Schnelleinstieg:
Direkt zum Inhalt springen (Alt 1)Direkt zur Sekundärnavigation springen (Alt 3)Direkt zur Hauptnavigation springen (Alt 2)

Renovierung in Boston
Eine Begegnung mit KARO Architects

Treppenhaus des Goethe-Instituts Boston
Ein neuer Teppich wird auf der Treppe verlegt | © Natalie Wichmann

Wir stellen KARO Architects Anke Roggenbuck und Sebastian Kaempf vor, die Köpfe hinter der aktuellen Neugestaltung des Goethe-Instituts in Boston. Im Interview erzählen sie uns von ihren Erfahrungen beim Umbau des neuen Gebäudes.

Von Natalie Wichmann

An einem außerordentlich heißen Tag im August trafen wir uns mit Anke Roggenbuck und Sebastian Kaempf von KARO Architects in der Beacon Street 170, um uns mit ihnen über den Umbau des Goethe-Instituts in Boston zu unterhalten. Wir duckten uns unter dem schwarzen Netz hindurch, das seit Monaten das Gebäude verhüllt. Stimmengewirr, das Dröhnen von Maschinen und die schweren Schritte von Arbeitsstiefeln umfing uns, denn die Renovierung des historischen Gebäudes steht einige Wochen vor der Fertigstellung.

Frau Roggenbuck und Herr Kaempf, das ist Ihr zweites Projekt für das Goethe-Institut, das erste war für das Goethe-Institut in New York. Wenn Sie ein neues Projekt in Angriff nehmen, haben Sie dann eine bestimmte Vorgehensweise, der Sie immer folgen?
 
Anke Roggenbuck: Den Ort kennenzulernen, ist sehr wichtig, und auch diejenigen, die ihn nutzen werden, denn sie haben ganz eigene Anforderungen und Bedürfnisse. Und ich würde sagen, man muss auch den historischen Charakter verstehen, insbesondere bei einem bereits existierenden Gebäude, und sich durch all die Schichten arbeiten, um seine Geschichte herauszufinden. So haben wir beispielsweise festgestellt, dass dies die erste umfassende Renovierung des gesamten Hauses seit 1967 ist, also hatten wir es mit vielen veralteten Anlagen zu tun.
 
Was war das Merkwürdigste, auf das Sie gestoßen sind? 
 
Sebastian Kaempf: Für mich war das Merkwürdigste der kleine Panikraum, den wir gefunden haben.
 
Anke Roggenbuck [lacht]: Oh ja, der Panikraum! Das war einmal der Wäscheraum der Dienstmädchen, er hat keine Fenster und befindet sich im Untergeschoß des Gebäudes.
 
Interessant! Können Sie uns etwas über die Schritte erzählen, die Sie durchlaufen haben, um ein Konzept für die Umgestaltung zu entwickeln?
 
Sebastian Kaempf: Die Standardphasen bei jedem architektonischen Projekt in den USA sind Vorplanung, Entwurfsplanung, Ausführungsplanung, Vergabeplanung und schließlich die Bauüberwachung. Während der Vorplanung wird gewöhnlich in Zusammenarbeit mit den Auftraggeber*innen ein Planungskonzept erarbeitet, das dann in der Entwurfsplanung ausformuliert wird. In diesem Fall hat die Vorplanung etwa acht Wochen in Anspruch genommen.
 
Anke Roggenbuck: Es hat ein bisschen länger gedauert als üblich, weil wir schnell gemerkt haben, dass wir ziemlich viele Genehmigungen von öffentlichen Behörden einholen müssen. Ein weiterer Faktor, der in das Planungskonzept einfloss, war das Gesamtbudget.
 
Sebastian Kaempf: Zuerst sind wir ein bisschen übers Ziel hinausgeschossen [lächelt] und hatten viel zu viele Vorschläge zur Umgestaltung des Goethe-Instituts. Doch dann haben wir uns daran erinnert, dass wir ja nur die technischen Anlagen des Gebäudes überholen und dabei prüfen sollten, ob sich dadurch etwas verbessern lässt. So gelangten wir zu der Einsicht, dass wir neue Nutzflächen für das Goethe-Institut erschließen können, wenn wir die Sanitäranlagen auf allen Etagen an derselben Stelle positionieren.
 
Anke Roggenbuck: Es kann also passieren, dass sich die Leute nach dem Umbau fragen, was sich eigentlich verändert hat. Diese Reaktion ist beabsichtigt, denn das ist so ziemlich das, was wir im Sinn hatten. Nun ist alles kaschiert und hinter Wänden versteckt. Wenn es ein neues Detail gibt, ist es sehr minimalistisch und unauffällig integriert.
 

