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Metropolis
Sehr alt ist wieder sehr modern

Filmstill „Metropolis", directed by Fritz Lang, 1927
„Metropolis", Regie: Fritz Lang, 1927 | Filmstill (Ausschnitt), Kino Lorber

„Ich habe eine Maschine nach dem Ebenbild des Menschen geschaffen, die weder ermüdet noch Fehler macht“ – C. A. Rotwang aus Metropolis, Metropolis-Cheferfinder über sein neuestes Werk, einen Roboter.

Von Ian Magnuson

Diese Zeile, die ungefähr nach einem Drittel der Laufzeit des Films fällt, ist Beweis genug, dass der während der demokratischen Zwischenkriegsjahre in Deutschland entstandene Film Metropolis heute noch aktueller ist, als es auf den ersten Blick scheint.

Metropolis, einer der ersten Science-Fiction-Filme in Spielfilmlänge, ist gegen Ende der Stummfilmzeit mit einigen für die Zeit atemberaubenden (und auch heute noch zumindest beeindruckenden) Spezialeffekten entstanden. Der Film hatte deutlich mehr kulturellen Einfluss, als die anfänglichen Kritiken hatten vermuten lassen. Man könnte sagen, dass es von der Romanvorlage des Films bis hin zu relativ modernen Erfolgen wie Krieg der Sterne und I Love Lucy nur ein kurzer Sprung war. Kurz, wir haben es mit einem echten Meilenstein zu tun, der die Frage rechtfertigt: Was genau ist eigentlich Metropolis?

Metropolis ist ein Film nach dem Roman der deutschen Schauspielerin, Autorin und Regisseurin Thea von Harbou. Ganz wie der ähnlich bahnbrechende Science-Fiction-Film 2001: Odyssee im Weltraum wurde der Roman bereits mit dem Ziel im Hinterkopf verfasst, den Stoff auch zu verfilmen. Nach der Fertigstellung arbeitete Harbou ihn mit ihrem damaligen Ehemann, dem österreichischen Filmemacher Fritz Lang, der bei dem Film Regie führte, zu einem Drehbuch um. Die Handlung ist in ferner, zeitlich unklarer Zukunft in dem fiktionalen Stadtstaat Metropolis angesiedelt, wo einige wenige Menschen mithilfe von wundersamen Maschinen ein Luxusleben führen. Ähnlich wie bei H. G. Wells’ Die Zeitmaschine begeben sich hier die vom Diktator von Metropolis angeführten Mitglieder der privilegierten Klasse mit Doppeldeckerflugzeugen und Skywalks zu ihren diversen Freizeitvergnügen, während der Großteil des Volkes, der hier nur Arbeiter genannt wird, sich unter der Stadt abrackert, um die Maschinerie am Laufen zu halten. Der Film vereint eindrucksvoll einige der wichtigsten Kunstrichtungen des Jahrzehnts, darunter deutscher Expressionismus, italienischer Futurismus, amerikanischer Art déco sowie neogotische religiöse Bildsprache.

Im Vordergrund der Geschichte steht Freder, das Prinzchen des Metropolis-Vorstehers, der eine prophetische Begegnung mit Maria hat, der geistigen Anführerin einer in der Arbeiterklasse aufkeimenden Widerstandsbewegung. Freder bekommt Einblicke in die Schrecken des Arbeiterdaseins und versucht sich daraufhin als eine Art Mediator zwischen beiden Seiten, die später auch als Kopf und Hände bezeichnet werden. Was Freder jedoch nicht weiß, ist, dass sein Vater vorhat, die Arbeiter durch Maschinen zu ersetzen und schließlich seinen Cheferfinder Rotwang beauftragt, dessen ersten perfekten Roboter (übrigens das unverkennbare Designvorbild des C-3PO aus Krieg der Sterne) Unfrieden in den Reihen der Arbeiter stiften zu lassen, um ein gewaltsames Einschreiten im Arbeitsbetrieb zu rechtfertigen. Maria ist einerseits nicht leicht herumzukriegen, dennoch hat ihre Figur etwas von einer Jungfrau in Nöten, einem für diese Zeit sehr typischen Bild, und der Film hat ebenfalls deutliche Anleihen an den Mythos vom Turmbau zu Babel.

Interessanterweise wirkt der Film größtenteils sehr modern, was allerdings auch kaum überrascht, wenn man weiß, dass der Kameramann laut einem jüngst veröffentlichen Videoartikel von Vox Media später auch die Einstellungen für die moderne amerikanische Sitcom konzipierte, die mit I Love Lucy anfing, nachdem er (wie Lang) auf der Flucht vor Verfolgung in die USA einwanderte. Die Geschichte ist im Grunde simpel und reflektiert ganz klar einige der sozialdemokratischen und kommunistischen Konzepte, die damals in Deutschland diskutiert wurden. Sie ist aber auch heute noch sehr aktuell, denn der Film thematisiert die ungleiche Verteilung von Wohlstand, die Bedrohung der Arbeiterklasse durch zunehmende Automatisierung und plädiert nicht zuletzt für eine friedliche Reform statt einer gewalttätigen Revolution.
 

autor

Ian Magnuson © Ian Magnuson Ian Magnuson ist ein ehemaliger Fulbright English Teaching Assistant in Leipzig und hat an der Western Michigan University und später an der Michigan State University Deutsche Literatur und Internationale Beziehungen studiert. Ian ist auf Twitter unter @magna_sun erreichbar. 

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