsk) – Preis für das beste Regiedebut auf dem Festival Nie/Obecny (Bydgoszcz).
 

Oksana Dantschuk

1990 in Seweryniwka, Gebiet Wolyn geboren, ist Managerin der Künstlerischen Werkstatt Drabyna. Mitbegründerin der Ersten Bühne für zeitgenössische Dramatik Drama.UA, Kuratorin des Wettbewerbs für ukrainischsprachige Dramatik Drama.UA. Chefdramaturgin des Akademischen Theaters Lesja Ukrajinka Lwiw.
 
 

Vier Frauen, die nach Musikinstrumenten benannt sind, erzählen von ihrem ruhigen, stabilen Leben im „Sanatorium“. Hier gibt es alles, was man zum Leben braucht, nur ein bisschen langweilig ist es. Um sich zu unterhalten, erzählen sie sich von ihrem Leben. Jede hat ihre eigene Geschichte. Aber alle vier haben etwas gemeinsam, das, was sie hierher geführt hat – Mord. Das Sanatorium entpuppt sich als Straflager, die Frauen als zu lebenslänglicher Haft Verurteilte. Den Rest ihres Lebens müssen sie im „Lager im Lager“ verbringen. Was gibt diesen Frauen Hoffnung und haben sie ein Recht darauf? Der Text basiert auf Interviews mit zu lebenslänglicher Haft verurteilten Frauen.
 

Tetjana Kyzenko

1977 in Tschuhujew geboren, war Preisträgerin der Woche der zeitgenössischen Dramatik (2011, 2012, 2013) und des Dramenwettbewerbs Drama.UA, Teilnehmerin des Festivals Ljubimowka (Moskau 2014), Longlist des Festivals Eurasia (Jekaterinburg 2013) und des Woloschyn-Wettbewerbs (2017). Long- und Shortlist des Wettbewerbs Remarka (2015, 2017). Teilnehmerin der Festivals SPECIFIC (Brno 2014) und Wilder Osten. Ereignis Ukraine (Magdeburg 2016).

Gewinnerin des Wettbewerbs Koronazija slowa (Kiew 2015), Grand Prix des Wettbewerbs des Free Theatre (London-Minsk 2016). Kuratorin der Projekte Dokument!, Drama der Freiheit und Im Visier. Zeitgenössische Dramatik (Charkiw). Autorin und Kuratorin des sozio-künstlerischen Projekts Lebenslänglich wichtig (2018-2019).

Inszenierungen:
Auf der Suche nach dem Helden (Haus der Kultur Pryluky 2014, Regie Artemij Anischtschenko)
Auf der Suche nach dem Helden (Theater Tschernihiw 2017, Regie Artemij Anischtschenko)
PENITA.opera (2019 im Rahmen des Projekts Lebenslänglich wichtig, Komposition Zoltan Almaschi, Regie Maksym Golenko)

Inszenierungen im Ausland:
Die Frauen und der Scharfschütze (2016, Theater Magdeburg, Regie Oleksandra Sentschuk)
Lesungen:
Drei Nietzsche (2014 Brno, im Rahmen des Festivals SPECIFIC)
Ein Raum absoluter Stille (2014 Brno, im Rahmen des Festivals SPECIFIC)
Die Frauen und der Scharfschütze (2014 Brno, im Rahmen des Festivals SPECIFIC)

Ein Stück über ukrainischen Antisemitismus. Basierend auf Berichten von (ukrainischen) Augenzeugen des Holocaust, den aktuellen Ereignissen in Babyn Jar und Klezmer (Musik des osteuropäischen Judentums) entsteht eine Textreflexion, deren wesentliches Anliegen es ist, eine neue Möglichkeit zu finden, über eine Tragödie zu sprechen, die sich weltweit in die Kultur eingekerbt hat, in der Ukraine aber auf sozialer/künstlerischer/politischer Ebene nach wie vor kaum Eingang gefunden hat.
Mein Uropa lebte in einem kleinen polnischen Dorf und war Polizist.
Der Obelisk neben dem Erschießungsgraben in Nowoslatopil wurde in den sechziger Jahren aufgestellt, in der Forschungsliteratur wird er als „konturlos“ bezeichnet.
Am Ausgang der Metro-Station Dorohoschytschi spielt ein Mann auf dem Akkordeon Hava Nagila.
Das Stück ist der Versuch, eine Möglichkeit zu finden, darüber zu sprechen, wenn es die überhaupt geben kann.
 

Anastasija Kosodij

1991 in Saporischschja geboren, ist eine ukrainische Dramatikerin und Theatermanagerin. 2016 gründete sie gemeinsam mit Kolleg*innen das Theater Saporischschjer neues Drama. Schwerpunkt der Theaterarbeit waren die zeitgenössische ukrainische Dramatik und aktuelle Probleme der Gesellschaft.
2017 realisierte sie das Projekt Theaterlabor: Hinter den Grenzen der Angst: Teilnehmerinnen aus sechs Städten in Frontnähe lernten Theaterkunst und -management, um in ihren Städten unabhängige Theaterplattformen gründen zu können.