  • Neue Türrahmen im Goethe-Institut Boston © Natalie Wichmann
    Ein Türrahmen, in den später die Tür des Badezimmers eingebaut wird
  • Offene Wand während der Renovierung des Goethe-Instituts in Boston © Natalie Wichmann
    Wand im dritten Stock, die für die elektrische Installation im Zuge des Renovierungsprozesses geöffnet wurde
  • Neue Lichter im Goethe-Institut Boston © Natalie Wichmann
    Einbauleuchten, die im gesamten Gebäude installiert werden
  • Neue Steckdose im Goethe-Institut Boston © Natalie Wichmann
    Neue Steckdosen werden im Gebäude installiert
  • Der neue Server wird im Goethe-Institut Boston stehen © Natalie Wichmann
    Der neue Server verbindet das Goethe-Institut Boston mit der Zentrale in München
  • Pinsel und Werkzeuge im Goethe-Institut Boston © Natalie Wichmann
    Pinsel und Werkzeuge für Malerarbeiten
  • Originale Wandleuchter aus Messing im Goethe-Institut Boston © Natalie Wichmann
    Die originalen Wandleuchter aus Messing sind wieder an Ort und Stelle
  • Neuer Kronleuchter im Goethe-Institut Boston © Natalie Wichmann
    Der maßgefertigte Kronleuchter wurde im Salon, der ehemaligen Bibliothek, installiert
  • Neue Regale im Goethe-Institut Boston © Natalie Wichmann
    Neue Regale wurden in den Büros im vierten Stock angebracht
  • Einzug ins Goethe-Institut Boston © Natalie Wichmann
    Einzug mit neuen Büromöbeln

Können Sie Ihr Konzept in ein oder zwei Sätzen zusammenfassen?
 
Sebastian Kaempf: Da fällt mir nicht ein Satz, sondern das Wort „Respekt“ das während des ganzen Prozesses präsent war: Respekt für den ursprünglichen Entwurf von Ogden Codman, der das Gebäude 1900 für einen Bankier restaurierte [Eben Howard Gay - Anm. d. Red.]. Dieser sammelte Möbel und wollte das Bauwerk als Kulisse für seine Chippendale-Sammlung verwenden. Respekt für diesen Umbau und den Wunsch, das Haus möglichst intakt zu halten – insbesondere im Erdgeschoss, das am repräsentativsten ist –, hat unser Konzept beeinflusst.
 
Gehen wir ein bisschen mehr ins Detail. Gibt es im Gebäude ein historisches Element, das Ihnen am besten gefällt?
 
Sebastian Kaempf: Ich finde das Erdgeschoß wirklich schön, dessen Stuck Bezug auf die Bestimmung des Raumes nimmt. Besonders der große Eingangsbereich, der ursprünglich aus zwei Salons bestand: Die Bibliothek und der Musiksalon sind mit verschiedenen Stuckarbeiten verziert, einmal mit Musikinstrumenten, einmal mit Eichenblättern und Früchten.
 
Anke Roggenbuck: Ich würde sagen, dass mich die zentrale Treppe anfangs am meisten beeindruckt hat, und bis heute laufe ich gern darauf auf und ab und schaue hoch und runter.
 
Welches Ihrer neuen Gestaltungselemente finden Sie am besten?
 
Sebastian Kaempf: Vielleicht der neue Kronleuchter im sogenannten Adams Room im oberen Stockwerk mit der angebauten Terrasse. Er wurde speziell für den Raum angefertigt. Wir haben bei diesem Stück mit einer italienischen Firma für Lichtgestaltung zusammengearbeitet. Es ist ein Ensemble aus existierenden Leuchtkörpern, die um ein Mittelstück angeordnet sind.
 
Anke Roggenbuck: Das war ein langer Weg, [an Sebastian Kaempf gewandt] erinnerst du dich, durch wie viele Phasen wir da gegangen sind? Lineares Licht, kreuzförmiges Licht, Sterne, Sonnen …
 
Sebastian Kaempf: Wir hatten einen Praktikanten, der ihn wochenlang modelliert und gerendert hat – nur, damit am Ende alles stimmt. 
 
Wow, das klingt toll. Das müssen wir unbedingt auch in einer unserer Zusammenfassungen der Renovierung in den sozialen Medien erwähnen! Okay, reden wir mal Klartext: Lief irgendetwas nicht so wie geplant?
 
Anke Roggenbuck: Das gab es so einiges [lacht]. Anfangs haben wir die Böden aufgemacht und festgestellt, dass die Bausubstanz darunter nicht mehr völlig intakt war! Bei früheren Renovierungsarbeiten oder vielleicht von Beginn an hatten die Installateure einfach nur die Bodenbalken durchschnitten, um die Abflussrohre zu verlegen, und wir haben uns gefragt, wie das so lange halten konnte. Also mussten wir einige der Balken verstärken und andere ersetzen. Das hat viel Zeit gekostet und einen beträchtlichen Teil des Budgets verschlungen.
 
Du liebe Güte, zum Glück haben Sie das in Ordnung gebracht! Letzte Frage: Wenn Sie hier fertig sind, was kommt dann als Nächstes? Gibt es ein Traumprojekt?
 
Anke Roggenbuck: Ein Gebäude für das Goethe-Institut von Grund auf zu errichten, das wäre toll! 
 
Sebastian Kaempf: Ja! Der ganze Prozess hat uns viel Spaß gemacht und wir haben dabei viel über den Umbau von bestehenden Gebäuden dazugelernt. Deshalb hätten wir gerne einmal die Gelegenheit, ein eigenes architektonisches Projekt von Beginn an zu gestalten.

Top