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Survival-Kit Studium
„Sehen wir dich in Hollywood?“

Samuel studiert Drehbuch an der Filmakademie Baden-Württemberg
Teamwork ist für Samuels Studium essenziell. | Foto (Detail): © privat

Samuel, 24 Jahre alt, studiert im zweiten Jahr Film und Medien mit dem Schwerpunkt Drehbuch an der Filmakademie Baden-Württemberg. In unserem Survival-Kit-Studium erzählt er, wie er das Hochstapler-Syndrom austrickst – und dass in seinem Studiengang ohne Teamwork nichts geht.

Das größte Klischee von Deinem Studium und was davon wahr ist:

Es gibt hauptsächlich zwei Klischees: Man wird mit dem Studienfach nie richtig Geld verdienen, und alles ist super „hip“. Das ist nicht ganz falsch, wird aber mit Humor gesehen. Beides sorgt jedenfalls für diverse Memes in unserer Campus-WhatsApp-Gruppe. Bei renommierteren Hochschulen denken viele, die seien sehr exklusiv und es sei schwierig, reinzukommen. Aber es geht nicht um die einfache Frage: Bist du gut genug für die Filmhochschule, sondern bist du jemand, der sicher weiß, dass er in die Richtung „Drehbuch“ gehen will.
 
Wie sieht Dein normaler Tag aus?

An der Filmhochschule gibt es nicht viele normale Tage und damit auch kaum Routine. Wenn ich Unterricht habe, bin ich meistens von neun bis fünf Uhr an der Uni. Danach treffe ich mich mit Kommilitonen und Kommilitoninnen, um über Projekte zu reden. Während der Projektphase muss ich mir meine Zeiten selbst einteilen. Da versuche ich aber, im gleichen Rhythmus zu bleiben.
 
Auf was hättest Du verzichten können?

Es gibt natürlich einige Kurse, die für meinen Schwerpunkt nicht so wichtig sind, etwa Produktion, Medienrecht oder Filmgeschichte. Das Schlimmste ist, dass diese Kurse auch noch oft auf Samstage gelegt werden. Zudem bin ich in den Vorlesungen nicht immer sehr aufmerksam und arbeite währenddessen eher an meinem Drehbuch. Da verzichte ich also schon darauf, wirklich alles mitzubekommen.
 
Welchen Tag an der Uni wirst Du nie vergessen?

In unserem Einführungsworkshop wurden wir sofort in Gruppen eingeteilt und sollten Präsentationen gestalten. Das war total verrückt, weil ich direkt am ersten Tag auf Leute traf, die ähnlich gedacht haben, kreativ und begeistert waren und alle zeigen wollten, was sie konnten. Zudem war es für Oktober noch extrem warm und ich fand es sehr schön, draußen auf der Wiese sitzen zu können und mit all den anderen dieses Studium zu beginnen.
 
Wenn Du Dein Studium noch einmal anfangen könntest: Was würdest Du anders machen?


Im ersten Jahr habe ich vier Projekte durchgeführt: ein Drehbuch und drei Filme. Ich war sehr darauf fokussiert, dass diese Arbeiten gut und beeindruckend werden und am Ende sauber aussehen. Ich habe aber nicht darauf geachtet, mich künstlerisch auszudrücken und zu verwirklichen. Am Ende funktionieren die Projekte alle ganz toll, aber mir fehlte eine starke, persönliche Verbindung zu ihnen. Das war schade.

Ich glaube, der Druck und das Gefühl, ich müsse meine Kommilitonen und Kommilitoninnen beeindrucken, haben mich überwältigt. Deshalb hatte ich vergessen, das zu machen, was ich cool finde und mir Freude bereitet. Das hole ich jetzt im zweiten Jahr hoffentlich nach.
 
Was hat Dich regelmäßig zur Verzweiflung gebracht?

Es gibt den Begriff Impostor-Syndrom, auch Hochstapler-Syndrom genannt. Man meint, man könne eigentlich gar nichts und hätte aber alle anderen erfolgreich vom Gegenteil überzeugt. Ich glaube, das kann einem schnell passieren, wenn man beispielsweise eine sehr anerkannte Hochschule besucht. Man sieht, wie talentiert alle Leute um einen herum sind, aber erkennt nicht deren Tricks.

