Gutekunst Preis 2017

2010 erhielt das Goethe-Institut New York eine Spende zum Gedenken an Frederick und Grace Gutekunst. Ein Förderpreis wurde ins Leben gerufen, um talentierte Nachwuchsübersetzerinnen und-übersetzer von deutscher Literatur zu entdecken und sie zu unterstützen, Kontakte in der Übersetzungs- und Verlagswelt zu knüpfen. Ab 2017 wird der Preis von den Friends of Goethe New York gefördert.

Preisträgerin 2017

Für ihre Übersetzung eines Auszugs aus dem Roman von Rasha Khayat Weil wir längst woanders sind, erhält Amanda Olson den jährlichen Gutekunst Prize of the Friends of Goethe New York, der dieses Jahr zum siebten Mal verliehen wird. 

Weil wir längst woanders sind ist Khayats Debüt-Roman, dessen Protagonist einen saudi-arabischen Hintergrund besitzt. Um an der Hochzeit seiner Schwester, von der er sich stark auseinandergelebt hat, teilzunehmen, reist er zurück in sein Heimatsland. Der Roman wurde 2016 vom DuMont Verlag veröffentlicht.

Olson beschreibt ihre Erfahrungen mit der Übersetzung von Khayats Text wie folgt:

„Als ich Khayats Roman zum ersten Mal gelesen habe, haben mich einige Aspekte sofort gefesselt. Auf diese ersten Eindrücke habe ich mich bei meiner Übersetzung verlassen und sie als Leitfaden benutzt. Damit meine ich Passagen, die mir an dem Roman sehr gefallen haben, aber sich gleichzeitig als große Herausforderung in meiner Übersetzung erwiesen. Der Roman lässt sich schnell und zügig lesen, allerdings nicht etwa, weil die Handlung durchgehend spannend ist, oder die Thematik leicht ist – denn das ist sie definitiv nicht. Es werden heftige Erfahrungen und Emotionen behandelt. Der Roman ist dialogorientiert und besitzt eine Leichtigkeit in der Schreibweise, die für mich sehr wichtig war beizubehalten. Ich war sehr vom Kontrast im Erzählstil zwischen der aktuellen Zeit in Saudi-Arabien und den Rückblicken auf die Kindheitserinnerung des Protagonisten, getroffen. Dies ist natürlich auch anhand der unterschiedlichen Anzahl der Dialoge zu beobachten. Dialoge sind generell schwer zu erfassen. Ich habe versucht auf meine eigenen Erfahrungen bei Familientreffen und vertrauensvolle Gesprächen mit Freunden zurückzugreifen. Ich habe versucht Khayats Charaktere identitätsgetreu und authentisch widerzugeben. Der Kern der Handlung beschreibt die Erfahrung mit kultureller Differenzierung. Obwohl diese kulturellen Unterschiede sehr stark dargestellt werden, erhielt ich dennoch den Eindruck, dass das Fremde zugleich das Vertraute ist, und es war mir wichtig, dieses Gefühl zu vermitteln.“ 

Die Jury (bestehend aus Shelley Frisch, Übersetzerin, Tess Lewis, Buchkritikerin/Übersetzerin und Michael Reynolds, Chefredakteur von Europa Editions) stellt fest:

„Unter den Einschätzungen der diesjährigen Jury hat sich aus den vielen, sehr guten Texteinreichungen eine Übersetzung besonders hervorgehoben. Dies ist insbesondere auf das technische Können, sowie die fachliche Kompetenz mit der es der Übersetzerin gelungen ist, sprachliche Dilemmata zu lösen und gewisse Übersetzungsfehler geschickt zu meiden, zurückzuführen. Auch die Qualität der Übersetzung im Allgemeinen wurde höchst gelobt. Die Juroren stellten zudem fest, dass sowohl die Lebendigkeit als auch die sprachliche Präzision des deutschen Originaltextes auch bei der Übersetzung ins Englische sorgfältig beibehalten wurde. Der preisgekrönten Übersetzung ist es gelungen, dem Klang des Originaltextes treu zu bleiben, noch dazu auf einer sehr natürlichen Weise. Was die Jury allerdings am meisten beeindruckte war das unabweisbare Talent und Potenzial, das aus Olsons Text sprach –  insbesondere unter der Berücksichtigung, dass alle Teilnehmer des Wettbewerbs noch am Anfang ihrer Karriere stehen. Der diesjährige Gutekunst Prize of the Friends of Goethe New York wird daher an Amanda Olson für ihre Übersetzung eines Auszugs aus Rasha Khayats Roman Weil wir längst woanders sind, verliehen.“

