Intervention Right to move_Toni Serra / Abu Ali: "Die Grenze als Zentrum"

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Mo, 23.05.2016

20:00 - 21:00

Goethe-Institut Barcelona

Frontex

"Es ist schwer zu erklären, wie es möglich ist, dass diese angeblich zivilisierte Gesellschaft, zu der Du schutzsuchend geflohen bist, so brutal ist" (1)

Die Grenzen als Knoten und Einschnitte der Macht, als Orte der Ansammlung von Repression, Kontrolle und Selektion unterliegen einem radikalen Wandel, sie verändern sich nicht nur indem sie sich erweitern und verfestigen, sondern sie breiten sich auch mit neuen Machtinstrumenten nach innen aus: Internierungslager (CIE), Auffanglager, Büros und Agenturen verschiedenster Art vermehren sich und fungieren wie innere Grenzen. Kontrollinstanzen bewegen sich wie Scanner, die durch die Städte und Territorien fegen und mit ihrer repressiven Logik die gesamte Gesellschaft kontaminieren. Sie werden auf die Weise nicht nur in Orte zur Internierung von Migranten verwandelt, sondern gelten wesentlich als Labor, um neue totalitäre Regime hervorzubringen.

Im Zeitalter der maximalen Bewegungsmobilität können Touristen, Geschäftsmänner und -frauen jederzeit die Grenzen durchqueren und dürfen sich deshalb privilegiert fühlen, jedoch müssen sie sich mit den Filtern und den Ritualen der Kontrollen konfrontieren, die sie selbst bestimmt haben, aber indem sie dies tun ermöglichen sie auch automatisch, dass diese Logik allgemein ausgeführt wird. Durchqueren, für wahr, aber kommen sie wirklich irgendwo an? Oder bewegen sie die Grenzen mit sich, und bringen sie sie ins Innerste der Gesellschaften, die sie besuchen?

Das Thema der Migration entfaltet sich als zentrales Schlüsselthema, das grundlegend die heutige Kultur und Gesellschaft in Frage stellt. Diese Befragung geschieht auf verschiedenen Ebenen, nicht nur auf der politischen, sozialen und wirtschaftlichen, sondern auch auf der kulturellen, symbolischen und imaginären Ebene. Auf diese Weise wird einer grundlegenden Transformation die Tür geöffnet, demjenigen, der da ist, gibt man und man nimmt die Richtung, die das Umschweifen unserer gesamten Kultur markieren wird.

Text von Abu Ali

(1) Forst, von Ascan Breuer, Ursula Hansbauer, Wolfgang Konrad, Julia Lazarus und The Voice Refugee Forum. 2005 Österreich. Originalfassung auf Englisch mit Untertiteln auf Spanisch, 50 Min.

Toni Serra (Abu Ali) (Manresa, 1960) ist ein katalanischer Filmemacher, Autor von Videos, Texten und anderen Submedien und lebt aktuell in Marokko und Barcelona.

Serra benutzt das Video als kritisches Medium und zur Reflexion auf das westliche symbolische Modell und verwendet dieses Hilfsmittel, um Kreationen zu schaffen, die sich zwischen experimentellem Essay, Poesie, Traum und unabhängigem Dokumentarfilm bewegen. Er ist Co-Direktor und Gründungsmitglied der OVNI Archive (Observatorio de Vídeo No Identificado) seit dem Jahr 1994, ein Partnerprojekt des Centro de Cultura Contemporánea de Barcelona, wo Forschungsarbeiten, Programme und kritische Texte vorgestellt werden. Außerdem hat er seine Laufbahn ausgeweitet in das Feld der medialen Archäologie (Archivos Babilonia, Je vous ai Compris, Una Cruz en la Selva) und der Essays (El discurso del Silencio, Periferias, Crítica de la Ausencia, Sóviet Derviche, Ágoras y Fronteras). Er ist Initiator des Projekts Ru'a [Visions], das Videos der arabischen und islamischen Welt zusammenträgt, und hat von 1996 bis 1997 im MACBA Barcelona mit der regulären Programmierung von Videos gearbeitet.
 
Toni Serra ist Absolvent in Kunstgeschichte und hat Doktorandenkurse an der Philosophischen Fakultät der Universität von Barcelona belegt. Er hat Video und Fotografie an der Film and Video Arts, School of Visual Arts studiert sowie am Brooklyn College von New York.
 
Einige der herausragendsten Videoarbeiten des Autors sind: Pura Fe (New York 1991), Wahab (Tánger 1994), Minnesota 1943 (Barcelona 1995), WSB Hassan Sabbah (Barcelona 1998), Perro Corazón (Tánger 2000), Istishara 2004 (Marrakesh 2004), Next Hundred Years (New York 2004), Last Night Dhikr (Marrakesh 2007), Al Barzaj (Marrakesh 2010), Satsanga (Marrakesh 2013) y la serie de vídeos sobre rituales en Marruecos Hamdulillah.

 

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