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Residenzprogramm
Thomas Mann House Los Angeles

Visualisierung des zukünftigen Thomas Mann House    Copyright: © rebuild.ing GmbH/H2S Architekten
Visualisierung des zukünftigen Thomas Mann House | Copyright: © rebuild.ing GmbH/H2S Architekten

Thomas Mann errichtete während seines kalifornischen Exils im Jahr 1942 in Pacific Palisades / Los Angeles ein Haus, das für zehn Jahre zu einem Ort künstlerischen Schaffens und intellektuellen Austauschs unter Wissenschaftlern, Künstlern und Intellektuellen seiner Zeit werden sollte.

Von Fragen und Redaktion: Benjamin Bergner and Schayan Riaz

Im November 2016 erwarb das Auswärtige Amt das Haus für die Bundesrepublik Deutschland, um es als einen Ort des Nachdenkens und der Diskussion über gemeinsame Herausforderungen unserer Zeit wiederzubeleben. Zugleich sollte das Haus auch als Erinnerungsort an das kalifornische Exil der Familie Mann erhalten bleiben.

Mit den Thomas Mann Fellowships soll das Haus wieder zu einem Ort werden, von dem Debatten zu grundlegenden Gegenwarts- und Zukunftsthemen auf beiden Seiten des Atlantiks, auch mit Blick auf den Pazifik, angestoßen werden.

Das ehemalige Wohnhaus von Thomas und Katia Mann in Los Angeles wird eine Residenz für Kulturschaffende und Intellektuelle. Sie liegt in den Händen des „Villa Aurora & Thomas Mann House e.V.“ – das Goethe-Institut entsendet den Programmdirektor Nikolai Blaumer, der im Interview den aktuellen Stand der Planungen erläutert.

Portrait Nikolai Blaumer sw  © loredana la rocca © loredana la rocca Herr Blaumer, Sie sind der Programmdirektor des Thomas Mann House in Los Angeles. Was erwartet Sie aktuell vor Ort?
Ich freue mich sehr darauf, das Programm des Hauses mit den Kolleginnen und Kollegen vor Ort neu aufzubauen.
Das Thomas Mann House befindet sich in einem Viertel mit einer beeindruckenden intellektuellen Vergangenheit. Adorno, Horkheimer, Brecht, Eisler, Schönberg, Feuchtwanger – sie alle haben nur wenige Straßen voneinander entfernt gewohnt und waren während ihrer Zeit in Kalifornien außerordentlich produktiv. Mit diesem Schatz wollen wir arbeiten. Dennoch soll das Haus vor allem ein Ort sein, an dem ein gemeinsames Nachdenken über gegenwärtige gesellschaftliche Fragen stattfindet. So ist etwa das Thema Exil in Los Angeles ja nicht nur von historischem, sondern von ganz aktuellem Interesse. Fast die Hälfte der Bevölkerung hat lateinamerikanische Wurzeln, über zehn Prozent Menschen mit asiatischem Hintergrund leben hier. Sie werden bislang nur selten durch Kulturprogramme adressiert. Da wollen wir mit dran arbeiten.

  • Thomas Mann in Flower Bushes Pacific Palisades ca 1946 © ETH-Bibliothek Zürich, Thomas-Mann-Archiv Fotograf Unbekannt
    Thomas Mann in Blumen Büschen Pacific Palisades ca 1946
  • Thomas Manns Schreibtisch in Pacific Palisades zwischen 1942 - 1952 © ETH-Bibliothek Zürich, Thomas-Mann-Archiv Fotograf Unbekannt
    Thomas Manns Schreibtisch in Pacific Palisades zwischen 1942 - 1952
  • Elisabeth Mann und Thomas Mann im Garten in den Pacific Palisades ca. 1946 © ETH-Bibliothek Zürich, Thomas-Mann-Archiv Fotograf Unbekannt
    Elisabeth Mann und Thomas Mann im Garten Pacific Palisades ca. 1946
  • House of the Mann Family Pacific Palisades between 1942-1952. © ETH-Bibliothek Zürich, Thomas-Mann-Archiv Fotograf Unbekannt
    House of the Mann Family Pacific Palisades between 1942-1952
  • Visualisierung des zukünftigen Thomas Mann Haus Copyright: © rebuild.ing GmbH/H2S Architekten
    Visualisierung des zukünftigen Thomas Mann Haus