2017-2018 nahm Anastasija Kosodij an dem Projekt Krieg im Frieden des Berliner Maxim Gorki Theaters, des Literarischen Colloquiums und der Robert Bosch Stiftung teil. Im Rahmen dieses Projekts schrieb sie den Text Timetraveller's Guide to Donbas, der sich mit dem Krieg zwischen Russland und der Ukraine auseinandersetzt und in der Übersetzung von Lydia Nagel im Studio des Gorki Theaters präsentiert wurde. Später wurde das Stück am Lesja-Ukrajinka-Theater in Lwiw inszeniert.
2019 war Anastasija Kosodij Teilnehmerin des Internationalen Forums der Berliner Festspiele. Im selben Jahr war sie als eine von drei Dramatiker*innen an dem ukrainisch-deutschen Projekt Stadt zum Mitnehmen beteiligt, in dessen Rahmen Teenager aus den Gebieten Donezk und Luhansk Geschichten über ihre Stadt erzählten.

Gegenwärtig arbeitet sie als Chefdramaturgin des freien Theaters PostPlay in Kiew.

Dascha, einer jungen Frau, die an einer Angststörung leidet, wird plötzlich klar, dass sich in ihrem Bauch eine echte Zeitbombe befindet. Als Aktivistin setzt sich Dascha für die Rechte von Transgender-, Agender- und anderen nicht binären Menschen ein. Dass sie eine Bombe in sich trägt, erfährt auch der Staat und sie wird gedrängt, die Bombe explodieren zu lassen. Wenn Dascha die Bombe zündet, verändert sie damit die Vergangenheit der Ukraine. Es wird keinen Krieg geben und keine Maidan-Bewegungen. Aber was dafür kommt, weiß niemand.

Die Bombe hat sich in ihr angelegt, als die Ukraine unabhängig wurde. Dascha war da noch ein Kind und hat ihre erschöpften Eltern agitiert, wählen zu gehen. Außerdem ist die Bombe aus der Atomenergie entstanden, die die Ukraine verloren hat und die in Dascha eingegangen ist, weil sie eine echte Ukrainerin ist und nie Sexualkontakt mit einem Russen hatte. Zudem hat sie große Schuldgefühle wegen allem. Und genau darüber funktioniert die Bombe der Vergangenheit. Wie wird sich Dascha entscheiden – für die Vergangenheit der Ukraine zu sterben oder weiter mit der Bombe zu leben?
 

Natalia Blok

1980 in Cherson geboren, ist Dramatikerin, Regisseurin und regelmäßige Teilnehmerin an ukrainischen und internationalen Dramatik-Festivals.
Preisträgerin der Woche der zeitgenössischen Dramatik, Finalistin des Dramenwettbewerbs Drama.UA und des Festivals für Monodrama (Georgien), Kuratorin des Wettbewerbs für Kinder- und Jugendstücke der Woche der zeitgenössischen Dramatik.

Drehbuchautorin und Regisseurin zahlreicher Dokumentar- und Spielfilme. Arbeitete als Dramaturgin am Staatlichen Akademischen Mykola-Kulisch-Theater. Über zehn Inszenierungen an staatlichen und freien Theatern der Ukraine.

Das Stück beginnt am 12. Juni 2012 während der Fußball-EM im Fernbus Lwiw-Lublin. An diesem Tag findet das Spiel Russland gegen Polen statt. In den Bus steigen Frauen und Männer, die in Grenznähe leben und jeden Tag Zigaretten und Alkohol schmuggeln. Außerdem sind noch ein polnisches Ehepaar, eine Frau aus Luhansk und eine Studentin in dem Bus. Die Frauen verstecken ihre Schmuggelware und geraten mit den anderen Passagieren in Konflikt. Kurz vor der Grenze erfahren sie dann, dass sie wegen der Beerdigung des polnischen Zoll-Chefs von King Kong kontrolliert werden – das ist der Spitzname einer der Zöllnerinnen, die sehr streng ist und vor der alle Angst haben. Die Schmuggler*innen geraten in Panik. An der Grenze wird der Bus „auf die Grube“ geholt, eine ausführliche Kontrolle, während der nicht nur der Schmuggel von Zigaretten und Alkohol auffliegt, sondern auch der von illegalen Migrant*innen mit gefälschten Pässen. An der Grenze beginnen sich seltsame Dinge zu ereignen. Eine Frau, die sich in der Toilette versteckt hat, behauptet, dass sie Gräber in einem Dorf besuchen will, das es auf der aktuellen Landkarte nicht gibt. Die Frau aus Luhansk sagt, dass sie vor dem Krieg flieht. Auch stellt sich heraus, dass das polnische Ehepaar sich nur für ein polnisches Ehepaar ausgegeben hat, sie haben gefälschte Pässe. Während die Details geklärt werden, packt einer der Schmuggler King Kong, die Passagiere sperren sie in die Bustoilette und brechen nach Europa auf. Am nächsten Morgen stellt sich heraus, dass der Bus nicht nach Westen, sondern nach Osten gefahren ist. Überraschenderweise hält der Fahrer bei der Donbas-Arena vor dem Spiel England gegen Frankreich, wobei in Wirklichkeit nicht klar ist, wer gegen wen spielt. Die Passagiere werden beauftragt, das Stadion in die Luft zu sprengen. Eine der Frauen, Nadja, behauptet, dass das Ende der Welt kommen wird. Aber der Sprengstoff funktioniert nicht, das Spiel geht weiter.
 

