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Oma Trude
Anziehende Mode

Anziehende Mode
Vom Kleiderschrank in den Kreislauf - Oma Trude räumt auf | © Illustration: Celine Buldun

Oma Trude shoppt nachhaltige Mode aus fairem Handel. Weniger ist dabei mehr. Und sie hat weitere Tipps, wie man die Umwelt schonen und seinen Kleidern ein neues Leben geben kann.

Von Oma Trude

Ihr Lieben,

nach einem Monat Sommerpause mit Zelt und Wohnwagen an einem See im bayerischen Voralpenland zusammen mit meiner Familie melde ich mich gut erholt zurück. Und habe gleich ein Thema für Euch, das mich schon lange umtreibt – und das Euch sicher auch nicht unbekannt ist …

Der platzende Kleiderschrank

Genau wie bei mir befinden sich in Euren Kleiderschränken bestimmt viele Kleidungsstücke, die Ihr nicht mehr anzieht. Sie sind zu klein, zu groß, haben nie so richtig gefallen, sind nicht mehr der neueste Schrei oder Ihr könnt sie einfach nicht mehr sehen. Ich kenne das alles. Man hat seine zehn bis zwanzig Lieblingsstücke, das reicht meistens.

Aber irgendwie kommen zu den zehn meistgetragenen Stücken doch immer wieder neue dazu. Unser Konsum in Sachen Kleidung hat in Deutschland ein – wie ich finde – bedenkliches Ausmaß erreicht. Wir sind wohl zusammen mit den USA und der Schweiz an der Spitze des Kleidungsverbrauchs mit unseren 40 bis 70 Kleidungsstücken pro Person und pro Jahr.

Zu viel ist zu viel

Die Lager sind jedenfalls voll, Schnäppchenjäger*innen sind ständig in Position, der „Sale“ lockt immerzu, besonders in Onlineshops. Doch die Masse ist nicht das einzige Problem. Es beginnt schon mit der Baumwolle auf dem Feld, die sehr viel Wasser benötigt. Erinnert Ihr Euch an meinen Beitrag im Juli? Die Jeans, die 11.000 Liter Wasser verbraucht? Düngemittel und Pestizide auf den Baumwollfeldern, die der Umwelt und vor allem der Gesundheit der Beschäftigten schwer zu schaffen machen, sind ein Riesenproblem. Und dass in Billiglohnländern nicht nur schlecht bezahlt wird, sondern auch verheerende Arbeitsbedingungen herrschen, das ging ja leider oft genug durch die Medien – da sind übrigens teure Marken nicht ausgenommen.

Verantwortung zeigen

Ich bin auf einen kalifornischen Anbieter von Outdoorbekleidung gestoßen, der ein Prozent seines Gesamtumsatzes oder zehn Prozent seines Gewinns an Umweltorganisationen spendet. Außerdem hat er die Möglichkeit geschaffen, dass getragene Kleidung seiner Marke repariert, weiterverkauft oder recycelt wird. Ich bin ganz baff, was es mittlerweile gibt und was ich trotz Abgeschiedenheit in meinem kleinen Hollenbach – dem Internet sei Dank – dennoch mitbekomme. Was können wir aber als Privatpersonen tun?

Aus Alt mach Neu

Kleidung ist wahrscheinlich einfach zu billig geworden, die wenigsten reparieren sie noch im alten Stil – uns fehlt die Zeit oder wir können es einfach nicht. Wobei zum Glück das Upcycling ganz „in“ ist, besonders unter jungen Menschen. Nicht nur Putzlappen oder Dämmmaterial, sondern sogar Mode aus Stoffabfällen wird mittlerweile verkauft – und die sieht gar nicht schlecht aus! Im Internet ist sie leicht zu finden. Eine weitere Möglichkeit sind auffällige Stickereien, um ein Loch auf schöne Art zu stopfen – gebt einmal das Stichwort „visible mending“ ein und Ihr werdet staunen! Ich finde das jedenfalls sehr hübsch.

Kleidertauschpartys

Es gibt ja nicht mehr nur die traditionellen Flohmärkte. Der Kleiderkreislauf kann sich auch auf andere Weise drehen und der Konsum neuer Ware klein gehalten werden. Nehmen wir zum Beispiel Kleidertauschpartys unter Freunden. Meine Enkelin Laura, die in Berlin lebt, hat ihr ganzes Studium über fast nur so „geshoppt“. Ich finde die Vorstellung großartig – zumindest für junge Leute, die schnell von einem Teil ins nächste schlüpfen können.

Grüne Mode

Die älteren Semester wie meine Freundin Inge und ich, wir halten uns gerne an „grüne Mode“, an wenige ausgewählte Teile aus nachhaltigen Naturfasern und fairem Handel. Es gibt mittlerweile so viele Anbieter dafür, die Auswahl ist enorm und wunderschön! Achtet einfach auf eine Kombination glaubwürdiger sozialer und ökologischer Siegel. Es gibt zahlreiche Empfehlungen zu den Themen „saubere Kleidung“ und „grüne Mode“ im Internet genau unter diesen Schlagworten – ganz leicht herauszufinden.

Ab in den Kreislauf

Mir ist übrigens klar, dass man sich das leisten können muss und dass in vielen Haushalten aus finanziellen Gründen günstige Kleidung gekauft wird. Aber zum Glück sind mittlerweile Verkaufs- oder Tauschbörsen im Internet weit verbreitet. Da kann man nicht nur seine aussortierten Stücke loswerden, sondern seinen Kleiderschrank oder den der ständig wachsenden Kinder auch gut wieder füllen. Manche finden es nur ein bisschen mühsam, die Sachen zu packen und zur Post zu bringen. Daher sind lokale Flohmarktgruppen auch eine gute Idee. Die tun sich auf dem Land und in der Stadt über Chatgruppen zusammen. Verkaufen, kaufen, tauschen oder verschenken wird uns immer leichter gemacht.

Zukunft ist jetzt

Meine Enkelin Laura hat mir von einem „Kaufhaus der Zukunft“ erzählt, das es neuerdings in ihrer Wahlheimat Berlin gibt – nur für ein halbes Jahr. Auf einer Etage eines normalen Kaufhauses wurde Platz geschaffen, um dort Gebrauchtwaren in einem „Re-Use-Store“ anzubieten. Unglaublich, ich bin begeistert! Da muss vieles gar nicht mehr weggeworfen werden! Experten aus der Wiederverwendungsbranche, Menschen, die erfolgreich Upcyclingläden betreiben oder sich mit Stoffkreisläufen auskennen, haben sich bei diesem Projekt gefunden. Und die Deutsche Kleiderstiftung, die sich seit über 60 Jahren für Nachhaltigkeit einsetzt, Kleidung für Kleiderkammern und soziale Projekte im In- und Ausland sammelt, unterstützt all dieses.

Dorthin könnt Ihr übrigens portofrei Pakete gut erhaltener Kleidung, Schuhe und Haushaltswäsche für einen gemeinnützigen Zweck schicken. Ihr seht, wir können wirklich viel tun.

Vielleicht habe ich Euch heute sogar vor dem nächsten Belohnungs- oder Frustkauf verschont und damit Eurem Portemonnaie etwas Gutes getan.

Seid herzlich gegrüßt von
Eurer Trude

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