Jessica Burggraf

© Jessica Burggraf Frau Burggraf, erzählen Sie uns etwas über Ihren Hintergrund: Wo, wann und weshalb haben Sie Deutsch gelernt?

Ich habe Deutsch teils in der Familie und teils in der Schule gelernt. Deutschunterricht hatte ich seit der sechsten Klasse. Ich wollte wegen meiner deutschen Herkunft Deutsch lernen und außerdem, weil ich dadurch eine andere Sichtweise bekam als meine Mitschüler, die sich für Französisch oder Spanisch entschieden.

Wo, wann und weshalb haben Sie beschlossen, Deutschlehrerin zu werden?

Ich wollte etwas im schulischen Bereich bewirken, und meine Liebe zur deutschen Sprache ließ sich gut mit diesem Ziel vereinbaren. Ich habe im College eine Lehrerausbildung gemacht und bin ausgebildete Lehrerin.

Was ist die größte Herausforderung beim Deutschunterricht? Was ist besonders lohnend dabei?

Die größte Herausforderung ist, Kinder für ein akademisches Fach zu begeistern. Sprachen haben viel Schönes zu bieten und man kann viel Spaß damit haben, aber manche haben das Vorurteil, dass Sprachenlernen langweilig ist. Ich bemühe mich sehr, dieses Vorurteil abzubauen.

Gibt es so etwas wie den typischen Deutschlernenden?

Meistens handelt es sich um besonders motivierte Schüler, die eine Sprache wirklich lernen wollen, statt nur einen Pflichtkurs zu belegen oder eine Prüfung zu bestehen. Manchmal sind sie exzentrisch und albern, sie zählen aber fast immer zu den Schülern mit den besten Noten.

Wo haben Sie sich Unterstützung und Anleitung als noch recht unerfahrene Deutschlehrerin geholt bzw. wo holen Sie sich diese?

Ich bekomme viel Unterstützung und Anleitung von meinen Fachkollegen. Sie beobachten meine Stunden und unterstützen mich mit Rat, Strategien und Lösungen. Ich kann im Gegenzug in ihren Stunden hospitieren und von dem lernen, was sie tun.

Welche Aussichten hat Deutsch als Fremdsprache in den USA?

Das ist eine schwierige Frage, die sich nicht so leicht beantworten lässt. Wenn ein Programm die Schüler unterstützt und greifbare Ziele hat, die über das Lernen der Sprache hinausgehen (und Sprache zum Beispiel zu einem sozialen Event macht oder die Möglichkeit bietet, im Ausland zu studieren), und wenn wir den Gesamtzusammenhang nicht aus den Augen verlieren, wird sich Deutsch gut behaupten können. Es ist wichtig, sich klar zu machen, dass Deutsch besonders vielseitige Chancen und berufliche Möglichkeiten bietet, und als Differenzierungsmerkmal für Arbeitgeber dienen kann. Es ist eine seltenere Kompetenz als Spanisch und Französisch und ist auf vielschichtige Weise enger mit dem internationalen Handel und der internationalen Wirtschaft verknüpft. Schüler sollten verstehen, dass Deutschsprachige großen Einfluss haben, auch wenn Deutsch weniger weit verbreitet ist als andere Sprachen. Wenn Schüler das Gefühl haben, dass sie Teil einer besonderen, exklusiven Gruppe sind, wenn sie die Sprache nicht nur im Unterricht nutzen können und diese Chancen sehen und darauf hinarbeiten können, und wenn sie begreifen, wie viel es bringt, eine Sprache zu lernen, werden sie weiterhin Deutsch belegen. Die Kehrseite der Medaille sind jedoch Behörden und Schulen, die Deutsch keinen Wert beimessen. Das ist oft die größere Hürde, und ein einziger Mitarbeiter der Schulverwaltung, der das Deutschprogramm negativ sieht, bedeutet das sichere Ende des Programms.

Die Fragen stellten Christoph Veldhues und Olga Liamkina.