Olga Mazjupa

1988 in Pidhirzi, Gebiet Lwiw geboren, ist Dramatikerin und Theaterwissenschaftlerin. Sie hat ein Studium der Serbistik an der Nationalen Iwan-Franko-Universität in Lwiw absolviert. Von 2011 bis 2016 studierte sie an der Marie-Curie-Skłodowska-Universität in Lublin mit dem Abschluss Doktor der Philosophie in Theater- und Literaturwissenschaft. Ihre Dissertation unter der Leitung von Professorin Iryna Lappo war Fragen der Andersartigkeit in der zeitgenössischen polnischen Dramatik gewidmet. 2014 war sie an der Akademie der dramatischen Künste in Zagreb zu Gast.

2015-2018 initiierte sie die Gründung der Plattform TransDramaticum in Lublin, in deren Rahmen Lesungen zeitgenössischer Dramatik stattfanden, eine Übersetzungswerkstatt sowie kunsttherapeutische Workshops für Migrant*innen organisiert wurden. 2019 war Olga Mazjupa Stipendiatin des Programms Gaude Polonia.

Ihre Stücke standen mehrfach auf den Long- und Shortlists der Wettbewerbe Woche der zeitgenössischen Dramatik (Kiew), Drama.UA (Lwiw) und Ljubimowka (Moskau).
2017 gewann ihr Stück Öko-Ballade den Internationalen Autorenpreis des Heidelberger Stückemarkts. Eine szenische Lesung des Stücks in der deutschen Übersetzung von Lydia Nagel fand im Rahmen des Heidelberger Stückemarkts 2017 statt (Regie Sonja Winkel).

In Polen arbeitet Olga Mazjupa mit der Regisseurin Katarzyna Szyngiera zusammen. 2018 war sie als Dramatikerin an der Inszenierung Lwiw geben wir nicht her am Wanda-Siemaszkowa-Theater in Rzeszow beteiligt, die den ukrainisch-polnischen Beziehungen gewidmet war. Gegenwärtig arbeitet sie an einer neuen Inszenierung über die ukrainisch-polnische Grenze. Die Premiere war für den 21. November 2020 am selben Theater geplant. Zwei ihrer Stücke wurden ins Polnische übersetzt.

Nadja, die Hauptfigur des Stückes, läuft vor den schrecklichen Arbeitsbedingungen als Pflegekraft in der Woiwodschaft Wielkopolska weg und findet sich nachts mitten im Wald wieder. Auf der Suche nach einer Bleibe kommt sie zu einem Hostel, das sich in der ehemaligen Leichenhalle des alten jüdischen Friedhofes befindet, in der Nähe von fünf Schweineställen. Hier trifft sie auf ukrainische Arbeitsmigrant*innen: Tolik, Edik, Wasjok, Seryj – einen Fahrer aus Luhansk, die Reinigungskraft Uljana und ihren Mann Bohdan, der Arbeitskräfte nach Polen bringt. Sofort ist klar, dass Bohdan ein erfolgreicher Geschäftemacher ist, der hier alles bestimmt: Er missbraucht seine Frau und betrügt seine Landsleute. Die anderen erscheinen als freundliche Menschen in einer misslichen Lage. Die kleine Gemeinschaft findet Nadjas Sympathie und weckt in ihr den Wunsch, ihnen zu helfen, ihre Lage irgendwie zu verbessern. Allerdings ziehen diese freundlichen Menschen Nadja recht schnell in ihre Muster des Geldverdienens und gegenseitiger Abhängigkeiten hinein, weil alle etwas zu verbergen haben.
 

Kateryna Penkowa

1983 in Donezk geboren, absolvierte die Kiewer Akademie für Unterhaltungs- und Zirkuskunst als Schauspielerin für Sprechtheater. Ihre ersten Stücke schrieb sie 2012. Sie erhielt eine Auszeichnung des Literaturwettbewerbs Koronazija slowa und war Teilnehmerin der Festivals Drama.UA und Woche der zeitgenössischen Dramatik. Nach einer längeren Pause schreibt sie seit 2018 wieder Dramentexte. Sie nahm an Werkstätten des Jungen Theaters, des PostPlay-Theaters und des Nationalen Verbandes der Theaterschaffenden der Ukraine teil.
2019 waren drei ihrer Texte auf der Shortlist der Woche der zeitgenössischen Dramatik.
Inszenierungen:
Schweinefleisch – Theaterlabor von Oksana Koljadenko (2020)
An den Titel kann ich mich nicht erinnern – Jugendtheater Tschernihiw (2020)

 


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