Welche Geschichte steckt hinter dem Haus?
Thomas Mann kam 1938 nach Amerika. Er hat zuerst zwei Jahre in Princeton als Professor verbracht und sich dann in Pacific Palisades bei Los Angeles niedergelassen. In dieser Zeit hat er mit seiner Frau Katia das Haus am San Remo Drive bauen lassen. Hier entstanden der „Doktor Faustus“,der Schlussband der Joseph-Romane, die Radioansprachen „Deutsche Hörer!“ und andere bedeutende Werke.
Angesichts des Antikommunismus der McCarthy-Ära emigrierte Thomas Mann dann 1953 in die Schweiz. Das Haus war seitdem in Privatbesitz und blieb über Jahrzehnte relativ unverändert. Vorvergangenes Jahr wurde es durch die Bundesregierung erworben. Das Haus wurde  komplett entkernt und als Residenzhaus mit fünf Apartments neu aufgebaut.

“Das Haus war so ganz das meine”

Thomas Mann, Tagebücher 1953

Gibt es schon Überlegungen oder Ideen zum Programm?
Die Herausforderung für die nächsten Jahre wird sein, thematische Linien und Schwerpunkte zu setzen, die das Programm schärfen.
Ausgangspunkt für die Eröffnungsveranstaltung im Juni ist Thomas Manns Vortrag „The Coming Victory of Democracy“, den er 1938 vor großem Publikum in der Library of Congress, aber auch an einer Reihe von kleineren Orten zwischen den Küsten der Vereinigten Staaten gehalten hat. Mann sprach damals über die Fähigkeit von Demokratien, sich selbst zu erneuern. Diese Art von „Verjüngungskur“ wünscht man sich ja heute auf beiden Seiten des Atlantiks.
In Deutschland wie den USA erleben wir einen Trend hin zu gesellschaftlicher Polarisation und ökonomischer Ungleichheit. Der öffentliche Diskurswird durch Populismus und Fehlinformationen bedroht. Abstiegsängste greifen um sich. Andererseits bieten sich aber auch neue Beteiligungsmöglichkeiten durch digitale Technologien und es besteht Hoffnung, dass Politik insgesamt transparenter wird.
Kalifornien ist der richtige Ort, um diese Fragen mit unseren Fellows und anderen Gästen zu diskutieren.

Wie wird der Alltag der Residentinnen und Residenten aussehen?
Die Fellows werden jeweils drei bis zehn Monate im Thomas Mann House verbringen. Für dieses Jahr sind vier Stipendiatinnen und Stipendiaten gesetzt: die Soziologin Jutta Allmendinger, der Germanist Heinrich Detering, der Schauspieler Burkhardt Klaußner und der Physiker Yiannos Manoli.
Im Unterschied zu klassischen Artist-in-Residence Programmen, bei denen Stipendiatinnen und Stipendiaten an der Verwirklichung eigener Projektearbeiten, wird im Thomas Mann House die Kooperation mit Partnern vor Ort im Mittelpunkt stehen.
Von regelmäßigen Radiosendungen, über Lesungen, Vorträge, Diskussionen bis hin zu Seminarveranstaltungen mit Universitäten ist dabei ein großes Spektrum an Formaten denkbar.
Das Thomas Mann House soll eine Bereicherung für die Kulturlandschaft in Kalifornien sein und wir werden alles dafür tun, dass unsere Fellows mit neuen Inspirationen und wertvollen Kontakten nach Deutschland zurückkehren.
 

Das Residenzprogramm im Thomas Mann House wird vom Auswärtigen Amt und von der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien sowie der Berthold Leibinger Stiftung, dem Goethe-Institut, der Alfried Krupp von Bohlen und Halbach-Stiftung und der Robert Bosch Stiftung gefördert.


 

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