• Der Dritte © DEFA Film Library
  • Our Short Life © DEFA-Stiftung, Klaus Goldmann
  • Solo Sunny © DEFA-Stiftung, Dieter Lück
  • The Bicycle © DEFA-Stiftung, Dietram Kleist
  • Coming Out © DEFA-Stiftung, Wolfgang Fritsche
  • Herzsprung © DEFA-Stiftung, Helga Paris
Sara Stevenson, Foto: © Jacobia Dahm .

Kuratorin

Sara Stevenson, Programmkoordinatorin am Goethe-Institut New York, hat sechs außergewöhnliche Filme für unser DEFA-Sommerfilmfestival ausgewählt. Das Festival ist in Zusammenarbeit mit der DEFA Film Library der University of Massachusetts Amherst entstanden.

DEFA-Filme

Der Dritte © DEFA-Stiftung, Ingo Raatzke, Heinz Wenzel

Her Third (Der Dritte)

Regie: Egon Günther
DDR, 1972, 107 Minuten, Farbe

Die Mathematikerin Margit Fließer, Mitte 30, alleinstehend, zwei Kinder von zwei verschiedenen Männern, ist eine emanzipierte Frau. Glücklich ist sie nicht, ihr fehlen der Partner, Liebe, Zärtlichkeit und ein Vater für die Kinder. Bei der Wahl eines Mannes wird sie durch die gesellschaftliche Norm noch immer zur Passivität verurteilt. Margit ist entschlossen, die Konvention zu durchbrechen. Die Erinnerung an ihr bisheriges Leben bestärkt sie darin. Nach dem Tod der Mutter wurde sie Diakonissenschülerin, merkte jedoch, dass dies nicht ihren Vorstellungen entspricht. Sie ging zur ABF, erlag dem Werben des Dozenten Bachmann, erlebte die erste große Liebe und Enttäuschung. Von ihm ist das erste Kind. Danach gab sie ihre ganze Zuneigung einem Blinden, heiratete ihn, bekam das zweite Kind, doch auch diese Beziehung scheiterte. Nun ist sie entschlossen, den Dritten selbst auszusuchen. Kollege Hrdlitschka ist der Auserwählte, und sie überzeugt ihn von seinem Glück, wobei ihr die jüngere Freundin Lucie, die selbst gerade eine herbe Enttäuschung erlitt, eine verständnisvolle Hilfe ist.

Solo Sunny © DEFA-Stiftung, Dieter Lück

Solo Sunny

Regie: Konrad Wolf / Wolfgang Kohlhaase
DDR, 1979, 102 Minuten, Farbe

Sunny ist eine Schlagersängerin vom Berliner Prenzlauer Berg, die mit einer Band durch Dörfer und Kleinstädte tingelt. Sie sehnt sich nach Glück und Anerkennung. Der Taxifahrer Harry himmelt sie an, doch seine Lebensmaxime, die „schnelle Mark“, ist nicht die ihre. In den Philosophen Ralph verliebt sie sich, wird aber von ihm betrogen. Während der Tourneen muss sie sich ständig den Nachstellungen des Musikers Norbert erwehren. Nach einer handgreiflichen Auseinandersetzung mit Norbert und einem Streit mit dem widerlich-dummen Conférencier Benno Bohne, der sie auf der Bühne beleidigt, fliegt sie aus der Band. Deprimiert durch den Rausschmiss und enttäuscht von Ralph betrinkt sie sich, nimmt Schlaftabletten und landet im Krankenhaus. Ihre Freundin Christine kümmert sich liebevoll um sie. Sunny schöpft langsam neuen Lebensmut, und eines Tages bewirbt sie sich wieder – bei einer ganz jungen Band, die in einem Hinterhaus am Prenzlauer Berg probt.

Unser Kurzes Leben © DEFA-Stiftung, Klaus Goldmann

Our Short Life (Unser kurzes Leben)

Regie: Lothar Warneke
DDR, 1980, 109 Minuten, Farbe

Nach ihrer Scheidung entschließt sich die Architektin Franziska Linkerhand, für ein Jahr aus Berlin in eine Provinzstadt zu gehen – auch, um sich von ihrem Professor, mit dem sie bisher zusammen arbeitete, freizumachen. Franziska ist eine Maximalistin, und rigoros vertritt sie ihren Anspruch, Ideal und Wirklichkeit in Übereinstimmung zu bringen. In der Stadt N. kommt sie in ein Kollektiv, dessen Chef Schafheutlin vor den Zwängen der Praxis bereits kapituliert hat. Auseinandersetzungen sind zwangsläufig. In dem Kipperfahrer Trojanovicz lernt sie einen neuen Mann kennen und lieben. Aber wie im Beruf macht sie auch im Privatleben keine Kompromisse. Und so scheitert diese Beziehung an der bequemen, kompromissbereiten Lebenseinstellung von Trojanovicz. Die Zusammenarbeit mit Schafheutlin indes entwickelt sich positiv. Durch ihr Engagement löst er sich aus seiner Erstarrung, während Franziska von seinem Realitätssinn profitiert. Sie entschließt sich, in N. zu bleiben.

