Esther Gonstalla
Dünnes Eis

Das ewige Eis an Polen und auf Gletschern ist durch die Klimakrise bedroht. Das weiß jede*r, der gelegentlich die Nachrichten verfolgt. Doch das Wissen um dieses Thema ist oft so dünn, wie dieses Eis niemals werden sollte. Abhilfe schafft ein wunderbar gestaltetes Buch.

Gonstalla: Das Eisbuch © oekom Verlag Die Buchgestalterin und Infografikerin Esther Gonstalla widmet ihr Schaffen aktuellen Umweltthemen. Sie hat schon Das Ozeanbuch (2017), Das Klimabuch (2019) und Das Waldbuch (2021) publiziert. Zuletzt ist Das Eisbuch erschienen. In allen Büchern verspricht Gonstalla, dass man in jeweils 50 Infografiken alles zum jeweiligen Thema erfährt, „was man wissen muss“.

Das beginnt mit Fachbegriffen. So ist etwa die Kryosphäre die Gesamtheit an Eis auf einem Himmelskörper. Sie umfasst auf der Erde das Eis an Nord- und Südpol, auf den Gletschern, in Permafrostböden, aber auch Schnee und die Eiskristalle in den Wolken. Die helle Oberfläche von Schnee und Eis hat eine wichtige Funktion für das Klima und die Atmosphäre der Erde. Sie bewirkt den Albedo-Effekt. Die Albedo ist das Maß für das Reflexionsvermögen einer Oberfläche. Während Eis und Schnee bis zu 90 Prozent der Sonnenstrahlen reflektieren und somit verhindern, dass die Erde immer wärmer wird, reflektiert das eisfreie Meer nur 7 Prozent der Sonneneinstrahlung.

Pflichtlektüre!

Doch die Eismassen der Erde schmelzen. Besonders schnell geschieht dies in der Arktis, wo die Temperaturen am schnellsten steigen. Dort ist die Luft aufgrund ihrer Kälte sehr stabil, weshalb die erwärmte Luft nicht nach oben entweicht. Es entstehen Seen mit Schmelzwasser, in denen sich dunkle Algen bilden, woraufhin der Albedo-Effekt sinkt und der Temperaturanstieg verstärkt wird. Durch den Meereisverlust erwärmt sich der Arktische Ozean überdurchschnittlich – im August 2020 war er 3 °C wärmer als Im Durchschnitt der Jahre 1982 bis 2010.

Die komplexen und oftmals abstrakten Zusammenhänge sind in Gonstallas Buch optisch sehr schön, anschaulich und eindrücklich dargestellt. Anspruchsvoll bleiben die zumeist als Doppelseiten gestalteten Texte und Infografiken gleichwohl. So muss man z.B. die Seiten zu den Zusammenhängen zwischen Meeresströmen, Salz und Meereis, den Luftströmen an den Polen oder auch zum Rückgang des antarktischen Schelfeises durchaus konzentriert lesen und betrachten.

Gonstalla hat für ihr Eisbuch wieder mit zahlreichen Wissenschaftler*innen aus aller Welt zusammengearbeitet, insbesondere mit den Expert*innen des Alfred-Wegener-Instituts. Nach den doch überwiegend düster stimmenden Fakten zur Zukunft der Eiswelten endet das letzte Kapitel „Mensch und Eis“ mit Tipps zur Reduzierung des eigenen ökologischen Fußabdrucks. Gonstallas Bücher sollten an Schulen zur Pflichtlektüre werden, aber natürlich nicht nur dort!
  • Gonstalla: Das Eisbuch, S. 18-19 © oekom Verlag
  • Gonstalla: Das Eisbuch, S.20-21 © oekom Verlag
  • Gonstalla: Das Eisbuch, S. 32-33 © oekom Verlag
  • Gonstalla: Das Eisbuch, S. 54-55 © oekom Verlag
 
Rosinenpicker © Goethe-Institut / Illustration: Tobias Schrank Esther Gonstalla: Das Eisbuch. Alles, was man wissen muss, in 50 Grafiken
München: oekom Verlag, 2021. 112 S.
ISBN: 978-3-96238-287-2
Diesen Titel finden Sie auch in unserer Onleihe