Sie können die preisgekrönte Übersetzung von Amanda Olson hier lesen:

Über AMANDA OLSON

Amanda Olson © Corey R. Tabor Amanda Olson hat einen BA in Deutsch und Anthropologie an der Pacific Lutheran Universität erworben. Zudem besitzt sie ein Zertifikat in Übersetzung des Bellevue College Translation & Interpretation Institut. Seit 2014 ist sie durch die American Translators Association als Übersetzerin vom Deutschen ins Englische zugelassen. Sie arbeitet als Übersetzerin für German Language Services in Seattle, WA.
 

Über den Preis

Year Winner
2016 Laura Caton
für ihre Übersetzung eines Ausschnitts aus Drohnenland von Tom Hillenbrand (Kiepenheuer & Witsch, 2014)
2015 Sophie Duvernoy
für ihre Übersetzung eines Ausschnitts aus Eisenkinder von Sabine Rennefanz (Luchterhand, 2013)
2014 Elizabeth Lauffer
für ihre Übersetzung eines Ausschnitts aus Gib jedem seinen eigenen Tod von Veit Heinchen (Zsolnay, 2001)
2013 Alta Price
für ihre Übersetzung eines Ausschnitts aus Bugatti taucht auf von Dea Loher (Wallstein, 2012)
2012 Daniel Clausen
für seine Übersetzung eines Ausschnitts aus Roman unserer Kindheit von Georg Klein (Rowohlt, 2010)
2011 Karí Driscoll
für seine Übersetzung eines Ausschnitts aus Was davor geschah von Martin Mosebach (Hanser, 2010)
Frederic(k) Paul Gutekunst wurde am 24. Juli 1889 in Moberly, Missouri geboren. Seine Eltern, George und Emilie Gutekunst, stammten ursprünglich aus Deutschland. Nach seinem Abschluß an der Moberly High School, besuchte er von 1908 bis 1912 das Central Wesleyan College, ein kleines College der deutschen Methodistengemeinde, das 1864 als Heim für Waisenkinder des Bürgerkriegs und als weiterbildende Einrichtung für die deutsche methodistische Jugend der Gegend gegründet wurde.

Nachdem er mit dem Grad eines Bachelor of Arts in Deutsch seine Studien beendet hatte, nahm er 1912 eine Stelle als Dozent für Deutsch und Stenographie am Wesleyan College an. 1915 wurde er als Dozent im Deutschdepartment der Universität von Missouri gelistet. Obwohl er noch keinen weiteren Abschluss gemacht hatte, wurde Frederick Gutekunst als Fakultätsmitglied an der Universität von Missouri geführt und war als solcher im Jahrbuch 1918 aufgeführt. Im Jahr 1917 heiratete er Grace Zimmermann, die ebenfalls am Central Wesleyan College studiert hatte.

Im Jahr 1924 graduierte Frederick Gutekunst im Master-Programm der Universität von Missouri – Columbia im Fach Deutsch. Er unterrichtete für einige weitere Jahre an der Universität von Missouri bevor er 1926 nach New York City umzog. Dort schrieb er sich in das Promotionsprogramm der Columbia Universität ein und begann am Hunter College Deutsch zu unterrichten. Zu diesem Zeitpunkt zog Frederick Gutekunst mit seiner Frau Grace und den beiden Töchtern Natalie und Marian nach Mt. Vernon, New York. Obwohl er seine Dissertation nie abschloss, wurde Frederick Gutekunst 1928 Dozent am Hunter College. Er unterrichtete dort 34 Jahre – bis zu seiner Pensionierung im Jahr 1960.

Frederick Paul Gutekunst starb im Januar 1985 in Mt. Vernon, New York.

(Die Nachforschungen über Frederick Gutekunst wurden von Johanna Blakely-Bourgeois erstellt.)