Das Fahrrad Bild: © DEFA-Stiftung, Dietram Kleist

The Bicycle (Das Fahrrad)

Regie: Evelyn Schmidt
DDR, 1982, 89 Minuten, Farbe

Susanne, ungelernte Arbeiterin, allein mit einem Kind, schlägt sich mehr schlecht als recht durchs Leben. Ihre Unzufriedenheit nimmt zu, als sie den erfolgreichen Ingenieur Thomas kennenlernt. Sie gibt ihre Arbeit auf, gerät in finanzielle Schwierigkeiten und meldet ihr Fahrrad als gestohlen, um die Versicherungssumme zu kassieren. Der Betrug fliegt auf, und sie landet vor dem Staatsanwalt. Sie ist deprimiert, und Thomas, der von dem Betrug nichts weiß, kümmert sich um sie. Als sie ihm die Sache und das bevorstehende Verfahren gesteht, stößt sie auf Unverständnis, und ihre Beziehung erhält einen Knacks. Thomas steht ihr zwar bei, aber seine Reaktion macht sie betroffen. Sie trennt sich von ihm – entschlossen, ihr Leben zu ändern.

Coming Out © DEFA-Stiftung, Wolfgang Fritsche

Coming Out

Regie: Heiner Carow
DDR, 1989, 108 Minuten, Farbe

In der Silvesternacht jagt ein Rettungswagen durch Berlin. Ein junger Mann, Matthias, hat Schlaftabletten genommen, ringt mit dem Tod. Rückblende: Ein anderer junger Mann, Philipp Klahrmann, ist ambitionierter Lehrer. Die Schüler mögen ihn, auch die Lehrerin Tanja. Sie verliebt sich in Philipp. Die beiden werden ein Paar. Da begegnet Philipp dem alten Schulfreund Jacob wieder, der ihn an die frühere homosexuelle Beziehung erinnert. Philipp hat die Erfahrung verdrängt, doch auf Dauer läßt sie sich nicht unterdrücken. Er lernt Matthias kennen, verliebt sich in ihn. Die leidenschaftliche Beziehung bringt ihn in schwere Konflikte. Tanja ist schwanger, er mag sie und will sie nicht enttäuschen. Für Philipp beginnt ein schmerzhafter Prozess des Sich-Erkennens. Er weiß nicht, wohin mit sich und seinen Problemen, stößt die anderen vor den Kopf. Tanja wendet sich gekränkt von ihm ab. Matthias, für den Philipp die große Liebe ist, unternimmt einen Selbstmordversuch. Philipp überwindet schließlich die Angst vor der öffentlichen Meinung und bekennt sich zu seiner Homosexualität.

Herzsprung © DEFA-Stiftung, Helga Paris

Herzsprung

Regie: Helke Misselwitz
Deutschland, 1992, 87 Minuten, Farbe

Ein kleiner Ort namens Herzsprung im Nordosten Deutschlands nach der Wiedervereinigung. Alles ist in Auflösung. Die russischen Soldaten ziehen ab, die Betriebe schließen, die Leute verlieren ihre Arbeit. Auch die junge Johanna, die in einer Betriebsküche gearbeitet hat. Sie begegnet einem fremden, dunkelhäutigen Mann. Ihr eigener Mann Jan ist durch die Arbeitslosigkeit aus der Bahn geworfen worden, läuft Amok und kommt ums Leben. Ihr Vater verbindet sich mit ihrer älteren Kollegin Elsa, die nicht allein sein möchte. Ihre Freundin Lisa erfüllt sich ihren lang gehegten Traum. Sie übergibt Johanna ihren Frisiersalon und macht sich auf den Weg in den Süden. Johanna verliebt sich in den Fremden, der in einem Imbisswagen an der Autobahn arbeitet. Ein junger Arbeitsloser, Soljanka, der sich mit seinen Freunden zu einer Bande zusammengeschlossen hat, ist empört darüber. Schon lange begehrt er Johanna und zündet nun den Wagen des Fremden an, will ihn erstechen und tötet dabei das Mädchen Johanna, das sich schützend vor den Geliebten stellt.