Ich selbst weiß genau, was ich kann und was nicht, aber wenn jemand anderes ein cooles Projekt präsentiert, dann denke ich: Der kann alles. Das kann einem schon schwer zu schaffen machen. Aber mit der Zeit realisiert man dann auch: Wow, die sind ja genauso schlecht wie ich.
 
Was war oft Deine Rettung?

Die Arbeit mit den Kommilitonen und Kommilitoninnen. Das Studium basiert stark auf Teamwork – auch im Drehbuchbereich. Wir müssen uns gegenseitig alle beraten. Da habe ich gemerkt, dass alle ihre Stärken und Schwächen haben. Mit meinen Kompetenzen kann ich Leuten helfen, die genau auf dem Gebiet Hilfe benötigen. Bei uns wird eine positive Atmosphäre gefördert. Das entspannt einen meistens. Für mich ist das dann so etwas wie der „Reality Check“.
 
Was hast Du am letzten Tag des Monats gegessen, wann war Sparen angesagt?

Wir haben Restaurants, in denen wir Marken einlösen können. Ich esse immer dort. Die haben gutes Essen, auch wenn immer ein bisschen weniger auf dem Teller ist, als man bräuchte, um satt zu werden. Sparen ist eigentlich dauernd angesagt und besonders dann, wenn man mit seinem Projekt das Budget überschritten hat oder wenn man ein Projekt selbst bezahlen muss.

Vielleicht reicht es mal für einen Tatort!

Welche Frage hörst Du auf Familienfeiern jedes Mal?

Sehen wir dich dann in Hollywood? Ganz schön nervig, weil es einen daran erinnert, dass das sehr unwahrscheinlich ist. Aber vielleicht reicht es mal für einen Tatort.
 
Wenn Du nicht gerade an der Uni bist: Wo kann man Dich finden?

Ich pendle nur zwischen Uni und meiner Wohnung, wenn ich nicht gerade in eine andere Stadt fahre, um Freunde zu besuchen. In Ludwigsburg gibt es das Flint, eine Bar, die fast schon zum Wohnzimmer der Filmakademie wird. Nach Stuttgart fährt man auch ab und zu rein. Ansonsten schreibe ich zu Hause oder in einem der Cafés hier. Da gibt es ein paar nette. Ich schreibe in der Uni. Eigentlich schreibe ich den ganzen Tag.
 
Was war der teuerste Preis für eine gute Note?

In einer Klausur musste ich zum ersten Mal einen Spickzettel benutzen. Allerdings war das noch nicht mal sonderlich riskant. Vermutlich wäre ich sogar ohne durchgekommen. Noten sind bei uns aber auch nicht so relevant. Es gibt ein paar Dozenten und Dozentinnen, die einem ganzen Kurs eine Eins geben, weil sie sich mit Benotungen im Detail nicht beschäftigen wollen.
 
Uni heißt auch: Lernen fürs Leben. Was hat Dir Dein Studienfach für Deinen weiteren Weg mitgegeben?

Die Gespräche mit den Kommilitonen haben mein Verständnis vom Handwerk und vom Filmemachen stark gefördert. In den vier oder fünf Jahren, die das Studium insgesamt dauert, kann ich mich ganz auf meine Kunst und mein Handwerk konzentrieren. Das zeigt mir, dass man immer an seinen Sachen arbeiten muss, sei es Schreiben oder Zeichnen oder etwas anderes. Außerdem kann ich meine Projekte Gleichgesinnten, die auch gute Freunde und Freundinnen sind, zeigen und mit ihnen darüber reden.
 
Noch mal ganz aktuell: Du fährst dieses Jahr auf die Berlinale. Was findest du daran am Spannendsten und worauf freust du dich besonders?

Ich war bisher noch nie dort, was mir ziemlich peinlich ist. Es ist ein weltweit anerkanntes Filmfestival, deshalb muss ich selbstverständlich dorthin fahren. Ich werde versuchen, so viele Filme wie möglich zu sehen. Das wird sicher ein großes und ereignisreiches Erlebnis. Vermutlich sind meine sozialen Batterien danach total leer. Aber ich freue mich drauf.
 

„Survival-Kit Studium“

Wo in Deutschland kann man gut studieren? Wie lässt es sich als Student gut leben? Und wie übersteht man die erste Fachschaftsparty und die Fragen auf Familienfeiern?

Studierende unterschiedlicher Fachrichtungen erzählen von ihren Erlebnissen an den Unis in Deutschland, ihrem Alltag – und was sie manchmal zur Verzweiflung bringt.

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