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Ausgesprochen ... Berlin
Unter Hunden

Hunde in Berlin
Hunde in Berlin | Foto (Detail): © picture alliance / abaca

In Berlin leben 100.000 Hunde – unser Kolumnist Gerasimos Bekas kennt sie alle. Heute gewährt er Euch exklusive Einblicke in die Welt der gestörten Anwohner*innen.

Von Gerasimos Bekas

Ich gehöre zu den Menschen, die sich keinen Wecker stellen müssen, um aufzustehen. Nein, ich habe keine innere Uhr, die dazu führt, dass ich von alleine aufwache. Dafür habe ich Nachbar*innen, die sich jeden Tag um 6:30 Uhr mit ihren Hunden vor meinem Fenster treffen. Das Problem sind dabei nicht immer die Hunde, denn sie bellen nur selten.
 
Es sind eher die Hundehalter*innen, die lautstark mit „Komm, Johnny, komm!” ihre Hunde rufen oder in Konflikt mit anderen Hundehalter*innen und Passant*innen geraten. In Berlin gibt es zum Beispiel einen Leinenzwang an öffentlichen Orten. Niemand darf also seine Hunde ohne Leine herumlaufen lassen. Daran halten sich aber viele nicht und das führt zu lautstarken Auseinandersetzungen, nach dem Prinzip: Bellende Hunde beißen nicht.
 
Über 100.000 Hunde leben in Berlin und sie alle müssen ausgeführt werden. Die meisten leben im Bezirk Marzahn-Hellersdorf, relativ wenige in Friedrichshain-Kreuzberg und die lautesten leben eindeutig vor meiner Haustür. Die Berliner Begeisterung für Hunde hinterlässt überall in der Stadt ihre Spuren.
 
Ich gehe selten durch Berlin ohne jemanden zu sehen, der am Wegesrand flucht und versucht, sich Hundekot von den Schuhen zu wischen. Das Problem ist so alt und verbreitet, dass sich sogar der Aberglaube entwickeln konnte, dass es Glück bringe, in einen Hundehaufen zu treten. Selten hat jemand so unverblümt und präzise wie Peter Fox in seinem Song Schwarz zu blau beschrieben, wie sich die Berliner Liebe zum Hund auf die Berliner Straßen auswirkt.
 
„Und überall liegt Scheiße, man muss eigentlich schweben
Jeder hat 'nen Hund, aber keinen zum Reden“
 
Zumindest für die Leute vor meiner Haustür gilt das aber nicht, denn sie sammeln den Kot in kleinen Plastiktütchen und sie reden miteinander, wenn auch zu laut und unhöflich für meinen Geschmack. So bleibt, wie immer in Berlin, die Ausnahme die Regel.
 

„AUSGESPROCHEN …“

In unserer Kolumnenreihe „Ausgesprochen …“ schreiben im wöchentlichen Wechsel Gerasimos Bekas, Maximilian Buddenbohm, Qin Liwen und Dominic Otiang’a. Gerasimos Bekas wirft sich in „Ausgesprochen … Berlin“ für uns ins Getümmel, berichtet über das Leben in der Großstadt und sammelt Alltagsbeobachtungen: in der U-Bahn, im Supermarkt, im Club.


 

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